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Volltext: Alte und Moderne Kunst III (1958 / Heft 12)

 
Puruzukopl rincx Knhlköphgrn. fYLwlwnor, 1. lhlhc das (v. jh. 
 
 
SÜCI ku] 
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aus dem Goldschatz vo 
. Nngyszentmiklös. 9. Jh. 
kostbaren Bestände, die ganz wesentlich das internationale An- 
sehen der Wiener Sammlung mitbestimmen. Seit dem Ausbruch 
des Zweiten Weltkrieges und infolge der Zeitumstände auch nach 
Beendigung des Krieges lagerten sie im Tresor und sind daher 
- was besonders hervorzuheben ist - einem Großteil der leben- 
den Generation unbekannt geblieben. Indes darf zu unser aller 
Freude festgestellt werden, daß uns dieses wahrhaft unschätzbare 
Kulturgut durch alle Not und Gefahren hindurch praktisch un- 
versehrt erhalten geblieben ist. 
Die Ausstellung, die rund sieben jahrhundertc umfaßt, beginnt 
mit dem Zeitalter Konstantins d. Gr., unter dessen Regierung 
anno 313 in Mailand jene weltgcschichtlichc Entscheidung fiel, 
die die Geburtsstunde des christlichen Abendlandes bedeutet. 
Über ein halbes Tausend Objekte wurden für diese Schau aus- 
gewählt. Es ist jedoch klar, daß man auf einem einzigen Sektor 
des menschlichen Schaffens, nämlich dem der bildenden Kunst, 
nicht die unübersehbare Vielfalt der politischen Mächte, der welt- 
anschaulichen Impulse, aber auch der künstlerischen Ströme zu 
ahnungvoller Darstellung zu bannen vermag, die in jenen ereig- 
nisreichen Jahrhunderten wirksam waren. Dennoch wird der auf- 
merksame Besucher aus dem so verschiedcngestaltigen Material 
einen unmittelbaren, lebendigen Eindruck von den vielen 
schöpferischen Komponenten gewinnen, die miteinander oder ne- 
beneinander und nacheinander das Gesicht dcr Zeit geprägt ha- 
ben. Bewußt wurden nicht nur künstlerisch bedeutsame Objekte 
ausgewählt, sondern auch solche rein kulturhistorischen Interes- 
ses, um so gut wie möglich den Menschen in und aus all seinem 
zeitgebundenen Schaffen zu erfassen und zu ergründen. 
Ein reicher Gabentisch ist gedeckt: Zeitlich ziemlich am Anfang 
steht eine unscheinbare bronzene Rciterstatuc di: ich kürzlich 
als Kaiser Konstantin des Großen zu erweisen versuchte; sie 
ist ein bescheidenes Werk der Volkskunst, dennoch enthält 
sie in staunenswertcr Weise bereits wesentliche Stilelemente der 
spätantiken Kunst. Eindrucksvolle Porträts zeigen uns das Bild 
des spätantikcn Menschen in acht Mumicnbildnissen. Die spät- 
antikc Porträtplastik ist durch die glänzende Reihe von Marmor- 
köpfen aus den österreichischen Ausgrabungen in Ephesos ver- 
treten, unter ihnen dcr bekannte „Eutropios" und der großartige 
Kahlkopf. Unter den wenigen, aber erlesenen Elfen- 
bcinarbeiten gemahnen die kostbaren Tafeln mit den Personifi- 
kationen der Städte Rom und Konstantinopel an die Schicksals- 
trächtige Bedeutung dieser Metropolen für die spätere europäi- 
sche Geschichte. Buntfarbige Textilien aus dem konservicrenden 
Wüstensand Ägyptens lassen in Zeichnung und Darstellung den 
Wandel in Stil und Motivik erkennen. 
Grabinschriften und Kultgeriit führen uns dann in die Glaubens- 
wclt der alten Christen uncl rücken damit einen ganz wesent- 
lichen Faktor des behandelten Zeitraumes in unser Blickfeld. 
Auch in diesem Bereich findet sich manches nicht gewöhnliche 
Stück: etwa das trotz seiner Schlichtheit doch so monumental 
wirkende Monogrammkreuz aus Aquileia, die beiden Vo- 
tivleuchter aus Ragosnitz, die beiden Reliquiarc aus Pola und 
etwa das großformatige und darum seltene Marmorrclief mit 
der Darstellung des ägyptischen Nationalheiligen Menas. 
Eine andere Gruppe von Einzelfunden, „Kunst der jungen Völ- 
ker", die vorwiegend Schmuck umfaßt, macht uns schließlich 
in neuen Formen mit der Geschmackskultur jener Stämme (Ger- 
manen, Awaren, Slawen usw.) bekannt, die an der Umbildung 
der alten Welt während der „Völkcrwandcrungszeit" so entschei- 
denden Anteil hatten. 
Den glanzvollen Schwerpunkt der Ausstellung bildet zweifellos 
das großartige Ensemble von 16 (größeren und kleineren) 
Schatzfunden; Hier wird uns wahrhaftig eine fürstliche Schatz- 
kammer aufgetan! Diese goldstrotzende Ansammlung von edlem 
Geschmeide und prunkvollem Gerät vermittelt ein unvergeßli- 
ches Bild vom Lebensstandard dcr führenden Schichten in den 
„dunklen Jahrhunderten" europäischer Frühgcschichtc und stellt 
uns einer Fülle von Problemen der Kunst- und Kulturgesehichte
	        

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