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Volltext: Alte und Moderne Kunst III (1958 / Heft 6)

nern besonders teuer. Zu ihnen gesellt sich Katharina, Patronin 
zweier um 1324 und 1326 verstorbener Habsburgerinnen, mit 
zwei Szenen ihres Martyriums. So umgeben Passion und Glau- 
benstod die Sterbestätte Albrechts - gewiß in tröstlicher Glei- 
chung zum Hinscheiden des mittelalterlich christlichen Königs, 
der beim Vollzug seines Amtes das Leben lassen mußte. 
Das folgende Fensterpaar mit dem Apostelkollegium beschließt 
als erste „Kirche" die evangelische Erzählung. In den vier west- 
lichen Fenstern durften die Ordensgründer Franziskus und Klara 
mit den Stationen ihres vorbildlichen Lebens nicht fehlen. Das 
Nikolauslenster bringt den Patron des habsburgischen Landes 
Lothringen zu Ehren. Schließlich verehrten die Klarissen im 
Annafenster mit Maria und deren Mutter ihre liebsten, zu Chri- 
stus hinleitenden Heiligen; den Namen Anna hatten auch einige 
kurz zuvor verstorbene liürstinnen des Stifterhauses getragen. 
Insgesamt zeigt so das Bildprogramm den Gedanken des mittel- 
alterlichen Königtums und der Familienpietät in vielfacher Ver- 
schränkung mit der christlichen, franziskanisch interpretierten 
Heilsgeschichte. 
S0 hohe Voraussetzungen mußtcn dic Glasmaler beflügeln. Groß- 
und Kleinformen der Bilderreihc sind gleichermaßen auf eine mo- 
numentalc Einheit abgestimmt. Im Wechsel der Rahmenformen 
- einmal fensterbreite Medaillons, dann schreinhafte Architek- 
turen _, im Verhältnis von ßildgrund- zu Zwickelfarbe, im 
Wandel der Zwickelfüllungen vom Gcometrisehen zum Pflanzli- 
chen und weiter zu Heiligen- und Engclgestaltcn erweist sich die 
Fensteriolgc als ein Meisterwerk zyklischer Komposition. 
Für den Bilderschmuck der Ged htniskirche muß das Stifter- 
hnus eine der führenden Werkstätten des Reiches berufen ha- 
  
brief von 1311 festgelegt ist: zu Lob und Ehre Christi und Mariae, 
zur Verehrung der Heiligen, zu Hilf und Trost des verstorbenen 
Königs und der habsburgischen Vorfahren. Nach Ausweis der 
Donatorenbilder, die unten in den Fenstern nach dem Geburts- 
rang aufgereiht sind, meist Ehepaare als demiitige Beter, hat die 
Familie Albrechts den Chorzyklus gestiftet: von seinen Söhnen 
die Herzöge Albrecht II._ Heinrich; Otto und Leopold I., ferner 
ein Enkel, Herzog Rudolf von Lothringen; weitere Stifterdarstel- 
lungen Scheinen verloren zu sein. Bezieht man ihre Heirats- und 
Todesdnten „per exclusionem" auf die Schenkung, so ergibt sich, 
daß die Bilderfolge des Chors in der kurzen Spanne von 1325 bis 
1330 entstanden ist, was mit der Weihe der Kirche überein geht. 
Eine weitere habsburgischc Sippenreihe. um 1360 geschaffen, 
läßt sich aus Fragmenten der Seitenschiffverglasung und Ab- 
bildungen im Fuggcrsehen Ehrcnspiegel von 1555 erschließen: 
demnach umgaben vierzehn Fiirstinnen und Fürsten, versehen 
mit Baldachin, NVnppen und Inschrift, in Gebet und Gedenken 
das habsburgische lirbbegräbnis, das sich inmitten des Langhauses 
befindet (frnnslzition der Leichen im Jahre 1770 auf Gesuch von 
Maria Theresia). 
Die Einhcildes Auftrags für dieChorfenster kommt in der Einheit 
des Bildprogramms zum Ausdruck. Der Zyklus, der nur auf der 
Südseite beträchtliche Ausfälle erlitten hat, bietet noch heute den 
seltenen Anblick einer ikonographischen Gesamtschöpfung. In 
ihr kommen franziskanisehes Gedankengut und habsburgische 
Lieblingsheilige gleichermaßen zur Geltung. Den Ehrenplatz im 
Chorseheitcl nimmt wie üblich die Lebensgeschichte Christi ein, 
mit der Menschwerdung, der Passion und der Verherrlichung. 
Diese drei Heilskünig-Fenster der Mitte sind flankiert vom Vor- 
läufer Johannes - zugleich Patron der Stifterin johanna von 
Pfirl und Lieblingsheiliger der Königin Agnes - und vom Nach- 
folger Paulus - beide mit ihren Legenden, beide den Franziska- 
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