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Volltext: Alte und Moderne Kunst III (1958 / Heft 5)

 
Schloß Eggenberg. Schäferszcne. 
loreneri Sohn, die zahlreichen Besitzungen des Stiftes unter Zu- 
grundelegung von Stichen des steirischen Schlösserbuches von 
Matthias Vischer (1681) in Tcmperamalereien dargestellt sind 
(1753-1760). 
Der Ausklang dieser reizvollen Mode wird in Dekorationen des 
Klassizismus sichtbar, die nach 1800 entstanden. Das Material ist 
nunmehr bemaltes Papier, das auf Jute aufgeklebt ist. Die Dar- 
stellungen sind vom Geiste dieser Epoche getragen und 1 
nichts erinnert mehr an die Dekorationen, in denen s 
lebensprühende Anmut und der Geist des Rokokozeitall 
spiegelten. 
Ist auch ihr künstlerischer Wert nicht sehr bedeutend, so sind 
bemalten Wandbespannungcn, abgesehen von ihrer Originali 
nicht zu unterschätzende kulturhistorische Dokumente. 
GLÄSER MIT EMAIL UND 
GOLDDEKOR 
Von IGNAZ, SCH 
DSS] 
Der Glassehnitt hat - besonders in den Glashütten des Riesen- 
gebirges - im 18. Jahrhundert eine ganz besondere Güte und 
Üppigkeit erreicht. Pokale, Konlektschalen, Becher und Flaschen 
wurden in allen ihren Formvariationen mit einem immer dich- 
teren Schnittdekor verziert. Über diesen Höhepunkt, der etwa in 
den dreißiger bis vierziger Jahren des 18. jahrhunderts erreicht 
wurde, konnte man einfach nicht mehr hinausgehen. Es bestand 
nur mehr die Möglichkeit den crnamentalen Dekor dem neuen 
Zeitgesehmaek anzupassen. An die Stelle von kalligraphischen 
Verschlingungen undsan die Stelle von Laub- und Bandelwerk 
mit all seinem Zubehör,'tritt eine Art Rocaillendekor, der bei 
den geschnittenen Gläsern das Aussehen von Schmetterlings- 
bzw. Fledermausflügeln annimmt; dazu kommen kleine Roset- 
tenblüten und aus den Flügeln ragen gekräuselte Blattwedel 
auf. Die leichte und lockere Wirkung des ornamentalen Dekors 
greift auch auf den übrigen Schnittdekor der Gläser über, ob es 
sich nun um Landschaften, figurale Darstellungen, Monogramme 
und Wappen handelt. Nicht ganz so glücklich und befriedigend 
wirkt eine Neuerung, die um die Mitte des Jahrhunderts immer 
häufiger angewendet wird, nämlich die Vergoldung von ein! 
ncn Teilen des Glasgefäßes. In früheren Jahren hat man bei 
sonders reich dekorierten Gläsern auch die als zartes Re 
hervortretenden Teile des Gefäßes mit einem miniaturhaf 
Schnittdekor versehen. jetzt aber werden der Mundrand und 
am Mundrand liegenden Rcliefpalmctten kräftig vergoldet t 
überschreien die stillere Wirkung des Glasschnittes. Damit v 
das barocke Glas in eine Sackgasse geraten, aus der es in c 
Tagen des Frühklassizismus nur mehr eine völlige Umkehr g 
einfachste Gefäßform und sparsamster Schnitt. 
Noch eine zweite Art des Glasdekors gelangt um die gleii 
Zeit zu einer Spätblüte; allerdings handelt es sich hier um e 
Form der Glasveredelung, die noch weniger als der Glassehl 
an die Glashütten gebunden ist. 
Die Emailmalerei auf Glas erlebte am Ende des Mittelalters 
Nahen Osten eine solche Blütezeit, daß sich ganz Europa für di 
Produkte eifrig interessierte. Solche Gläser kamen als „Rei 
andenken" in großer Zahl nach dem Westen. Und Venedig, t 
jede marktgängige Kunstart gerne aufnahm, griff auch sehr b 
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