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Volltext: Alte und Moderne Kunst III (1958 / Heft 12)

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PersischerInschriftenteppich aus dem 16.-17. Jahrhundert. 
Aus dem Besitz Palavicini, 
sind drei mit Spiegelschrift, und nur einer mit Normalschrift 
ausgefüllt. l 
Es ist bekannt, daß das Quadratkufi äußerlich die Formen der 
chinesischen Siegelschrift nachahmte. Die Fähigkeit des arabi- 
schen Duktus. deren verschlungene Schriftzüge zu kopieren, be- 
weist seine große Wandelbarkeit. 
Der Spruch gehört zum muslimischen Glaubensbekenntnis und 
wird unter anderm in der „Abbasidischcn Perle", einem rnuham- 
medanisehen Katechismus für Schulkindcr angeführt. 
Die obere Schmalseite der Bordüre enthält Inschriften in Näs- 
chi. Die Dreiteilung der Langscitc ist aufgehoben und durch eine 
Vierteilung ersetzt, wobei jede Abteilung durch ein Wort be- 
krönt wird, das als sallim, „sprich das Salam", gelesen werden 
könnte. Das Salam bildet den Absehluß des muslimischen Gebe- 
tes. Die darunter gesetzten Worte enthalten jedoch nicht die üb- 
liche Formel, sondern repetierend einen anderen Teil des Thron- 
vcrses. Die Übersetzung lautet: „Er weiß die Zukunft und was 
xiergangen ist, und sie (seil. die Menschen) begreifen nichts von 
seinem Wissen, außer er will es." Der Duktus der Schriftzüge 
verläuft je zweimal in Nnrmalschrift und zweimal in Spiegel- 
Schrift. 
Die rechtwinkelig ansetzende zweite Langseite der Bordüre ist 
wie ihr Pendant durch zwei auffallende Sterne mit geflochtencm 
Quadratkufi in drei Abteilungen gegliedert. Sie enthalten über 
floralem Grund mit Spiegcl- und Normalschrift geschriebene In- 
sehriften in Näschi, Der Text der Schriftstellen entspricht dem 
auf der schon besprochenen Langseite. 
Ebenso reich an Inschriften wie die Bordüre ist auch der Schmuck 
des Innenfeldes. In den Spitzen der Medaillons steht das Takbir, 
das ist eine Gebetsformel, welche das Gebet und jeden einzelnen 
Abschnitt der verschiedenen Gebetshandlungcn einleitet. Es lau- 
tet: lenbbir allahu akbar, das ist: „Sprich das Takbir: Allah ist 
der Größte." Der Duktus der Schriftformel ist dreimal in Nor- 
malschrift und zweimal (in der linken Spitze des unteren und im 
oberen Medaillen) in Spicgclschrift gezogen. Umrahmt ist das 
Takbir von einer Art Kartusehe, deren Umrisse trcppcnartig ge- 
zeichnet sind, die aber keine Symmetrieaehse aufweist. Das übrige 
Feld der Medaillons ist mit bogig verbundenen Ranken und Blu- 
menmotivcn erfüllt, über deren Bedeutung oben gesprochen 
wurde. 
Der die Mcdaillons umgebende Grund des [nnenfeldes ist durch 
waagrechte, in unregelmäßigen Abständen geführte Linien in ein- 
zelne Zeileti und die Zeilen wieder durch senkrechte, diagonale 
und gebrochene Linien wabenförmig in ungleich große Zellen 
unterteilt. Die Zellen sind überwiegend mit Schrift gefüllt, sel- 
tener bemerkt man kabbalistische Zeichen wie das Quinkunx, 
das Fünfaugc des Würfels, das gegen den bösen Blick schützen 
sollte. Die Inschriften der Zellen laufen in alle möglichen Rich- 
tungen und wiederholen sich zeilenweise ebenso wie in den cin- 
zelnen Zellen Ihr Duktus ist in Normalschrift und in Spiegel- 
schrift gezogen, die Schrift ist Näschi. Die Lesbarkeit hat durch 
Abnützung zum Teil sehr gelitten. Indessen bieten sich dem Auge 
einige der 99 (oder nach Baschiruddin 103) Beinamen Allalfs dar, 
welche übersetzt lauten können: „König der Könige, der das Le- 
ben Verleihcnde, der Verzeihende, der Mächtige, der Wohltä- 
ter, Herr der Herrlichkeit und Barmherzigkeit, der Unpartei- 
Persischer Inschriftenteppieh aus dem 15-17. Jahrhundert. 
Aus dem Besitze Baeri. 
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