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Volltext: Alte und Moderne Kunst III (1958 / Heft 1 und 2)

gehwiinßehßghnm... 
BIEDERMEIER-GLUCKWUNSCHKARTEN 
Von GERHART EGGER 
Im Verlauf des 18. Jllbfhlllldßfli haben sich Gepflogenheiten und Um- 
gungslormen des gesellschaftlichen Verkehrs in den aristokratischen 
und bürgerlichen Kreisen entwickelt, die bis in unsere Zeii wirken. 
Ein wichtiger Teil dieser Umgangsfnrmen ist der llöfliehkeitsbesucb, 
der in dieser Zeit zuerst durch Besuehslaarten angekündigt, später durch 
die Abgabe dieser Karten ersetzt wurde. Oft verband man mit einem 
derartigen Besuch einen besonderen Wunsch und verwendete dazu eine 
  
Mm}, 14m- Irvwnl 56mm, 
Wälwr n-„äiulßlvm (AM, 
Eine Wicncr Glückwunschkarte mit dem Blumcnhccl 
„Liu-Pzc", das von einem {Mädchen hrgossen wird. 
Sinnliche (ilürkv unsrhkavlcn mm Im Besitz des österrelchlswhon 
snN-um 1m ungruanllte Kunst, 
 
Wunsehlaurte, die im folgenden anstelle des persönlichen Gliickzvitnsclaes 
übersandt wurde. So entstand rlie (Jlürlaivunsehkarie, die ihre größte 
Entfaltung in der Biedermeierzeit fuml. 
Wie die harnclae Besuehslearte, wenn sie ein Bild oder ein [Iinhlenz 
trug,in diesem oft einen inhaltlicher: Bezug zu dem Abgehenden hatte, so 
uerireixdete man schon im 1A). jnhrhundert für die Wunsrhkarteyr 
alleguristrbe Bilder im Zusammenhang mit dem jeweiliger: llVnnsela. 
Dieser (Je-danke blieb auch am Beginn des 19. jahrhnnderts bestehen, 
nur mit einer starken IPendmig zum Sentimenialen und Pdthetisrhevi. 
Lilrei-nonnneiz aus der „heroisrhi-n" Zeit um 1800 blieben die .,holaen 
Ideale", wie Freundschaft, HIJVB oder Gerechtigkeit weiterhin auch in 
dieser Generation das lllüinselaeizswerte, die zu passenden Gelegenhei- 
ten, wie Neujahr, Geburtstag mler [Vnmenstttg untereinander gewünscht 
wurden. Die meisten dieser Karten begleiten ihren IPnnscIJ mit einem 
darauf liezüglirhen allegurisrbeit Bild, das stilistisch stnrle in der 
Nachfolge des Klnssizismns steht. In gewisser Weise finden wir in diesen 
ideulistisrhJelassüistischen Karten eine Art Rüekzmgsgehiet oder I1 
Auswirkung barocker Tradition der Allegorie. Die Wünsche geben da- 
Fächcrförmigc Fnltknrte in geöffnetem Zu- 
stand. Geschlossen hat sie die Gestalt cincs 
kleinen Bricics. 
ln dem Brief, der auscinnndergelegt werden kann, 
sieht: „IOOO Glück zu dicscm Fest, alles Gute was 
sich wünschen läßl." 

	        

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