MAK

Volltext: Alte und Moderne Kunst III (1958 / Heft 11)

Ständen zu ihrem neuen Landesherrn nach Spanien gesandt wur- 
den, befand sich als Vertreter der Steiermark Sigismund von 
Herberstein. Er hatte schon das Vertrauen Kaiser Maximilians 
genossen und war von diesem wiederholt mit schwierigen Auf- 
gaben betraut worden. Bei den Verhandlungen der Abgesandten 
der Länder mit Karl und dessen Räten (im Winter 1519120 in 
Molin del R6 bei Barcelona) fiel Herherstein durch seine ge- 
mäßigte und dem Landesfürsten gegenüber loyale Haltung auf. 
Schon zu Beginn des jahres 1521 ernannte ihn Karl als sein 
Landcsfürst „zu aincn lnnncl rat im fürstenthumb Steyr". Bald 
wurde er auch als kaiserlicher Vertreter zu den Reichstagcn 
entsandt und nahm dann an den Verhandlungen teil, die zu 
den Erbtcilungsverträgen (1521, 1522) zwischen Karl und Fer- 
dinand führten. Von da an versah er am Hof Ferdinands ver- 
schiedene Ämter, wurde schließlich 1537 in den Freiherrnstand 
erhoben, im selben Jahr zum Kriegsrat und zwei Jahre darauf 
eine slawische („die windische") und eine romanische Sprache, 
sondern halle auch Gelegenheit zu lernen, wie man nationale 
Eigenart erkennt und sich ihr nnpaßt. Seine äußere Erscheinung 
war aehtunggcbietend. In den Verhandlungen verband er mit 
treffsicherer Schlagfertigkeit die Gabe, auch sehr unangenehme 
Sachen in einer Art vorzuhringen, die nicht verletzte. Sogar die 
ansonsten sehr distanzierten Moskauer schätzten ihn auch persön- 
 
Ahb.2. 
Vnsilij III. lvanoviö, Moskauer Großfüral 1505-4533. 
Illunrution zur ersten Ausgabe von Herhcrsteins Musee- 
viu (1549) von dem bekannten Kupferslechcr Augustin 
llirschvogcl (1503-1553). Rechts unten eine nicht sehr 
gelungene Wiedergabe des großfürsllichen Wappens. 
. . oATtoNE A FERDINANDO IMPERA. 
0M! Tv CHIDVCE MtssvS an Mgsßvgt 
in; n: TAL! ILLMISIT VESTE. 
ä 
 
Abb. 1. 
Sigismund Freiherr von Herbe lein im Ehrenklcid, 
das ihm der Moskauer Großlu "t 1526 geschenkt 
hat, Holzschnitt aus der autobiographischen Schrift 
Herbersteins „Gratae posteritati...", Wien 1561). 
 
 
zum Präsidenten der niederösterreichischen Kammer ernannt. 
Wie Maximilian und Ferdinand, so schätzte auch Kaiser Karl, 
dem er nur kurze Zeit diente, den gewissenhaften und gewandten 
Mann. Vor allem für seine Mitwirkung bei den Erbteilungen 
gewährte er ihm eine Wappenverbesserung, auf die wir noch 
einmal zu sprechen kommen werden. 
Seine bedeutenden Leistungen in kaiserlichen Diensten voll- 
brachtc Herberstein jedoch nicht als Rat oder Kammerpräsident, 
sondern als Diplomat. In jenem Gebiet geboren, in dem die drei 
großen Völkerfamilien Europas aneinandergrenzen (Wippiach in 
Krain, 23. August 1486), lernte er schon als Knabe nicht nur 
 
Abb. 2. 
Vasilij III. Ivanovie, Moskauer Großfürst 1505-1533. 
Illustration zur ersten Ausgabe von Herbersteins Mosco- 
via (1549) von dem bekannten Kupferstechcr Augustin 
Hirschvogel (1303-1553). Rechts unten eine nicht sehr 
gelungene Wiedergabe des großfürstlichen Wappens. 
lich;so lud ihn der Großfürst Vasilij III. (Abh.2) zu einer Jagd 
ein - eine seltene Ehrung für einen Gesandten. Aus einer rei- 
chen Bildung schöpfend, vermochte er seine Gesprächspartner 
zu beeindrucken und daher auch zu beeinflussen. Wie er Kaiser 
Maximilian mit Erzählungen von seinen Reiseeindrüeken ge- 
fesselt hatte, so werden auch andere mit Freude und Interesse 
seinen Erzählungen gefolgt sein. Wie sehr er sich übrigens der 
Bedeutung seiner Reisen bewußt war, zeigt schon allein, daß er 
zu allen wichtigeren Reisen Holzschnitte anfertigen ließ, und 
daß er bei der Wappenverbesserung, die ihm Kaiser Karl ge- 
währte, als Helmzier drei Herrscher abbildele: In der Mitte der 
Kaiser, zu seiner Linken der König von Spanien und zu seiner 
Rechten der Großfürst von Moskau - sein südwestlichstes 
Reiseziel und sein niordöstliehstes (Abb,5 und die Darstellun- 
gen am oberen Rand der Karte, Abb. 6). 
Zu den persönlichen Eigenschaften, die ihn zu einem glänzen- 
den Diplomaten machten, kam noch eine wohlfundierte Sach- 
kenntnis vor allem der Verhältnisse in den östlichen Nachbar- 
ländern, Am Beginn seiner Diplomatentätigkeit wurde er - 
erst dreißig Jahre alt - mit einer sehr heiklen und peinlichen 
Mission an den dänischen König Christian II. beauftragt; er 
verhandelte auch wiederholt für Maximilian und Ferdinand an 
deutschen Fürstenhöfen, doch sein eigentliches und nach 1534 
auch ausschließliches Tätigkeitsgebiet war Ungarn bzw. Sieben- 
bürgen und vor allem Polen. Das Hauptproblem der Habsburger 
im Osten besonders nach 1526 war die Türkengefahr. An der 
Gestaltung der damit eng zusammenhängenden Beziehungen zu 
31
	        

Nutzerhinweis

Sehr geehrte Benutzerin, sehr geehrter Benutzer,

aufgrund der aktuellen Entwicklungen in der Webtechnologie, die im Goobi viewer verwendet wird, unterstützt die Software den von Ihnen verwendeten Browser nicht mehr.

Bitte benutzen Sie einen der folgenden Browser, um diese Seite korrekt darstellen zu können.

Vielen Dank für Ihr Verständnis.