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Volltext: Alte und Moderne Kunst III (1958 / Heft 3)

ÖSTERREICHISCHE INDUSTRIETEPPICHE 
Von WI 
ELM MRAZEK 
Das 19. Jahrhundert hat durch die Erfindung, Einführung und 
Ausbreitung neuer leistungsfähiger Arbeitsmaschinen viele der 
kühnen Gedanken, die zu Beginn der Neuzeit von Leonardo da 
Vinei und seinen Zeitgenossen geträumt wurden, verwirklicht. 
Die vehemente technische Entwicklung zog auf nahezu allen 
handwerklichen Gebieten die Industrialisierung nach sich. Auf 
dem textilen Sektor wurde der Webstuhl, eine der ältesten Ma- 
schinen der Menschheit und bisher nur in gewissen Einzelheiten 
ein mechanischer Hundwebstuhl, bis zur Vollendung durch- 
mechanisiert und schließlich automatisiert. Die damit verbun- 
denen Umwälzungen brachten völlig neue Voraussetzungen ge- 
rade für die europäische Teppicherzeugung. In allen Ländern 
vollzog sich in den ersten Jahrzehnten des 19. jahrhunderts der 
Übergang von der Handknüpferei zur mechanischen Herstellung 
und damit der Schritt von der Manufaktur zur Fabrik. 
Führende Länder auf dem Gebiete der Teppicherzeugung waren 
England und Frankreich. Die Engländer, konservativ in ihrem 
Geschmack, ermöglichten den Fabriken die Erzeugung größerer 
Mengen von Stapelwarc und begünstigten damit die Einführung 
des mechanischen Verfahrens. Frankreichs Hauptstärke lag zwar 
im handgeknüpften Teppich, aber schon die Folgeerscheinungen 
der Revolution von 1789 zeigten dic Tendenzen, die dann mit 
der vom Jahre 1848 das Ende für den handgeknüpften Luxus- 
teppich brachten. Die neu heraufgekommene Gesellschafts- 
schichle des „dritten Standes". das Bürgertum, konnte nur die 
viel billigere Ware, die die Engländer auf den französischen 
Markt brachten, kaufen und zwang damit die französischen Pro- 
duzenten, sich der mechanischen 'l'cppichstühle aus England zu 
bedienen. 
Österreich trat ziemlich spät in Wettbewerb mit den anderen 
Ländern. Erst der wirtschaftliche Aufschwung der sogenannten 
Gründerjahre (1860 bis 1880) brachte eine intensive Förderung 
und Industrialisierung des heimischen Gewerbes mit sich. Der 
damit verbundene Wohlstand einer breiten bürgerlichen Schichte 
Blick in den Vor- und Festsaal des Schlosses 
Klesheim bei Salzburg. Den Boden bedecken 
handgeknüpfle Teppiche aus der libergas- 
singer Fabrik. Die traditionellen Dekorative 
- Streumusler und Rankenbordüre - sind 
der barocken Umgebung angepaßr. - 
Philipp Haas und Söhne. 
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