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Volltext: Alte und Moderne Kunst III (1958 / Heft 4)

ZUR GESCHICHTE DES OSTEREIES IN ÖSTERREICH 
Von ADOLF MAIS 
Die Wurzeln des heute zu einer Freudenquelle für jung und alt 
gewordenen Ostereier-Brauches sind mannigfaltig und verlieren 
sich alle über die historischen Gegebenheiten hinaus in der bio- 
logischen Funktion des Eics als dem Symbol des werdenden Le- 
bens, des entstehenden Lebendigen aus scheinbar toter Substanz 
und schließlich der Auferstehung und Wiedergeburt der Natur. 
Schon die Zauberlexte des l-lellenismus berichten von gefärbten 
Eiern; Grabungen am römisch-germanischen Griibcrfeld bei 
Worms aus der ersten Hälfte des vierten Jahrhunderts brachten 
bemalte Eier und ebenso Grabungen im altslavisehen Bereich in 
Schlesien und Galizien. ' Daß man sich aber schon zur Zeit der 
net um Ostern des jahres 1604: „Mehr ihr gnaden khaufft guldes 
ay vnd . .. 51 ß 21 D." und im März 1625 verrechnet das gleiche 
Kloster in den Hofmcisterrcchnungcn von Reichcnau für die 
heute nach Niederösterreich gehörende Pfarre Payerbach 
„ . .. vmb Ayrfarb 413") T. Fünf jahre später, 1630, erfahren wir, 
daß jedes Gemeindemixglied von Puchberg am Schneeberg Fim 
Karsamstag bei der Wasserweihe dem Pfarrer ein „Walg-Ei", das 
vom Spiel „Eiei-WaIgen" seinen Namen erhielt, abliefern mußtc 
und im heute eingemeindelen Stolzenwörth auch der Mesner mit 
einem solchen bedacht wurde. Die Bezeichnung „Wulg-Ei" taucht 
1660 in Rossatz in der Wachau wieder auf und zwar schuldete 
Titelblatt und Tirelkupfer der im Jahre 1675 
herausgegebenen Osterpredigten des Wiener 
Barnabilcn P. Don Florentius Schilling. 
(Österreichische Nationalbibliothek). 
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Fatimiden (10. bis 12. Jahrhundert) in Ägypten zur Osterzeit 
bunte Eier schenkte und mit ihnen spielte] ließ den Gedanken 
an eine Übertragung des Brauches durch die Kreuzfahrer auf- 
kommen. Wenn man aber das Eieriärben in Deutschland bis 
1553 zurückverfolgen kann" und im Jahre 1560 bei den Bene- 
diktinerinnen von Göss in der Obersteiermark „Bresilfarbe" zum 
„Axel-färben" erwähnt wird ', so muß man unwillkürlich an den 
Ferman Solimans II. aus dem Jahre 1536 denken, der eine „Zeit 
des Eierfärbens" (kroat: „o Earenim jajima") als Geschenktermin 
im sächsischen Bergrecht Bosniens erwähnt s, die Entspre- 
chungen in der türkischen Bezeichnung der Osterzeit als „kizil 
yurmurda" und im persischen Namen „beida surch", was beide 
Male „rotes Ei" bedeutet G, besitzt. Damit aber rückt die Möglich- 
keit der Übertragung des Ostereier-Brauches durch die Türken 
in greifbare Nähe. 
Doch zurück nach Österreich. Das Kassabuch des Zistcrzienser- 
klosters Ncuberg an der Mürz in der Obersteiermark verzeich- 
1 Rlchuxd Belll, Wörterbuch der deutschen Volkskunde, 2. AuIL, Stutt- 
gut was, s. 584. 
1 Adolf Jueoby, zur Geschichte der ourrrirr. In: Heu. Blätter mr Volkskunde, 
XXVllllGleßen m9, s. m 
l Hugo Hepdlng, Ostereier uria Osterhase. m: Heu. Blätter lür Volkskunde, 
XXVllGleßen 1928. s. 1x1 
l Albert Becker, Osten! und Osterhase. Jena m1, s. 431„ vgl. dnzu Leopold 
Krotzenbaehex, Vom roten Ostens] In der grünen Steiermark. m: Schweizerisches 
Archiv mr vuurrkuuur, 52x 13., Basel 1951, s. ms 
hier „jeglicher zu Ostern sein walgair" dem Fährmann im Falle 
der Neuanschaffung einer Fähre B. 
Verliältnismäßig früh ging man dazu über, den Namen „Osterei" 
oder „rotes Ei" im übertragenen Sinne für Geschenke aller Art 
und zwar sowohl für Sachspenden besonders an höhergestellte 
Personen als auch allgemein oder an bestimmte Persönlichkeiten 
gerichtete literarische Widmungen zu verwenden. So übersendet 
im Jahre 1634 der Maler Johann Hornstein ein von ihm gemaltes 
Gewerkschaltswappen dem Vorsteher der „Innerbergischen 
Hauptgewerkschaft" „an statt eines Rotten Ay" und die gleiche 
Gewerkschaft bestimmt im folgenden jahre als Anerkennung 
dem „Georg Fronhofer wegen fleißiger solicitatus der gewerkh- 
schallt bey hoff anhengiger saehen . . . zu einem osteray . . . drey 
gams heit (z Gemsenhäute)" ". Daneben aber hatte so ein Osterei 
etwas Verpllichtendes an sich, so, wenn zum Beispiel die Ge- 
meinde Brunn am Gebirge im jahre 1638 „dem Doktor Perger zu 
Ostern ein roths Ei" (bestehend aus Viktualien) „aus Verehrung" 
i Fehlm Spaho, Tllrikl mdnnilil Zükßni. In: Ülllilllk zcmuljiikog muzeju u Bosnl 
i Hcreegovlnl, xkv, Sarajevo im, s. 194. 
ß Hepdillg, u. n. 0.. s. m. 
1 Kretzenhucher, u.u.O., s. ins. 
9 Leopold Schmidt, Nledorösterrelehlsehe OHIOIEICI In alle! Zelt. In: mitun- 
blind-Kalender, Wien 1955, s. a1 
ß Krztzenhucher, 1.:. 0., s. 10a. 
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