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Volltext: Alte und Moderne Kunst III (1958 / Heft 11)

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die Herzöge zu den bedeutendsten Mäzencn und Auftrag- 
gebern der Tapisseriekunst. Das außerordentliche Reprä" 
tationsbedürfnis und die Prunkentfaltung, die alle anderen Höfe 
in den Schatten stellen sollte, veranlaßte hier einen Luxus auch 
in der Sammlung immer neuer kostbarster Wandbehänge, wie er 
kaum je wieder erreicht wurde. Zweifellos haben diese Tra- 
dition und der große burgundische Tapisseriensehzttz zusam- 
men mit der im 16. Jahrhundert überall stark anwachsenden 
Neigung zu den Wlandteppichen auch bei Kaiser Karl V. sein 
starkes Interesse an diesem, gerade in seinem Geburtsland be- 
heimateten Kunstzweig in besonderer Weise gefördert. 
Die beiden bedeutendsten Tapissiers und die größten Ateliers. 
die Brüssel, das führende Zentrum der europäischen Wand- 
teppieherzeugung, besaß, waren im Dienst des Kaisers und seines 
Hofes beschäftigt. Pieter van Aelst, der erste mit Sicherheit als 
Leiter eines Brüsseler Großunternehmens der Tapisserie im 
16. Jahrhunderts faßbare Meister, der mit der Ausführung der 
Apostelserie nach den Entwürfen Raffaels sich internationales 
Ansehen erworben hatte, war als Hoftapissier schon unter Phi- 
lipp dem Schönen mit dem Haus Österreich in enge Verbindung 
getreten. Teils in direktem Auftrag. groflteils durch Vermitt- 
lung der Statthalterin Margarcthe von Österreich gelangten die 
großen Aufträge des Kaisers bei Pieter van Aelst und seinem 
Nachfolger Pieter Pannemaker - Hoftapissier seit 1523 -- zur 
Ausführung, wie die Folge mit dem Leben Christi als Geschenk 
für Isabella von Portugal, die Passionsfolge, der Thronhimmel 
oder der Abendmahlsteppich (Madrid). In den dreißiger Vlahren, 
auf dem Höhepunkt seiner Macht, fand der Kaiser dann in 
Brüssel den Meister, dessen Dienste er sich von da an fast aus- 
schließlich bediente und der gerade durch diese großen kaiser- 
lichen Aufträge in kurzer Zeit zum berühmtesten Wirker Eu- 
ropas wurde, Wilhelm Pannemaker. 
 
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Es ist bezeichnend für den Charakter der Wandteppiche als aus- 
gesprochener Hofkunst, daß das starke Interesse und die Auf- 
träge des Herrschers nicht nur die Geschichte eines einzelnen 
Ateliers, wie das Pannemakers, sondern die ganze Entwicklung 
der Brüsseler Tapisseriekunst in entscheidender Weise beein- 
flußte. Die noch fest an den Traditionen des Spiilmillelalters 
haftenden Zunftordnungen der Briisseler Wirker hatten in den 
ersten Dezennien des 16. Jahrhunderts durch die große, nicht. 
nur künstlerische, sondern auch wirtschaftliche Umwandlung 
der ganzen Erzeugung viel von ihrer Geltung eingebüßt und 
immer wieder wurde der dringende Wunsch nach einer gültigen 
neuen Ordnung laut. Die kaiserlichen Verordnungen von 1528 
und 1544 dienten vor allem dem Schutz und der Sicherung der 
guten Qualität der Bildteppiche. Gerade zu dem Zeitpunkt, als 
die Wandteppicherzeugung der Niederlande Massenerzeugung 
mit einem Export über ganz Europa zu werden begann, wurde 
mit aller Macht dem alten Wahlspruch der Brüsseler Zunft, „Ein 
guter Name gilt mehr als Reichtum", besondere Geltung ver- 
schafft. Zu diesem Qualitätsschutz gehörten außer der Kontrolle 
durch Sachverständige und strengen Strafen, die auf minder- 
wertige Ausführung gesetzt wurden, vor allem die Einführung 
des Signierungszwanges für alle besseren Arbeiten und dic Ver- 
bote, in Ateliers, die die besten und schwierigsten Arbeiten über- 
nehmen konnten, auch billige Gehrauchsware herzustellen und 
bei Übernahme umfangreicher Aufträge Teile der Arbeit an 
andere Meister, kleinere Unternehmen oder gar in andere Orte 
weiterzuvergeben. Gerade dieses letzte Verbot, das nicht nur 
aus der Sorge um die gleichmäßige Qualität der Ausführung, 
sondern auch aus dem alten Zunftgedanken entstanden war, kein 
einzelnes Unternehmen zu einer überragenden Ausdehnung und 
damit zu einer führenden Stellung aufsteigen zu lassen, hatte 
in dieser Zeit, als die Aufträge und die einzelnen Folgen immer
	        

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