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Volltext: Alte und Moderne Kunst IV (1959 / Heft 10)

DIE GLASPRODUKTION IN KROATIEN 
IM 18. UND 19. JAHRHUNDERT 
Von MIROSLAVA DESPOT 
 
Im Jahre 1711 erfahren wir von einem Vorschlag, welcher der 
Österreichischen llofkammer übermittelt wurde, und in dem 
man von der Gründung einer: „ . . . Glasshitten an Jennen orth, 
wo man die Stain mit Leichtern unkosten haben khan, auch die 
Waldungen ohnedem sonsten nicht khönen zu unvergebracht 
werden, und ein besserer Verschleiss der Glässer zu hoffen ist: 
anlegen . . f" 
Der angegebene Ort befand sich unweit Cabar im sogenannten 
„Höhen-Bezirk". Der Vorschlag blieb nur am Papier, scheinbar 
bestanden damals keine günstigen materiellen Bedingungen zur 
Errichtung einer (Ilashütte in Kroatien. 
Es vergingen einige Jahre, bis das erste Glasunternehmen die 
Arbeit aufnehmen konnte. Das Unternehmen wurde in dem 
schon früher genannten „Höhen-Bezirk" gegründet. Der Eigen- 
tümer war ein spanischer Marquis, Raymon de Villana Pcrlas 
de Rialp aus Barcelona. 
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Perlas bekam als Vertrauensperson des damaligen llerrschers 
Karls VI. Besitzungen im „Höhen-Bezirk" als Tausch für seine 
ehemaligen Güter in Apulien. Auf den neuen gründete er die 
Glashütte unter dem Namen „Perlasdorf". fn ihr arbeiteten böh- 
mische Glasermeister, da die einheimische Bevölkerung in die- 
sem für sie ganz neuen Arbeitszweig unerfahren war. Die Arbeit 
fing im Monat August 1729 an, und das Wirken der Glashütte 
wurde nach schriftlichen Nachlässen bis 1737 fortgesetzt. In 
der Glashütte xierfertigte man Glastafeln und andere Glasgegen- 
stünde, die man meistens nach Apulien ausführte. 
Marquis Perlas, da er schon am Anfang große Geldsummen in 
das Unternehmen investierte, bat sich von der österreichischen 
Kammer gewisse Dispensationcn von Abgaben aus, die ihm auch 
bewilligt wurden. Das Unternehmen ging trotzdem nach ver- 
hältnismäßig kurzer Zeit zugrunde. 
Dieser Konkurs hatte einige Gründe, ständiger Wechsel der 
Arbeiter, wie auch finanzielle Malversationen wirkten in jedem 
Falle negativ; auch hemmten große (Überschwemmungen ständig 
den Fortschritt. Außerdem kaufte Marquis Perlas im Jahre 1730 
den Besitz Paasdorff in Niederösterreich und er zeigte deswegen 
bei weitem nicht mehr so großes Interesse für seine kroatischen 
Besitzungen, auch nicht für die Glashütte, in der der erhoffte 
Profit ausblieb. Ein nichtsdestoweniger wichtiger liaktor war 
auch der Verlust von Neapel. Diesen Besitz verlor Österreich 
im Jahre 1735, als Ersatz bekamen die Habsburger Parrna und 
Piacenza. Diese neuen Aquisitionen waren kein Absatzgcbiet für 
„Perlasdorf". Wir dürfen nicht außer acht lassen, daß das hohe 
Alter des Eigentümers, der über 70 Jahre zählte, vielleicht auch 
zu diesem Mißerfolg beigetragen haben mag. Die nächste Glas- 
hütte wurde in Kroatien erst in der Mitte des 19. Jahrhunderts 
gegründet. 
Während des Siebenjährigen Krieges (1756-1763) hatte Böhmen 
furchtbar gelitten, da viele Schlachten im Lande selbst geführt 
wurden. Ganze Gegenden wurden verwüstet und in den meisten 
Teilen entstand eine arge Hungersnot. Das veranlaßte Kaiserin 
Maria Theresia, etliche Familien in andere Teile ihrer Mon- 
archie zu übersiedeln. Gegen S00 böhmische Familien wurden 
auch in Kroatien im „Höhen-Bezirk" an der „Karolineds-Strttfie 
angesiedelt. Mit ihnen kam auch der böhmische Glasermeister 
Franz Anton Holub nach Kroatien. Er wanderte auf den aus- 
drücklichen Befehl der Kaiserin nach Kroatien, die bestrebt war, 
auch hier das zurückgebliebene Manufakturwescn neu zu be- 
leben, das schon ihr Vater Karl begonnen hatte. Maria Theresia 
erwartete viel von Holub und seiner zukünftigen Glashütte, 
zumindestens, daß er eine Konkurrenz gegenüber dem vene- 
zianischen Glase aufstellen werde. Diese Glashütte wurde im 
Orte Suäica gegründet. Unweit des genannten Ortes befanden 
sich große Waldungen, so dafl das nötige Brennholz leicht zu- 
giinglich war, Quarzsand für die Zubereitung des Glases, zwar 
schlechterer Qualität, war auch in unmittelbarer Nähe vor- 
banden. 
Facsimile des Dokumentes, in welchem Marquis Rialp über seine Glas- 
hütte berichtet. Originaltext im llofkammerarchiv Wien, Inneröster- 
reichisehe Kammer, Fasc., rote, Nr. 99, Akt vom 7. September 1729. 
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