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Volltext: Alte und Moderne Kunst IV (1959 / Heft 4)

 
Der Stadtplan Augustin Hirschvogels mit der Restaurie- 
rung des 19. Jahrhunderts. 
Es ist bemerkenswert, wie weit die Restaurierung des 19. jhs. 
das Urteil über Hirschvogel als Maler beeinflußt hat. Schwarz 
sagt in einer Anmerkung (228, auf S. 123): „Daß Hirsehvogel 
auch die Ölmalerei betrieben, ist nicht erwiesen. Der gemalte 
Rundtisch ist eine handwerkliche Arbeit, die keine große 
Kenntnis der Malteehnik bedingte." Es handelt sich bei unserer 
Tafel aber gar nicht um eine Ölmalerei, und alles, was daraus 
geschlossen wurde, konnte nicht stimmen. Wahrscheinlich hat 
Hirschvogel wirklich nicht in Ol gemalt. Aber als Tempera- 
maler ist er ein geübter Mann gewesen, das beweist der Anblick 
des Planes, wie er sich uns nach der Abnahme der häßlich ni- 
vellierenden, alle Nuancen tötendcn Ölübermalung darstellt. 
Wir mußten zuerst den aufgestandenen Malgrund und die un- 
zähligen Blasen niederlegen? Die Abbildung zeigt ein Detail 
der Oberfläche ,wie sie sich uns dargeboten hatte. Erst als dieser 
wieder fest saß, durfte der Rost so verändert werden, daß die 
Latten arbeiten konnten und nicht starr blieben. Inzwischen hatte 
gleichmäßige Temperatur ermöglicht, daß sich die Risse von 
selbst schlossen. Wir sahen völlig davon ab, sie zu verkittcn, 
wie es ja überhaupt das Prinzip der Wiederherstellung war, das 
Alter und die starken Schäden des Werkes offen zuzugeben und 
nicht durch Überarbeitung zu vertuschen. Ganz reibungslos 
konnte mit Putzwasser die Ölübermalung abgenommen werden. 
Denn die Temperamalerei blieb, da das Putzwasser sie nicht an- 
griff, so fest bestehen, wie man es sich nur wünschen konnte. 
Freilich tauchten mit der Abnahme der Übermalung auch die 
alten Schäden auf, die für diese den Anlaß geboten hatten, be- 
sonders die zahllosen offenen, zum Teil schon abgesprungenen 
Blasen und die Fehlstellen der Beschriftung; diese ist aber iden- 
tisch mit der auf der Radierung, sodaß sie jederzeit ergänzt 
werden kann. Übrigens wurde die Tafel vor der Wiederher- 
stellung natürlich dnrchphotographiert. 
Der Restaurator hatte den Mut und die Lust und den Fleiß 
zur Arbeit. Er hat mit unglaublicher Geduld tausende von klei- 
nen Stellen so zugetupft, daß die originale Oberfläche unbe- 
rührt blieb und nur die Malereinsich zusammcnsehloß. Wir 
taten nur das Notwendigste, urn den ehemaligen Eindruck wie- 
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Detail aus Hirschvogels Stadlplan von 15-17 (oder 1549) 
mit vielen, zum Tcil schon nbgcsprungencn Blasen und 
Schäden.
	        

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