MAK

Volltext: Alte und Moderne Kunst IV (1959 / Heft 10)

ARCHITEKTURMODELLE 
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Von WILHELM M R AZl-QK 
Wahn-Hochhaus der Ncttingsdurlcl" Pnpicw und Sulllulzclhllxwßc- 
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Bad usw, zwei Lillunlgxgcn. 
Jedem Bauherrn erscheint es selbstverständlich, daß der aus- 
führende Architekt den Auftrag durch Entwurfzeichnung und 
Plan, aber auch in der Form eines Modelles anschaulich macht. 
Dieses plastisch-dreidimcnsionale Gebilde gibt dann für den 
Auftraggeber nicht nur den Gesamteindruck wieder, sondern 
vermag ihn besser als jede Detailzeichnung über die dynamische 
Funktion der einzelnen Baugliedcr zu informieren. Aber auch 
der projektierende Architekt selbst erhält erst auf Grund des 
Entwurfmodelles die volle Gcwißheit, ob die von ihm gewählten 
Maße und Proportionen richtig waren und die künstlerisch 
beste Lösung darstellen. 
Diese Usance war nicht zu allen Zeiten gebräuchlich. Der mittel- 
alterlichen Baugesinnung und Baupraxis war die Festlegung der 
Form und Konstruktion eines Bauwerkes in all seinen Details 
vor Beginn noch unbekannt. Erst seit den Tagen der Re- 
naissancearchitekten ist die plastisch-dreidimensionale Verdeut- 
lichung der Wünsche des Auftraggebers durch ein Modell nach- 
zuweisen. Zunächst kommt es als wertvolle Ergänzung dcs zeich- 
nerischen Entwurfes vor, wie z. B. bei dem Projekt des Elias 
Holl für das Augsburger Rathaus vom Jahre 161 5[20. Im 
18. Jahrhundert aber erlangt das Modell immer größere Bedeu- 
tung. Die Architekten der Barockzeit lieben es, ihre baumeister- 
lichen Ideen durch ein Architekturmodell darzustellen. Aus 
einem Brief vom Jahre 1741 des „Obristlieutenants der Arti- 
glerie, Ingenieur und premier Architcctcn" Johann B. Neumann, 
der in den Diensten der baufreudigcn Fürstbischöfc von Würz- 
burg stand, geht dies deutlich hervor. Als bei einer Tafel, die 
Franz Georg von Schönborn gab, die anwesenden Gesandten 
Frankreichs, Sachsens und Bayerns und deren Ingenieure. dem 
Fürstbischof wegen seines Brühler Schloßprojektes Ratschläge 
erteilen, erregte dies den Unwillen Ncumanns so sehr, daß er 
sich spontan bereit erklärte, seine Meinung an Hand eines M0- 
delles zu beweisen. „Aber wie ich gesehen, daß es (die Rat- 
schläge) nur verbalia sein, habe ich mich gleich explicirt, daß 
ich meine ohnmaßgebliche Meinung in modell unterthänigst vor- 
stellen wolle." 
Unsere Gegenwart bevorzugt die „Explikation" durch ein Mo- 
dell. Der Ausführung dieser kleinen, maßstabgerechten Projekte 
kommt daher eine besondere Bedeutung zu. Sie sind selten nur 
mehr reine Informations- und Zweckgebilde. Sie sind zu 
Miniaturkunstwerken geworden, die von hohem ästhetischen 
Reiz sein können. Unsere Abbildungen zeigen solche Modelle. 
Sie gehören für Bauten des Wiener Architekten Franz Mörth 
und explizieren deutlich die vielfältigen Aufgaben und Gestal- 
tungsmöglichkeiten eines Architekten der Gegenwart. 
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