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Volltext: Alte und Moderne Kunst IV (1959 / Heft 3)

mit dem österreichischen Bindenschild im Innsbrucker Serviten- 
kloster, ein Geschenk der Erzherzoginwitwe Anna Katharina. 
Genau hundert Jahre hatte die Haller Glashütte bestanden und 
war im Wechselwirken italienischer und deutscher Glasmacher 
zur künstlerisch und leistungsmäßig bedeutendsten deutschen 
Glashütte des 16. Jahrhunderts aufgestiegen, die mit dem „wei- 
ßen Glas" den Venezianern im Alpenraum erfolgreich Kon- 
kurrenz zu machen verstand. Zu ihrer künstlerischen Bedeutung 
trug nicht zuletzt die von Erzherzog Ferdinand II. errichtete 
Innsbrucker Hofglashülte bei, die uns die schönsten Werke dcr 
Glaskunst im deutschen Bereich des 16. jahrhunderts schenkte. 
Wie in anderen Gebieten leistete Tirol auch in den Wundern aus 
Glas einen hervorragenden Beitrag zur Kunst des 16. jahrhun- 
derts. 
Der Verfasser schuldet Herrn Hofrat Dr. Karl Most-r, 
Innsbruck, größten Dank für die selbstlose Bereitstellung 
seines in jahrzehntelanger Forscherarbeit gesammelten Ur- 
kundenmatcrials zur Haller Glashütte. Die vorliegende 
Arbeit bietet einen gedrängten Abriß zu der im Rahmen 
der Wirtschaftswissenschaftlichen Studien der Tiroler Han- 
delskammer vorbereiteten Arbeit über die Haller und Inns- 
brucker Glashütte von K. Moser-E. Egg. Gleichzeitig sei 
auf die diesem Thema gewidmete Ausstellung „Alle 
Gläser" im Tiroler Landesmuseum Ferdinandeum (März 
bis Mai 1959) verwiesen. 
DIE 
TIROLER 
ROLER GLASI-IÜTTEN 
KRAMSACI-I UND HÖRBRUNN 
Von JOSEF RINGLER 
Die sehr spärlichen Hinweise auf die Erzeugung von Glas in 
Tirol in den einschlägigen Veröffentlichungen der ersten Hälfte 
und der Mitte des 19. Jahrhunderts deuten darauf hin, daß da- 
mals die Glaserzeugung in Tirol wirtschaftlich und künstlerisch 
gesehen von nur geringer Bedeutung war. Die Forschung hatte 
sich erst in der zweiten Hälfte des Jahrhunderts mit der Ge- 
schichte der Glashütte in Hall beschäftigt (David v. Schönherr). 
Über die Leistungen und das Alter der anderen Tiroler Glashüt- 
ten sind wir bislang nur auf gelegentliche kleinere Notizen und 
Hinweise der lokalen Tageszeitungen und in den topographi- 
schen Landesheschreibungen angewiesen gewesen. Im Volks- 
munde hatte sich die Kramsacher Hütte allerdings noch eines 
guten Rufes erfreut und über ihre Erzeugnisse wußten die Leute 
in der Umgebung einiges zu berichten. Genauere historische 
Daten konnte man freilich nicht erfahren. Allgemein verbreitet 
war jedoch die Meinung, die Kramsaeherhütte sei eine Grün- 
dung der Erzherzogin Claudia oder wenigstens mit einem Privi- 
legium der Landesfürstin bedacht worden, - Ansichten und Mei- 
nungen, die bis heute keine archivalische Bestätigung erfahren 
haben. Die Hütte führte als Firmenzeichen in neuerer Zeit einen 
längsgeteilten, rot-weißen Wappenschild mit der Jahreszahl 1638 
mit einem Glashecher und einem Tiroler Adler in den Feldern. 
Über das Alter der Kramsaeher Glashütte liegen sehr unter- 
schiedliche Nachrichten vor. In einer alten Beschreibung des 
Hilariberg bei Kramsach, einst im Besitze der Gewerkenfamilie 
Schreyer, lesen wir, daß diese Familie im Jahre 1540 von Biber- 
wier nach Kramsach gekommen sei und dort noch im selben 
Jahre eine Glashütte errichtet habe. Die Quelle dieser Nachricht 
wird darin leider nicht angegeben. Urkundlich wird 1627 eine 
Glashütte in Kramsach genannt, und diese ist auch auf einer 
1628 datierten Landkarte der Gegend in Schloß Lichtwerth ein- 
gezeichnet. Im Jahre 1636 erfolgte eine Grundverleihung durch 
das Kloster Mariathal an Gilgen Schreyer, „Glaser auf dem 
Kramhsach", zur Errichtung einer Glashütte am Achenrain. 
Diese Grundverleihung bedeutete jedenfalls einen entscheiden- 
den Schritt für die Entwicklung der Kramsacher Glasfabrikation. 
Die Hütte muß einen raschen Aufschwung genommen haben, 
denn schon drei Jahre später bewilligte der Rat der Stadt Inns- 
bruck dem Egydi Schreyer, Glaser am Achenrain, einen Laden 
in Innsbruck bei der oö. Regimentsbehausung zu eröffnen, und 
im Jahr darauf wurden die Zollstätten zu Wasser und zu Land 
angewiesen, genanntem Gilgen Schreyer jederzeit förderlich zu 
sein. 
Über die Art der Produktion im ersten Jahrzehnt des Bestehens 
der Hütte liegen keine Nachrichten vor; wir hören nur von 
Schwierigkeiten in der Beschaffung des notwendigen Brenn- 
holzes. 
1647 trat der Sohn Gilgens, Georg Schreyer, Messing-Brenn- 
und Glasmeister an die Spitze des Unternehmens. Georg Schreyer, 
muß trotz mehrfacher Schwierigkeiten, vor allem beträchtlichen 
Wasserschadens, erfolgreich gearbeitet haben. 1675 hatte er den 
Betrag von 100 fl. dem St. Nikolaus-Gotteshaus in Voldöpp zu 
einem ewigen Jahrtag für sich und seine bereits verstorbene 
Gattin testiert. 1684 wird er als Lieferant von „Obladis Sauer- 
brunngläsern" genannt, ein Artikel, der noch lange in den Wa- 
renlisten der Hütte aufscheint. Georg Schreyer starb am 27. Fe- 
bruar 1690. Auf ihn folgte sein Sohn Johann tnd 1701 dessen 
Sohn Michael Schreyer, der, mit vielerlei wirtschaftlichen Dingen 
beschäftigt, die Glashütte mit einem Glasvorrat im Werte von 
1891 fl. 18 kr. an seinen Schwiegersohn Franz Hintner verpach- 
tete. In seinem vom 1. November 1726 datierten Testamente 
bestimmte Michael Schreyer, daß solange „in der Schrcyeri- 
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