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Volltext: Alte und Moderne Kunst IV (1959 / Heft 3)

Die Quitarre (1913-1914), 
Gouache 62 X 46,5 
aufzeigen, daß Mondrian an das Werk Picassos aus dieser Zeit 
anknüpftc. 
Vergeblich bemühten sich einige Interpreten der Werke Pi- 
cassos aus diesen Jahren um den Nachweis einer einheitlichen 
Entwicklungstendenz. Beinahe in jedem Bild treibt Picasso seine 
Experimente in eine andere Richtung vor. Das Bild „Geige, Glä- 
ser, Pfeife und Anker" trägt den bezeichnenden Untertitel „Er- 
innerung an Le Havre". Im strengen Rhythmus der horizon- 
talen und vertikalen Linien erscheint plötzlich ein poetisches 
Hinwenden zu den gleichsam aus der Erinnerung hervorgeholten 
Bruchstücken der Realität, eine stille Meditation, die in Ver- 
geistigung gipfelt und gleichzeitig ein Aufnehmen der Dinge 
in die Sphäre des zentralen Sehens ausschließt. 
Aus der selben Zeit stammt das Bild „Mandoline und Absynth". 
Hier tritt die freie Imagination in den Vordergrund. Wenn 
manchmal Picassos Kunst als Gegengewicht zu Tendenzen, die 
Apollinaire „Orphismen" nennt, aufgefaßt wird, so belehrt uns 
gerade dieses Bild über die Einseitigkeit dieses lnterprctntions- 
versuchs. 
Das Bild „Gitarre" stammt aus den Jahren 1913-14, in denen 
sich Picasso dem synthetischen Kubismus zuwandte. Picassos 
Schaffen wurde in diesem Zeitabschnitt in verschiedene Rich- 
tungcn vorangetrieben. Das Bild, als einziges der Sammlung aus 
dieser Zeit, kann über sie nur noch teilweise Aufschluß geben. 
Der Weltkrieg unterbrach Kramai-E Sammlertätigkeit. Nach dem 
Krieg wandte er sich ausschließlich der tschechischen Kunst 
zu und erweiterte seine Pieassosammlung nicht mehr. 
Zwischen der großen Kenntnis und Einfühlung, mit der die 
Sammlung aufgebaut wurde, und dem Ort, an dem sie entstand, 
besteht ein Zusammenhang. Außerhalb Frankreichs fand der 
Kubismus nur noch in der Tschechoslowakei einen so großen 
Widerhall. Schon im jahre 1910 setzte sich eine Reihe von tsche- 
chischen Malern mit dem Kubismus auseinander und entwickelte 
ihn in sehr persönlicher Weise weiter. In dieser Zeit trugVincenc 
Kramai mit seinen Aufsätzen und Essays viel zur Klärung der 
Probleme der Gestaltung bei. Seine Arbeit als Qttmmler bildete 
mit seiner Arbeit als Kunsttheoretiker eine lzlnheit. Als nach 
dem Ersten Weltkrieg eine allgemeine Attacke gegen die Vor- 
kricgsavantgarde geritten wurde, stand Kramai in der vordersten 
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