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Volltext: Alte und Moderne Kunst IV (1959 / Heft 1 und 2)

Abb. 3: Horden-eile: Detail des zweiten Feldes von 
links. Zwei berlttene Falkner, von ihren Hunden be- 
gleitet. überqueren einc in vcrkehrter Perspektive wie- 
dergegebene Brücke. 
Abb. 4: Vorderseite: Detail des dritten Feldes von links. 
Es sind drei Paare von berittenen Jägern sowie ganz 
rechts ein einzelner duhinstürmender Reiter inmincn 
gebirgiger Landschaft erkennbar. Die jägex- sind mit 
Pfeil, Bogen, Lanzen und Fcuerwaffen ausgerüstet. 
keit der Komposition mit ihrem starken Zug zum autonomen 
Ornament, lassen an Äquivalente der europäischen Kunst von 
der Spätantike bis zum Ende des Mittelalters, denken. 
Die Rückseite des Setzschirms ist kompositionell einheitlicher, 
aber inhaltlich weniger spezifisch. Dem durchaus weltlich ge- 
meinten Tiergarten der Sehauseite ist hier eine rein spirituell 
zu verstehende ideale Landschaftskomposition entgegengehalten, 
die im wesentlichen aus religiösen Vorstellungen zu erklären ist, 
wie sie der ChZm-Buddhismus oder der Taoismus kennen. Mo- 
tive, wie etwa im ersten Bildield links die zwei Gestalten auf 
einer Terrasse, die bewundernd in dir Landschaft blicken, ferner 
die daran rechts anschließende Felsen-Bcrggruppe mit einge- 
streuter Tempelarchitektur oder die Gruppe Diskutierender im 
vierten Feld, gehören im Verein mit den Flußmotiven in all ihrer 
Vielfalt (liähr- und Segelboote) zum klassischen Repertoire der 
chinesischen Malerei. Eine Gesinnung tut sich hier kund, die 
noch am ehesten mit dem Pantheismus der europäischen Roman- 
tik verglichen werden kann, wobei allerdings die Wehmütig- 
sentimentale Komponente gänzlich wegzudenken ist. Es ist 
durchaus möglich, daß sich im Gegensatz zwischen farbiger 
Vorder- und schwarz-goldener Rückseite nicht nur der Unter- 
schied zwischen Haupt- und Nehenansicht, sondern auch der 
Gegensatz zwischen diesseits gerichteten aktivem und jenseits 
gerichteten kontemplativem Leben kundtut. 
Und nun zum Technischen: Nach Mitteilung von Frau akad. Re- 
staurator Olga Mossig-Zupan, die alle drei Schirme auf das 
Vorbildlichste vor völligem Zugrundegehen rettete, ist der Jagd- 
paravent so aufgebaut, daß über einen Kern aus dünnen Weich- 
holzbrettern eine Gewebeschicht - vermutlich aus Kuhhaar- 
zu liegen kommt, auf die ohne weitere Grundierung der Lack 
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