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Volltext: Alte und Moderne Kunst III (1958 / Heft 5)

Bursa, Palla und Kelcbvelum gehören. Die Kztsel ist aus zwei 
verschiedenen Stoffen gearbeitet: Ihre Seitenteile sind aus bunt 
durchwirktcm, wohl frztnzö hem Goldbrokut gearbeitet pnd 
überdies mit goldenen und silbernen Blumen üppig bestickt. 
Der Mitteltcil zeigt auf wcifletn, gestreifte-m Silbcrrips ein ge- 
sticktes rötliches Bandornamcnt und Blumen aus geknotctcn und 
kcttenartigett Schnüren Auch (ioldläden und Paillctten sind zur 
llebung der festlichen Wirkung des Stoffes verwendet. In der 
Mitte unten ist ein großes, in Reliefstickerei gearbeitetes Wappen 
appliziert: Unter der kaiserlichen Krone der nimbierte Doppel- 
adler mit Schwert und Zepter; auf diesen aufgelegt ein gekrön- 
ter, gcvierteltcr Schild mit Ungarn, Böhmen, Burgund und 
Tirolßln der Mitte der österreichische Bindenschild unter dem 
lirzhcrztrgshut. Ein kleines Sehriftbztnd zeigt die Initialen F. l. 
(Franz I.) und M. T. (Maria 'l'heresia). 
Nur das Kclehvelum hat noch das originale Futter aus rotem 
Seidenmoire. Das Meßkleid ist mit breiter Silberborte gesäumt. 
Es kann kein Zweifel sein, dttll die beschriebene Kasel mit jener 
im Inventur der Hof- und Stiftskapelle von 1770 erwähnten iden- 
tisclt ist und somit jene ist, die im November 1765 von der Kai- 
serin aus Wien nach Innsbruck übersandt wurde} 
Das Nleßkleid zeigt jcne snftigeren und schwereren Formen, die 
nach hloritz Dreger als für das österreichische Rokoko typisch 
bezeichnet werden können} Der Mittelstreifen der Kztsel ist mit 
verschieden sehattiertcn, nebeneinander gelegten, kettenztrtigen 
Seidensehnüren (Gimpen) gestickt. Es ist dies jene Technik, derer 
sich hlaria 'l'lteresia bei ihren vielen Handarbeiten zu bedienen 
pflegte. So schreibt beispielsweise Kttroline Pichlcr, deren Mutter 
lange als Kammerfratt der Kaiserin diente: 
„Die Kaiserin saß, Knötehen sehürzend, ihre gewöhnliche Hand- 
arbeit, welche dann zur Verzierung von Kirchenornamcnten ver- 
wendet wurde, am liensterfqt 
ln der persönlichen Kurt spondcnz Maria Thcresias finden sich 
drei Stellen, die sich auf dieses Mcßkleid beziehen. Die ersten 
zwei Briefe, die wir dazu heranziehen, wurden von der Kaiserin 
sehr bald nach dem Tode des Kaisers geschrieben und sind an 
Sophie Amalie Gräfin linzenberg-Sehctck gerichtet. Diese war 
frtiher bei ihr als Hofdamc in Dienst gewesen und Maria 'l'heresia 
 
Kztsel aus dem Schlafrock Kaiser Franz l. 1765. 
Innsbruck, llufblllgkupellc. 
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Ausschnitt aus dem Brief der Kaiserin 
Maria Theresia an die Gräfin Enzenherg 
in Innsbruck, worin sie das Meßklcid 
„von dem wcrlhen Schlaffrcck" er- 
wähnt. 12. Februar 1766. 
Archiv Schloß Tnizherg. Tlrnl. 
blieb ihr auch spälcrhin, als jene die Frau dcs Tiroler Gouver- 
neurs Cassiun Ignaz Enzenberg wurde, durch freundschaftliche 
Korrespondenz verbunden. 
Der erste, leider nur mit „lc 14" datierte Brief, der aber von 
Maria Thcrcsia vermutlich am 14. November 1765 geschrieben 
wurde, beginnt so: 
.. . . .ma chere amic je vous recomande cc monsieur et madamc 
sa lemmc, il vous porlc de mci part un prescnt le plus grand que 
je pourois vous faire ct lc plus eher a nous deux je crois que 
vous en scrois comcnte je me suis donnöc tout lcs peines le 
faire reuissir je vous vois en 1c recevant . . f"; 
Um welches Geschenk besonderer Art es sich dabei handchc, 
enthüllt ein zweiter, am 12. Februar 1766, von Maria ThCPCSiLl 
auch eigenhändig an die Gräfin Enzenbcrg gerichteter Brief: 
„ . .. vous auroit vuc aujourdhui das Meessklryd von dem wer- 
lhen Schlaffrock. _]'cn als aussi un ici qui renouvellc ici lc mc! 
moire . . ." 7 
Das laut Inventar schon im November 1765 in Innsbruck ein- 
1 1111 Umstand, 111111 1111 1111 1111111 11111111 11111 1111111111111 1111 11111111111 1111111 1111111 
111111 1-'. 1. 1111 1111111 111111111 1111111111111-11111 111111111 1-"111111. 1111111111111. 11111111 111111 
1111111111 11111111 111111-111 111111111, 111111 111111111 1111111111 genule 1111 111111111 1111111 1111111 
111111111 11111111 11111 1111111 1111 1111111111111 1111111 11111111111 111111111111111111 1111111111 1111111- 
111111111 111111111 11111111. 
I 11111111 111111 111111111111111111111 v11 (19111) s. m. 
1 01111111111 v. 1-11111111 1111111111111111111111111 111111 111-0111111111. 111111 111111111111 1.111111. 
141111111111, 0101111111111 '11111g 11111 1. 1111. s, 55. 
ß 111 n111111111111g1 „1111111111 1111111 1111111111111, 1111 1111111111111 11111111 111111111 1111111 111111 
slvalsen Frau. Sie überbringen Ihnen von mir ein (man-nur, du! allergrößte. ihn 
m1 Ihnen zu gehen Yerluug und (im Hebun- mr ums lzellle m. m1 glaube Sie wer- 
den mit mir zulrlerlen xcln, denn habe mlr dle größte Mühe gegehen, daß es 
auch gellnge. Ich xelw su- ymr. wu Sie das (Icxßhenk elllplungen werden, 
nur mir . . n- urlginnx Im Archiv von Schloß Tnutzberg 
 
T .,s1e werden ln-uie (Im: JHl-sxkleyrl von dem Werlhcll SuhlaHruclJ gesehen hu- 
Insn. m. hulw num eine: hier, welchw hier die Erlnncrung wachhilll..." 
Orlglnul nn Archlv von Sehloß Trulzberg 
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