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Volltext: Alte und Moderne Kunst IV (1959 / Heft 3)

wand des Seitenschiffes im äußersten Kontrast steht. Denn hier 
ist mit Hilfe der neuen Gestaltungsmittel von selbsttragendcn 
ßetonmaßwterksteinen mit den dahinterliegenden vielfarbigen 
Fenstern Professor Meistermanns, eine tragende Wand zu einem 
dynamischen Raum-Lichtgebilde umgestaltet, das mit jedem 
Schritt neue und überraschende Ansichten bildet, die in ihren 
Wirkungen ein Spannungsfeld von in sich ruhender Stabilität 
und drängender Dynamik ergeben. 
Diese polare Doppelfunktion von Ruhe und Dynamik geht auch 
von der Decke der großen Halle aus. Die Deckenkonstruktion 
JUS konvexen Betonschalen - eine sogenannte lätltdecke - ver- 
mittelt einmal den Eindruck von Zellformen, zum anderen aber 
erfüllt sie den Raum mit einer nach vorne zum Altarrxium dran- 
genden Wellcnbetvegung. Große Halle und Altarraum stehen 
daher in einem steten inneren Spannungsverhältnis, das beson- 
dcrs bei Prozessionen innerhalb des Kirchenraumes zur Wirkung 
kommen mag, weil sich der Gläubige von jedem Standpunkt 
aus auf das liturgische Zentrum hingerichtet empfinden mufl. 
Die das basilikale Schema bewahrendc Außenansicht ist ak- 
zentuiert durch den aufragenden Turm an tder Oslseite der 
Apside und durch eine großlinige, strenge Gliederung der Süd- 
fa ade. Ihr Mittelteil ist von geschlossenen Wandblöcken flan- 
kiert und durch ein Betonmaßtverk aus Kreisen und Kreuz!- 
variationen zu einem riesigen Fenster über einer aus fünf Off- 
nungen bestehenden Torzone aufgelockert. Das Maßwerk ist mit 
französischem Dickglas ausgefüllt, dessen farbige Wfirkung sich 
erst im Innern ergibt. Die Oberfläche der Außenwände wird 
durch die littrbe und den muscheligen Bruch der mit Maklit- 
stcineit verkleideten Betonwände belebt, die hier zum ersten- 
mal in vollem Ausmaße angewendet wurden. In diese warme 
Farbigkeit und Struktur der Sichtbetonwände fügen sich als 
leuchtende Akzente die limailflügel des großen Mitteltores. Otto 
Beckmann hat hier auf acht großen Emailfeldern das Mysterium 
der Schöpfung und der Sakramente dargestellt. 
 
Mit der Don Bosco-Kirche hat Robert Kramreiter von neuem 
den Versuch unternommen, mit Hilfe der Architektur und der 
Schwesterkünste seine liturgische R aumvorstellung zu verwirkl'- 
chen und ein gültiges Haus Gottes zu errichten. Mit künstlet 
sehen Mitteln der Gegenw: "t, die aber die abendländische Tra- 
dition und ihre religiös-geistigen Grundlagen nicht verleugnen 
können, hat er dem liormproblem des christlichen und zeitnahen 
Gotteshauses eine eigenwillige Prägung abgcrungcn. Seine Ge- 
genwttrtsnähc ließ ihn bei dieser Kirche alle funktionellen und 
ästhetischen Möglichkeiten des Betons, der der legitime Baustoff 
des 20. Jahrhunderts ist, einsetzen und verwerten. Was sich 
dabei als geprägte Form ergab, verdient mit Recht ein Haus 
Gottes in dieser Zeit genannt zu werden. 
 
(irolles Mittelmr an der Südlassade. Zwei Flügel aus Emailmosaik und Sili- 
katsteinen mit je vier Darstellungen. Auf dcr linken Hälfte von oben nach 
unten: Gott der Schöpfer, die ersten Menschen, Erlösung, Maria. Auf der rech- 
tcn Hälfte von oben nach unten: Schöpfung, Versuchung, Sakramente, himm- 
lisches Jerusalem.
	        

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