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Full text: Alte und Moderne Kunst III (1958 / Heft 7 und 8)

JUNGES MUSEUM M1 
AL 
TRADITION ' 
Die Salzburger Residenzgalerie stellt sich vor 
Von 
ERNST 
'KO 
 
Seit dem Jahre 1612 ist das Bestehen einer erzbischöflichen Ge- 
mäldegalerie in Salzburg nachweisbar. In diesem Jahr werden 
105 „Stuck" an Inventar angeführt, 1619 hat sich die Sammlung 
auf 16') Nummern erweitert, 1654 werden bereits 247 Gemälde 
angeführt. Die erste wissenschaftliche Bestandsaufnahme er- 
folgte 1750 über Befehl des Erzbischofs Andreas Jakob unter 
Herbcizichung des Hofmalers Franz Ebner. Damals zählte die 
Sammlung nicht weniger als 995 Bilder, VOn denen sich jedoch 
etwa nur die Hälfte im Gebäude der Residenz selbst befand. 
1789 erhielt der Hofmaler Franz Nesselthaler den Auftrag, aus 
diesem bedeutenden Bestand die besseren Gemälde auszuwählen 
und in der Residenz selbst zu einer richtigen Gemäldegalerie 
zusammenzustellen. Unter den Künstlernamen der 70 auserle- 
senen Werke wurden u. a. Hans von Aachen, Bassano, Bellini, 
Carraeei, Caravaggio, Cranach, van Dyek, Rembrandt, Guido 
Reni, Rubens, Teniers, 'l'intoretto, Valckenborch und Vries ge- 
nannt. 
Als das selbständige Reichs- bzw. Kurfürstentum 1805 aufge- 
löst wurde, gelangten sofort die kostbarsten Kunstwerke, Schrif- 
ten und Drucke nach Wien, darunter auch 65 Gemälde. Der Rest 
wurde 1816 in einer Versteigerung zu Spottpreisen verschleudert, 
die alte Residenzgalerie hatte zu bestehen aufgehört. Auch das 
1834 gegründete Salzburger Museum Carolino Augusteum verv 
mochte es nicht, die willkürlich unterbrochene Tradition fortzu- 
führen, wenngleich die viel gelästerte, weil lange Zeit hindurch 
mangelhaft betreute und aufgestellte Gemäldesammlung immer- 
hin die einzige Brücke von damals zu heute darstellte. 
Erst im Jahre 1923 kam es zur Neugründung der Salzburger Re- 
sidenzgalerie. Längst hatte sich die Erkenntnis durchgesetzt, daß 
eine Gemäldesammlung im engeren Sinn einer „Residenz-Gale- 
rie" zum integren Bestand einer barocken Hofhaltung gehörte, 
daß ihr Fehlen in dem durch und durch barocken, städtebaulich 
fast unberührt gebliebenen Salzburg eine sehr empfindliche 
Lücke darstellte. Die neue Residenzgalerie war nach den Absich- 
ten des bedeutenden Salzburger Lokalhistorikers Franz Martin 
eine Sammlung Salzburger Kunstgutes. Das jahr 1938 brachte 
ein rasches linde der jungen Institution; ein Teil der Gemälde 
wurde 1942 von der neu eingerichteten Landcsgalerie übernom- 
Rembrandt: Die Mutter clcs Künstlers be- 
tend. Ol auf goldgrundicrxer Kupferplatte, 
15,5 X. 12,2 cm. Um 1628130. Noch am An- 
lang des künstlerischen Lebcnswerks Rem- 
brandts sxchcnd, zeigt das kleine Gemälde 
bereits den Weg auf, den der Maler gehen 
wird: Überwindung des Materiellen, Äußer- 
lichcn, Triumph der seelischen Werte. 
(Sammlung Czernln Nr. es, Sulzburger Resldenz- 
gnlerle, Im. 101.) 
35
	        
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