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Volltext: Alte und Moderne Kunst III (1958 / Heft 3)

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Nachbarländer. Nur eine relativ kurze Zeitspanne werden diese 
Einflüsse selbständig verarbeitet. Im 16. Jahrhundert gerät der 
ganze deutsche Bereich am Ende der mittelalterlichen Tradition 
unter den crdrückenden Einfluß der Niederlande. 
Hier und in den benachbarten französischen Gebieten war die 
Tapisserie schon seit dem Ende des 14. Jahrhunderts zu einem 
der umfangreichsten und künstlerisch bedeutendsten Zweige des 
Kunsthandwerkes aufgestiegen. Paris, Arras, Tournai und Brüs- 
sel beherrschen in ungefährer zeitlicher Abfolge den Entwick- 
lungsgang der Bildwirkerci im Westen. In den großen Werk- 
stätten und Manufakturen dieser Städte wurde, ausgehend von 
der Übertragung des gotischen Miniaturenstiles in großes For- 
mat, ein monumentaler Figurenstil entwickelt, der das Gegen- 
stück zur Monumentalmalerei der südlichen Länder darstellt. Bei 
fast völliger Ausschaltung jeder Raumillusion, beherrschen die 
Figuren in dicht gedrängten und oft übereinander gestaffelter 
Anordnung die ganze Fläche der großen Behänge. Reichtum 
und Vielfalt der sehr genau durehgezcichneten Einzelheiten herr- 
sehen über die Klarheit der Einzelkomposition. In der subtilen 
Durchführung und der Monumentalität der Stücke erweist sich 
ein selbständiger, dem Charakter von textilen Wanddekorationen 
entsprechender Stil, der als ebenbürtige Ergänzung zu der Blüte- 
zeit der niederländischen Tafclmalerei hinzutritt. Eine einschnei- 
dende Veränderung erfolgt hier durch den direkten Einfluß, den 
die Malerei im 16. Jahrhundert auf die Bildteppiche gewinnt. 
Mit der Umsetzung der Apostelserie Raffacls in die Tapisserie 
wird in Brüssel dieser entscheidende Schritt im zweiten Jahrzehnt 
des 16. Jahrhunderts getan. Mit der Aufgabe des eigenständigen 
mittelalterlichen Tapisseriestiles und der Übernahme von Ma- 
lereivorwürfen erfährt die niederländische Tapisserickunst ihre 
höchste künstlerische Blüte im 16. Jahrhundert. Die nächstfol- 
gende Generation von niederländischen Malern, wie vor allem 
Orley und seine Schüler, haben ihre besten Leistungen im Ta- 
pisserieentwurf geschaffen und damit den monumentalen Deko- 
rationsstil der Renaissancewandbehänge geprägt. Bis zum Ende 
des 18. Jahrhunderts sind Hauptmeister der Malerei, wie Rubens 
und Lebrun und zuletzt Boucher für die Bildwirkerei tätig ge- 
wesen und haben durch ihren in der Malerei ausgebildeten Stil 
den Charakter der Tapisserien bestimmt und immer stärker der 
Malerei angeglichen. Während die großen liigurenfolgen durch 
drei Jahrhunderte ihre Entwicklung in völligem Gleichklang mit 
der Malerei vollzogen, blieben die Verduren noch lange der 
flächigen, rein dekorativen Gcstaltungswcise treu, die sie schon 
im 15. Jahrhundert besessen hatten. Erst im 17. Jahrhundert 
gehen sie in den Landschafts- und Waldteppichen mit kleinen 
Figuren und Tierstaffagen auf. 
Nicht nur in der Ausbildung der 'l'ttpisserie zum gewirkten Mo- 
numerttalbild, sondern auch in ihrer Zusammenstellung und Ord- 
nung in großen Folgen und Zyklen, in ihrer Abstimmung auf 
bestimmte Räume, deren Wände sie überzogen und ihrer Ein- 
ordnung und Beziehung auf die Felder und Rahmungen der 
Wände werden die gewirkten Wandbchänge im Barock zu einem 
der wesentlichsten Bestandteile der Innendekoration. Die nieder- 
ländischen und französischen Bildteppiehe gehören wie die ba- 
rocken Fresken zum feststehenden Bestand der Schloßausst-ittun- 
gen. Erst die Auflösung der barocken Gesamtdekorationsidee mit 
der Bevorzugung kleingemusterlcr Tapeten und hellgetünchter 
Wände hat den gewirkten Wandbehang aus der Innenausstattung 
verdrängt. Ebenso wie die Savonncrien sind auch die Tapisse- 
rien aus dem Bild des modernen Innenraumes so gut wie ver- 
sehwunden, weil sie nur schwer aus ihrem angestammten Zu- 
sammenhang zu lösen sind, während die architektonisch unge- 
bundenen Teppiche bis heute ihren Platz im Innen- und Wohn- 
raum behaupten konnten. 
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