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Volltext: Alte und Moderne Kunst IV (1959 / Heft 3)

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Der Becherfuß ist auf der Unterseite im Schälschliff konkav in 
Sternform ausgearbeitet. Zwischen je zwei Zacken des Sternes 
springen die sechs Füße hervor, die wieder in je drei Füßchen 
unterteilt sind. Nach oben verjüngt sich der Becherfuß zu einem 
sechsseitigen gedrungenen Schaft. Dieser geht in den leicht ab- 
geschrägten, ebenfalls sechsseitigen Boden des Bechers über. 
Die konkav geschwungene äußere Wandung des Bechers trägt 
auf vier der sechs Seiten je einen steil-hochovalen, profilierten 
Knopf, die beiden restlichen Seiten tragen gemeinsam ein brei- 
tes, hochovales, ebenfalls erhabenes Medaillen. An dessen rech- 
tem unteren Rand findet sich die Signatur „D. B.":Dominik 
Bimann. Er hat einen Teil seiner Gläser mit diesen Initialicn, 
einen anderen mit vollem Namenszug signiert. 
In das Medaillon ist das Porträt einer Dame im Linksprofil 
graviert. Nur dieses Porträt und die Signatur sind von der Hand 
Bimanns geschaffen. Wie wir wissen, bezog er die fertig geschlif- 
fenen Gläser aus seiner Heimat, aus der gräflich I'Iarrach'schen 
Hütte zu Neuwelt. 
Wir kennen den Namen der Dargestellten. Es ist Frau Regina 
Susanna Greding, geb. Müller (1809-1883), Frau des Appella- 
tionsgerichtsrates Friedrich Greding (1789-1856) in Bayreuth. 
Ein Porträt der Frau Greding von  Wild mit dem Datum 1831 
zeigt die Dargestellte etwa im gleichen Alter wie auf unserem 
Glase, welches somit in die erste Hälfte ihres vierten Lebens- 
jahrzehnts zu datieren ist. 
Mit großer Sicherheit und handwerklicher Feinheit ist das Por- 
trät graviert. Durch verschiedenes Aufrauhen der einzelnen 
Partien erreicht der Künstler eine sehr lebendige und abwechs- 
lungsreiche Kennzeichnung der plastischen Werte. Wollig-weich 
hebt sich das Tuch des Kleides von der festeren Stofflichkeit 
des Inkarnates ab. Die Spitzen des Ärmelsaumes, das Perlenge- 
hänge an Hals und Ohr, die seidigc Glätte des schlicht, doch 
kunstvoll geschlungenen Haares, die weiche Feinheit der Nase 
und des Mundes und das ausdrucksvoll blickende Auge zeigen 
die hohe Fertigkeit des handwerklichen Könnens und auch die 
Sicherheit des künstlerischen Erfassens und Mitteilens. 
Es ist hier nicht, wie in anderen Werken Dominik Bimanns 
darauf angekommen, die modische Erscheinung der adeligen 
Damenwelt darzustellen, sondern den schlichten Ausdruck in 
sich ruhender, vornehmer Bürgerwelt, bewußter biedermeier- 
licher Einfachheit. Gerade das Kristallglas als Träger des Por- 
träts ist Medium jener Klarheit, jencr zurückhaltenden, ein- 
sichtigen Atmosphäre, die in den Werken eines Wilhelm von 
Kobell, F. G. Waldmüller und nicht zuletzt in den Dichtungen 
Adalbert Stifters als ein I-Iauptzug des Biedermeier erscheinen. 
UNSERE AUTOREN 
Dr. ]0re] Ringler, geb. am 27. jänner 1893 Innsbruck. Direktor des 
Tiroler Volkskunstmuscums Innsbruck. Schrieb zahlreiche Aufsätze zur 
Kunstgeschichte und Volkskunde Tirols. Mitarbeiter an den Schlern- 
schriften (Innsbruck), der Südtiroler Kulturzeitschrift „Der Schlot-n" 
(Bozen), der Tiroler lrleimathliitter, der Zeitschrift Tirol und des 
Thieme-Beckerschen Künsllerlexikons (Leipzig). 
Ramircb. Hnnr K., cand. phiL, geb. 25. September 1936, Böhmisch- 
Kamitz, seit 1954 Studium der Kunstgeschichte an der Univers cit in 
München. Arbeitsgebiete: mittelalterliche Plastik in Süddeutschland (be- 
sonders Österreich), Kunsthandwerk. 
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