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Volltext: Alte und Moderne Kunst IV (1959 / Heft 3)

dungiugeführt. 1934 hatte Baron Freyberg Formen, Muster, 
Zeichnungen, Listen und den ideellen Wert der Firma Tiroler 
Glashütte H. Groll d? Co. in Rattenberg erworben. Die heute 
noch in Kramsach und Rattenberg tätigen Glasgrziveure be- 
ziehen ihr Rohglas von auswärts, die Tiroler Glaserzeugung hat 
aber in neuerer Zeit in Kufstein eine neue Heimstätte auf Tiroler 
Boden gefunden. 
Konnte also die Kramsaeher Hütte, wie wir gehört haben, auf 
ein Aller von 300 Jahren zurückblicken, so war der Hörbrunner 
Hütte in der Kelchsau nur ein Alter von 90 jahrcn beschieden. 
1796 halte der Salzburgische Fürsterzbischof Hieronymus Graf 
Colloredo die Erlaubnis erteilt, in Hörbrunn beim ehemaligen 
Hcrrenhaus eine Glashütte mit zwei Schmelzöfen und einer 
Pottasehesiederei zu errichten. Der erste Glashcrr Georg Hechcn- 
liche Pulverhörner aus grünem Glaä spendete, gegen die Wel- 
schen. Zu seiner Zeit beschäftigte die Hütte 50 Arbeiter. Ihre 
Fabrikate fanden nicht nur in ganz Tirol, sondern auch in Italien 
Absatz. Die Rohmaterialien wurden in der Kelchsau und im 
Pinzgau gewonnen, die Poltasche kam aus Böhmen. Der jähr- 
liche Brennholzverbrauch betrug 2000 Kluftcr. Außer der land- 
läufigen Kommerzware wurden auch Farhgläser, geschliffene 
und geschnittene Ware und - wohl als Liehhaberarbeiten der 
Glasbläser - auch die bekannten Schnapshunde, Schwcinchen, 
Pferdchen u. ä. erzeugt. Auch Schnapspanzelen werden erwähnt. 
Zum großen Wiener Schützenfest 1865 ließ Franz Friedrich für 
seine Tochter, die bildhübsche Marketcndcrin der Hoplgartner 
Schützen, ein gläserncs Fäßchen und einen hübschen Becher an- 
fertigen, aus dem dem Kaiser Franz Josef beim Festzug ein 
 
 
Becher aus grünem Glas. Krumsach, 
Produktion Kalus. 
Henkelkanne aus grünem Glas. Kram- 
sach, Produktion Kalus. 
blaikner ließ Glasmacher aus Böhmen kommen, unter denen 
sich auch Wenzel Friedrich befand, der später die Hütte in 
sein Eigentum erwarb. 1828 war, wie aus erhaltenen Fracht- 
briefen und Warenlislen hervorgeht, noch Wenzel Friedrich im 
Alleinbesitz der Hütte. 1838 berichtete Staffler in seiner histo- 
risch-topographischen Landesbeschreibung, daß die Hörhrunner 
Glashütte mit den Erzeugnissen der besten böhmischen Fabri- 
ken wetteifern könne. Einen guten Ruf besaß die Hörbrunner 
Hütte unter dem Sohn Wenzel Friedrichs, Franz Friedrich, der 
von 1840 bis 1872 an der Spitze des UnternchmenS stand. 
Franz Friedrich, ein großer Patriot und eifriger Schütze, führte 
1848 eine Kompanie von Brixentaler Schützen, denen er zier- 
Stamperl kredenzt wurde. ln der Erinnerung der Hopfgartner 
Bevölkerung leben die beiden Glasherrn Wenzel und Franz 
Friedrich als leutselige, gastfreundliche Menschen und große 
Wohltäter der Armen fort. 
Doch auch für die Hörbrunncr Glashütte galt dcr Spruch: Alle 
Ding a Weil! Schwierigkeiten wirtschaftlicher und familiärer 
Natur, Brandschaden und nicht zuletzt die Konkurrenz tvon 
Kramsach und auswärtigen Hütten führten 1886 das Ende der 
Hörbrunner Glashütte herbei. In manchen Hopfgartncr Bürger- 
häusern und auch im Tiroler Volkskunstmuseum in Innsbruck 
sind Glaswaren der Hörbrunner Hütte zu sehen. 
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