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Volltext: Alte und Moderne Kunst IV (1959 / Heft 4)

 
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lirzhcrzogin Alexandra (1783-1801), Tochter des Zaren 
Paul 1. und Gemahlin des Erzhcrzogs joseph Palzllinus. Punk- 
xicrslich nach einer Zeichnung Löschenkohls. H2 : 102 mm. 
Purlrilnumullung der Unten. Nutlonulblbllothek. 
auch hier Löschenkohl um Verdeutlichung des Gegenstandes, 
und so kam es zu dem überaus typischen Konglomerat von 
Profilbildern. 
Die Bevorzugung der Profilansicht führte nicht selten zu sonder- 
baren Vcrzeichnungcn, die wiederum eine der Ursachen der 
ahschätzigen Beurteilung Löschenkohls sind. Nun hat uns Hein- 
rich Sander, ein junger Gymnasiallehrer und Sonntagsprcdiger 
aus Karlsruhe, der sich gleich Smorltork, dem enzyklopädischen 
Grafen aus den „Pickwickieren" aus Wissensdurst aufs Reisen 
verlegt hatte, in der nachgelassencn „Beschreibung seiner Reisen 
durch Frankreich, die Niederlande (und so weiter) in Beziehung 
auf Menschenkenntnis, Industrie, Litteratur und Naturkunde in- 
sonderheit" (Leipzig 1784) im 2. Teil, S. 584 f. berichtet, wie er 
von Löschenkohl konterfeit worden ist. „Er nahm erst meine 
Silhouette in einer dunklen Kammer mit Licht, hatte das Papier 
auf einen Rahmen aufgenagclt, der so ausgeschnitten ist, daß 
er dem, dessen Silhouette man haben will, auf der Schulter auf- 
sitzt. Nachher mulStc ich neben ihm sitzen, damit er das Gesicht 
vollends zeichnen konnte." Und einige Seiten weiter: „Hr. Löa 
schenkohl zeichnete mich heute vollends aus, und bemerkte da- 
bei, daß es ein Fehler sei, wenn die Maler allen Köpfen einerlei 
Ohren zeichnen. Es sei ein großer Unterschied in der Höhe, 
Breite und Weite der Muschel. Jeder Mensch habe auch hier 
seine eigene Bauart." Diese von Smorltork-Sander heflissen 
aufgezeichneten Auslassungen mögen erheitern, solange man 
Löschenkohl nur von seinen Stichen her kennt, wo es mit der 
anatomischen Richtigkeit aus besagten Gründen oft nicht so 
weit hcr ist. Indessen spricht im Grunde aus diesen Worten der 
Kleinmeister, der Miniaturist. 
Sanders Eindrücke datieren von 1782. Nur ein Jahr später ist 
ein mit dem Tuschpinsel ausgeführtes Miniaturporträt des 
Reichsgrafen Rudolf von Spork entstanden. Das kleine Blättchen 
stammt ebenfalls aus der Sammlung Heymann, es ist in eine 
der von Lösehenkohl häufig verwendeten gestochenen Porträt- 
einfassungen eingeklebt, die am unteren Rande die Bezew 
nung trägt: Löschenkohl D(cssine). Mark G(rave). 1783. 
Stich nach dieser Pinselzeichnung ist nicht bekannt, x 
wohl sie nach der Beschriftung offenbar als Vorlage ged; 
war. 
Wir haben nun nur noch die Darstellungskunst Löschenkt 
in der Zeit der Entstehung der Gouaehe, also um 1801 nacl 
weisen. Ein Anfang 1800 entstandenes Bildnis der Erzhcrzc 
Alexandra zeigt einen fcintonigen, ungemein zart wirken 
Punktierstieh - jede Reproduktion vergröberl das Bild. 
Stich trägt am Bildrand die Bezeichnungen: Nach dem Le 
gez. v. H. Löschenleobl Cl. Hammer sc. (?). 
Das mit sparsamen Mitteln gestaltete, sehr ausdrucksv 
Frauenbildnis steht in irgend einem Zusammenhang mit eit 
Ölbild Löschenkohls. Denn er kündigte in der „Wiener Zeitu 
vom 22. jänner 1800 zugleich mit dem Stich ein „in Lebensgr 
in Bruststüek in Öl gernalenes" Bild an, außerdem noch 
ebensolches Kniestück. Sonderbar ist, daß diese Porträts m: 
fach, und in verschiedener Ausführung vorhanden gewesen : 
müssen, denn sie waren in verschiedenen Preislagen vorrä 
Hier handelt es sich um eines jener spekulativen Kunststüi 
die ihm den eingangs erwähnten zweifelhaften Ruf einge 
gen haben. 
Lösehenkohls Kunst ist keine hohe Kunst, sie ist volkstüm 
im besten Sinne des Wortes. Das vorhandene Material 
Kupferstichcn genügt, um ihm den gebührenden Platz in 
Geschichte der volkstümlichen Graphik anzuweisen, etwa 1 
sehen Paulus Fürst und Matthias Trentsensky. Hingegen i 
die anmutige Gouaehe-Miniatur allein noch nicht hinreicl 
um der kleinen Schar bekannt gewordener österreichischer 
niaturisten des ausgehenden 18. jhs. einen neuen Namen hir 
fügen zu können. Man wird indessen diesen Namen bei rr 
chem bisher unbestimmten Kunstwerk ähnlicher Art in Er 
gung ziehen müssen. 
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