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Volltext: Alte und Moderne Kunst III (1958 / Heft 11)

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wünschen solltest, wie ich die Ruhe der Zurückgezogenheit zu 
suchen, so wünsche ich dir einen Sohn, dem du das Zepter 
mit ebensoviel Freude übergeben kannst, wie ich es heute tue." 
Diese ergreifende Szene war ein Symbol der großen Wandlun- 
gen, die das Weltbild grundlegend veränderten, das Karl V. in 
sich getragen hatte. Wie er dastand in feierlich-schwarzem Ge- 
wand, auf dem nur die goldene Kette des Vließes leuchtete, 
verkörperte er eine Welt, die sich zum Abschied rüstete. 
Einige Monate später, am 16. jänner 1556, verzichtete er auch 
auf die Kronen seiner spanischen Reiche und schließlich, im 
Herbst dieses Jahres, legte er auch die Kaiserkrone in die Hände 
seines Bruders Ferdinand, des Königs von Böhmen und Ungarn 
und Erzherzogs von Österreich. Das Schwergewicht des Reiches 
verlagerte sich so vom Westen nach dem Osten. Erst im Februar 
1558 nahmen die Kurfürsten die kaiserliche Abdankung an und 
erhoben den römischen König zum römischen Kaiser. Als die 
Nachricht davon in San Yuste eintraf, berief Karl V. seinen 
Beichtvater und befahl, man solle ihn in den Gebeten von nun 
an nicht mehr Kaiser nennen. „Für mich ist es mehr als genug, 
wenn ihr mich Carlos nennt: denn nun bin ich nichts mehr." 
So also hatte sich sein Glaube nach innen gewandt. Als Kaiser 
war er für ihn mit den Machtmitteln seiner Herrschaft nach 
außen eingetreten und hatte keine Mühen gescheut, den Un- 
glauben zu bekämpfen, das christliche Abendland unter seiner 
Fahne zu sammeln und gegen den Feind des Glaubens zu führen. 
jetzt drängt diese Glaubensglut zur Läuterung der eigenen Seele, 
zu persönlicher Zwiesprache mit Gott. Das universale Thema 
des Führertums in der rcs publica christiana, im orbis chri- 
stianus, das Taten und immer wieder Taten forderte, das mit 
unwiderstehlicher Stimme zur Erfüllung kaiserlicher Pflicht rief 
und dem schwer-fälligen Körper und bedächtigen Geist Über- 
windungen und Anstrengungen ungewöhnlichen Ausmaßes zu- 
mutete, wandelte sich in das individuelle Thema der Sorge um 
das ewige Heil seiner Seele. „Der Glaube scheidet sich von der 
Herrschaft", so sucht Reinhold Schneider dieses Phänomen zu 
erklären. „Gebet und Befehl tönen nicht mehr aus einem 
Munde." 
Erasmus hatte ihm, da er noch als junger Prinz in den Nieder- 
landen lebte, die „Institutio principis christiani" gewidmet, in 
der er die Pflichten des vom christlichen Glauben her geformten 
Fürsten darlegte, die Pflicht, Gerechtigkeit zu üben, Milde wal- 
ten zu lassen, sich die Herzen der Untertanen zu gewinnen und 
vor allem den Frieden zu wahren. Gattinara, der unermüdliche 
und umsichtige Lenker der Politik, betonte die reale Grundlage 
universaler Macht und Größe, nutzbar und einsetzbar gemacht 
für Christentum und Kirche. Kein Zweifel, daß die in den ritter- 
lichen Vorstellungen Burgunds von adeliger Ehre und Großmut 
herangebildete Natur des Kaisers solchen ehrgeizigen Gedanken- 
gängen, wie sie Gattinara empfahl, sehr empfänglich war, daß 
„honneur et reputation de notre maison d'Autriche" wirksame 
Motive waren. 
Doch gerade die Macht ist es, die seine Gegner reizt und 
herausfordert, die dem staatlichen Denken eines Franz I.. 
seines ewigen Widersachers und immer ungetreuen Feindes, 
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