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Volltext: Alte und Moderne Kunst IV (1959 / Heft 3)

EIN UNBEKANNTES 
P O RTRÄTG LAS 
VON DOMINIK BIMANN 
Von 
HANS K. RAMISCI 
l)ie Vorliebe, die der Adel und das Bürgertum des frühen 19. 
Jahrhunderts für das Miniaturporträt hegten, - ein Erbe, das 
Lavatcr mit seinem Werke „Physiognomischc Fragmente der 
Menschenerkenntnis und Menschenliebe" (1755) hinterlassen 
hatte, - traf in den böhmischen Bädern auf eine andere Vorliebe 
derselben Kreise für das edle geschliffene Glas und vereinigte 
sich mit jene) [.11 einem neuen Kunstzweig: dem gravierten Mi! 
niaturbildnis auf Glas, wie es der nordböhmische Graveur Domi- 
nik Bimann in dem dnmals vielbesuchten liranzensbad schnitt. 
Es waren eben keine Gebrauchsgläser, die man mit so wert- 
 
), wild. Portrxtt der Frau Greding (1821; 
vollem Schmuck versehen ließ, sondern kostbare Andenken an 
Tage der Muße und Erholung in froher Gesellschaft. Als An- 
denken waren sie einzigartig und unwiederholbrtr, weil jedes 
Stück - ebenso wie das gemltltc Miniaturbildnis - nur nach 
dem Modell vom Künstler gezeichnet und dann auf ein jeweils 
verschiedenes, hundgeschliffenes Glas graviert werden konnte, 
S0 unterschieden sie sich von den üblichen „Badebcchern" und 
Andenkengläsern, die auf Vorrat fertig und wohlfeil waren. 
Auch die Tatsache, dnß der Künstler allein, ohne Gesellen ar- 
beitete, erhöhte den künstlerischen und den Seltenheitswert Sei- 
ner Arbeiten. 
Diese Seltenheit der Werke wurde unserem Künstler zum Ver- 
hängnis. lir geriet bald nach seinem 'l'ode in Vergessenheit und 
erst zu Beginn unseres Jahrhunderts, in dem im jahre- 1923 
erschienenen Werk von (iiustav Ii. Pttzaurek „Die Glaser der 
Empire- und Biedermcierzeit" finden sich erste Nachrichten über 
Leben und Werk von Dominik Bimann. Seither ist noch einige:- 
von seinen Schöpfungen .tufgefunden worden, doch kennen wir 
bis heute nur wenige Arbeiten von ihm. 
Pokal mit gcsrhnittenem ltlcdaillon von Dominik Btmann 
So mag es gerechtfertigt erscheinen, einem eben ttufgefundenen 
Glas mit einem Damenporträt ein paar Zeilen zu widmen. 
Das Glas befindet sich als alter littmilienbesitz in einer Privat- 
simmlung in Älünehcn. Es ist ein liulilacclwer, H5 mm hoch, 
sechsseitig, mit abgesetztem kreisförmigen Mundrttnd mit einem 
Durchmesser von 92 mm. Der liuß hat einen Durchmesser von 
89 mm. 
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