MAK

Volltext: Alte und Moderne Kunst IV (1959 / Heft 1 und 2)

:ht identische Begriffe sind, so doch wesensgleiche oder doch 
mwandte Welten bezeichnen, wird entweder geleugnet oder 
:h vergessen. 
s aber wiegt natürlich um so schwerer, als zur Zeit der 
bertät auch das Kind, der jugendliche Mensch aus der Gebor- 
riheit des unbewußten Aufenthaltes in seiner Inncnwelt hin- 
sgetrieben wird und nun ähnlich wie mit seiner mutierendcn 
mme in einem Zwischenstadium der „Krächzlaute" herum! 
stolpern verurteilt ist. Da gefallen ihm plötzlich seine Mär- 
rn und Träume gar nicht mehr. Er empfindet sie als kindi- 
ten Irrtum, als seiner unwert und entdeckt plötzlich, fast 
2 im „Sündenfall", „daß er nackt ist", was hier und freilich 
r zum Teil besagen will, daß er von seiner spezifisch äußeren 
Umwelt noch so gut wie gar nichts weiß, sie aber nun als seine 
Welt empfindet und daher ein solches Wissen mit allen Mitteln 
und unter Hintansetzung seines gesamten, nun ohnedies he- 
lächelten Innenlebens nachzuholen sich verpflichtet fühlt. Da 
fliegen die Puppen in die Ecke und die Indianerfedern, und man 
fängt nun an, die Umwelt zu bcschnuppern, wobei es sich her- 
ausstellt, daß sie eine Menge erregender Verlockungen bereit 
hält. Nur werden die jetzt nicht mehr ausgeplaudert wie viele 
frühere Seelennöte, sondern tief in den Grund versenkt, wo 
auch die Hemmungen hausen, so daß es nur zu gelegentlichen 
Entladungen oder gar Explosionen kommt. 
In dieser Zeit geht die Zeiehen- und Mallust, die bis dahin 
eine Lust zum tätigen Träumen war, zurück. Alles wird „Un- 
 
Abb. 4: Palmwcihc (11 Jahre) 
 
Abb. S: Elschingsfiguren (7 Jahre) 
n", was beglückte oder doch erfüllte. Wo aber sind jetzt die 
wachsenen, die die Brücke vom unbewußten zum hewußten 
den schlagen helfen? Sie iehlen in der Regel, weil sie gar 
:ht die Not des Kindes spüren, das an seinem Reichtum irre 
rd, sodaß ihm tatsächlich eine Welt zusammenhricht, wenn 
gewiß auch eine neue, aber ärmere dafür gewinnt. 
e Mittelschul- und Lehrerbi1dungsanstalts-Darbietungen in der 
tdtschulrat-Ausstcllung vom November haben klar bewie- 
1, daß sich der bildnerischc Unterricht nur noch mühselig 
d sozusagen lehrplangerecht mit ebenso dünnblütigen wie 
nngeistigen und kraftlosen „Improvisationen" weiterschleppt. 
in einer ehrlichen Entfaltung und Verdichtung des hildneri- 
xen Tuns ist jedenfalls auch nicht das Leiseste zu spüren und 
sehen. 
, aber haben dann vielleicht die recht, die in den Mittclschulen 
n bildnerischen Unterricht überhaupt gestrichen und nur noch 
die Kunsterziehung beibehalten und entsprechend entwickelt 
wissen wollen? Ist es Schicksal, daß der Mensch von der Puber- 
tät an - die wenigen „Künstlernaturcn" ausgenommen - Seinen 
bildnerisch-schöpferischen Elan verliert und von jetzt an nur 
noch an rationalen Dingen und Fragen ein Interesse hat? Wer 
nur halbwegs ehrlich und gründlich hierüber nachdenkt, weiß, 
daß von einem solchen Schicksal keine Rede sein kann. Auch 
rnuß man gar kein großer Philosoph oder Psychologe sein, um 
sich darüber klar zu werden, daß, wenn die Ratio die Welt des 
Unbewußten und der Instinkte in den Hintergrund zurückdriingt, 
eben auch die des Bewußtscins anhebt und damit die Über- 
höhung des Rationalen ins Geistige als eine neue schöpferische 
Möglichkeit erscheint, die allerdings dann auch von seitcn der 
angeblich schon bewußten Menschen, als welche die Pädagogen 
ja schließlich angesehen werden wollen, eine entsprechende 
Führung und Betreuung nötig macht. 
29
	        

Nutzerhinweis

Sehr geehrte Benutzerin, sehr geehrter Benutzer,

aufgrund der aktuellen Entwicklungen in der Webtechnologie, die im Goobi viewer verwendet wird, unterstützt die Software den von Ihnen verwendeten Browser nicht mehr.

Bitte benutzen Sie einen der folgenden Browser, um diese Seite korrekt darstellen zu können.

Vielen Dank für Ihr Verständnis.