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Volltext: Alte und Moderne Kunst III (1958 / Heft 12)

. . i Schnfd (jchurl Christi. Öl auf 
xxuuxd, 1789. Sulr Scilcvwucucn, 
Lein- 
DIE WEIHNACHTSBILDER KREMSER SCHMIDTS 
Von RUPhR'I 
FEUCHTMÜ] 
u. 
Um die Bedeutung und die kunstgeschichtliehe Stellung der 
Andachtsbilder des großen österreichischen Barockmalcrs Martin 
johann Schmidt ermessen zu können, ist es nötig, sich vorerst 
die allgemeine Situation kurz vor Augen zu führen. Erinnert 
man sich an die universellen Programme der Freskomalerei zu 
Beginn des 18. Jahrhunderts, an die Allegorien und illusionisti- 
sehen Visionen eines P0220, Bcduzzi und Rottmayr, dann wird 
man sich bewußt, daß die Altarbilder in dieser Gesamtheit noch 
keine dominante Stellung einnehmen konnten. Erst mit dem 
inhaltlichen Wandel des Freskcnprogrammes um die Mitte des 
18. Jahrhunderts waren neue Voraussetzungen geschaffen. Die 
Beschäftigung mit literarischen und historischen Programmen 
führte zur Auseinandersetzung mit der Realität und bedingte 
dadurch eine neue bildhafte Gestaltung. Es ist äußerst interessant, 
zu sehen, wie diese Hinwendung zur Illustration von der inner- 
lich lebendigen barocken Malerei künstlerisch bewältigt wurde. 
An Stelle der freien Allegorie tritt nun die Szenenfolge, die eine 
in sich geschlossene Gestaltung ermöglichte. Die Entwicklung 
knüpft damit an die frühbarocke Auffassung an. Gerade im the- 
matischen Bcreich der Weihnaehtsbilder wäre hier an die Alt-lt"- 
fresken von Michael Willmann (1692-95) in der josefskirche 
in Grüßau (Schlesien) zu erinnern, die nach dem Programm des 
Abtes Bernhard Rosa die LCbenSgCSChiChtC des heiligen Josef 
erzählen. Die Geburt Christi, die Anbetung der Hirten, der 
Traum Josefs, die Flucht nach Ägypten treten in einer lyrisch 
poetischen Stimmung vor uns hin, die vieles der späteren Ent- 
wicklung vorwegnimmt. Der Stimmungswert einer zyklischen 
Bildfolge war um die Mitte des 18. Jahrhunderts jedoch nur 
allmählich zu erreichen. Die barocke Dramatik, die ihre Span- 
nung vor allem aus dem Kontrast des Irdischen und Überirdi- 
sehen ableitete, fand vorerst zum Bild, das die Andacht der' 
Gläubigen ansprechen sollte, kein innerliches Verhältnis. Im 
weihnachtlichen Themenkreis sei vor allem auf die Gemälde 
Paul Trogcrs im Salzburger Priesterscminar zu verweisen. Die 
„Geburt Christi" und die „Flucht nach Ägypten" zeigen, ebenso 
wie die Vorzeiehnungen im Budapester Nationalmuseum eine 
gewisse magische Tiefgründigkeit. Die Pathetik der Gesten und 
die Effekte der Lichtführung haben eine geheimnisvolle Visio- 
näre Kraft, die dem innigen, wirklichkeitsnahen Erzählerton cnt- 
gegengesetzt sind. Eine letzte barocke Steigerung erfährt diese 
Auffassung bei Franz Anton Maulbertseh. Ein vorzügliches Bei- 
spiel ist sein großartiges Altarnischenfresko der Geburt Christi,
	        

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