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Volltext: Alte und Moderne Kunst III (1958 / Heft 5)

Kultsmttnmonstritnz vnn Joseph Moser, XYien 1742. Vergoldeles 
Qilber und Edelstrinhesatz, H : 66cm. Stift ftlclk. 
für Goldschmiede-arbeiten, die für die Zukunft ent heidend 
waren. Ausführender Meister war stets Johann Baptist Kiinisch_ 
bauer, ein gebürtiger Niederösterrcieher, der 1696 Meister wurde 
und seit 1712 kaiserlicher Kammergoldschmied und Schttzl 
kammerztdjunkt war. Kiinisrhbtttters Funktion scheint stets nur 
die des ausführenden Goldsehmiedes gewesen zu sein. Alle seine 
bekannten Werke gehen auf Entwürfe namhafter Architekten 
zurück. Mit liischer war er bereits in den neunziger jah- 
ren des 17, jahrhunderts in Verbindung, da er an der Silber- 
attsführung des ÄÄHFLIZCHCJ" llochaltarcs tiitig war. Daher liegt 
auch die Vermutung nahe, dah der Entwurf seines prächtigen 
Kelches von 1695, den heute das Stift "t, Lztmprecht besitzt. 
Fischer von Erlaeh zuzuweisen ist. jedenfalls zeigen sieh auf- 
fallende Ähnlichkeiten zu seinen Reliefs an der Wiener Pest- 
sii lC. Der Kelch ist wohl das Meisterwerk Känisehlmuers. 
Wenige jahre spiiter sehuf cr cinc mit Edelsteinen reich be- 
sctzte Monstranz tir die Loretokirche in Prag, die sein berühm- 
testes Werk bleiben sollte. Dazu ist ein llntwurfsblatt in den 
Harrachischen Sammlungen in Wien, erhalten, das mit gro- 
ller Wahrscheinlichkeit Fischer von Erlach zugeschrieben werden 
kann. Nicht nur die Zeichnung verrät den Ductus lternineskcr 
Schule. Auch die Umsetzung des gewnhnten Monstranztypus 
Augsburgiselter Prägung erfolgte ganz im u; te Berninis. Hin- 
ter der Gestaltung des Sehattgefiißes mit der zentralen Sonne 
der llueharistie steht letztlich Berninis Cathedra Pctri. Der kon- 
struktive Aufbau wird in eine bewegte Szene umgesetzt: Die 
lmmaculata (anstelle der karyathidcnttrtigen Engel der Augs- 
burger Monstranzcn) über dem Drachen, der die Welt gefangen 
 
 
 
hiilt, ist eine dreidimensionale Gruppe, über der die im Gegenlicht 
der Edelsteine crstrahlendc Sonncnseheibe mit der Dreifaltig- 
keit schwebt. Die Sonnenmonstranz in dieser reifen Form und 
die Umsetzung des abstrakten Aufbaues in eine plastische Ein- 
heit bleiben für die Wiener (joldschmiedekunst fortan grund- 
legend. Für die Netiheit der Lösung und für die neue Stellung 
Wiens ist es bezeichnend, dall die Monstranz der Prager Loreto- 
kirehe auf die süddeutschen Zentren zurückwirktc. Egid Quirin 
Asam hielt sich in seinem Entwurf zu der ttm 17-10 geschaffenen 
Sonnenmonstrttnz an Fischers (F) Vorbild. An Fischers Ideen 
knüpfte Känischbatier 1726 nochmals an, als er zu einer Kreuz- 
pitrtikrl, die Kaiser Karl VI. 1711 vom Papst geschenkt erhalten 
hatte, die Fassung eines Paeificales machen snlltc. Ob er dabei 
von sieh aus die Komposition des hlztrtazellet" Hochaltares 
abwandelte oder einen älteren Entwurf Iiisehcrs verwendete. 
liillt sich nicht feststellen. 
Im Jahre 17H schuf Känisthbatuei- für das Stift Klosternetihtlrg 
Melikelch von Joseph Moser, Wien 1775. Vergoldetes Silber. Edelstein- 
besatz. H : 27 cm. (leistliche Schatzkammer. 
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