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Volltext: Alte und Moderne Kunst III (1958 / Heft 12)

SCHATZFUNDE AUS SIEBEN JAHRHUNDERTEN 
ZUR SONDERAUSSFELLCNÜ: DER ANTIKENSAÄIÄIILLNG DES KUNSTHISTORISCHEN NILTSELÄIIS. 
Von RUDOL 
NOLL 
Es ist unserer Generation vom Schicksal zugeteilt, in einer Zeit 
zu leben. die erfüllt ist von gärender Unruhe und tiefgreifenden 
Umwälzungen: Zwei Weltkriege liellen alte Reiche vergehen 
und neue Staaten entstehen; Heere von Soldaten durchquerten 
unseren Kontinent und Armeen von Heimatvertriebenen zogen 
dieselben Straßen; Krisen, nicht nur politischer und wirtschaft- 
licher Natur, auch solche auf geistiger, religiöser, kultureller 
und künstlerischer Ebene durchsehütteln ganze Völker und cr- 
zeugen bei vielen ein lähmendes Gefühl der Unsicherheit. 
Ist es da ein Wunder, wenn diejenigen, die an der abendländi- 
schen Kultur als der Grundlage europäischen Menschentums 
nicht verzweifeln wollen, das Buch der Geschichte aufschlagen, 
um hier - bei gehörigem Abstand - einen Maßstab für das Ge- 
schehen der eigenen Tage zu finden? Und man braucht nicht 
lange zubliittermum sich bald und dann immer wieder von jener 
spannungsreichen Epoche angezogen zu fühlen, die das Alter- 
tum mit dem Mittelalter verbindet; denn es ist ein Zeitabschnitt, 
der in seiner verwirrenden Fülle von Kräften des Verfalles und 
[Jmbaucs einer Weltordnung eine Unzahl grundsätzlicher Ge- 
meinsamkeiten mit der Gegenwart aufzuweisen scheint. Dieser 
mächtigen Anziehungskraft geheimnisvoller Wahlverwandtschaft 
ist es z. B. zuzuschreiben, daß das Studium der vielfach noch so 
dunklen und widerspruchsvollen Jahrhunderte zwischen Alter- 
tum untl Mittelalter, also des Frühmittelalters, nach dem Zweiten 
Weltkrieg einen überraschenden Aufschwung nahm. Diesem An- 
liegen unserer Zeit fügt sich somit ganz natürlich auch die Aus- 
stellung ein, die am 19. September 1958 eröffnet wurde und sich 
seither eines gewaltigen Zustromes von Besuchern erfreut. 
Es ist eine in ihrer Art einmalige Schau, deren Bedeutung weit 
über Wien und Österreich hinausgreift. Gezeigt werden die spät- 
antiken, altchristlichen, völkerwanderungszeitliehen und früh- 
mittelalterlichen Denkmäler der Antikcnsammlung, also jene 
M0nngrxmlmkrrklz. Bronze, S. jh. 
Prunkfibel von Unlcrsieben- 
brunn. Anfang des 5. _]h. 

	        

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