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Volltext: Alte und Moderne Kunst IV (1959 / Heft 10)

1771 und 1772 verarbeitete man in Suiten Gläser nach „böhmi- 
scher Art", und andere Glasgcgenstiinde, nämlich Glastafeln, 
die nach einem Dokument „sehr unrein" waren, weswegen 
Weitenhiller eine weitere Finanzierung verweigerte. Weiten- 
hiller, als bekannter Kaufmann, wollte seine Reputation nicht 
verlieren, umso mehr. als auf den Glasplatten seine Initialen 
F. XIV. als Fabriksmarke fungierten. Als Friedrich Weitenhiller 
im Jahre 1772 starb, setzte llolub die Arbeit allein fort. Einige 
Jahre nachher erfahren wir aus einem Dokument, daß llulub 
sein Glas: „ ...nach der Levantc, Egipten und Italien, Franck- 
reich und Spanien . . ." ausführt, und daß die ,Fabricque' 10 Ofen 
besitzt, und: ,....dahero 10 Gesellen Erfordert." Ende 1781 
starb Ilolub, die Glashüttc führte seine Witwe und Familie 
weiter. 
Im Jahre 1784 scheiterte der Außenhandel, es entfiel unter 
anderem Spanien als Absatzgebiet, das eine sehr gute eigene 
Glasproduktion besaß. Etwas Glas wurde in Kroatien selbst ver- 
kauft. Zu Beginn des 19. Jahrhunderts wird die Glashütte in 
SuF-ica kaum erwähnt, ihr Vorhandensein bestätigen uns heute 
nur einige Dokumente, Produkte sind bis jetzt noch nicht auf- 
gefunden worden. Die dritte Glashütte wurde ebenfalls im 
„Höhenbczirk" im Orte Mrzla Vodica gegründet. Ihr Eigen- 
tümer war der Patrizier und Großkaufmann Lodovieo Andrea 
Adamich aus Fiume. Mrzla Vodica verkaufte ihre Produkte 
(„gute und reine Gläser") außer im eigenen Lande auch nach 
Nord- und Südamerika. Die Glashütte in Mrzla Vodica bestand 
nur einige Jahre, aber ihre Affirmation am Österreichischen und 
internationalen Markt ist für die Entwicklung des kroatischen 
Manufakturwesens im allgemeinen von wesentlicher Bedeutung. 
In der unmittelbaren Nähe von Zagreb, etwa 30 km entfernt, 
entstand im kleinen Orte Osredek im Jahre 1839 eine neue Glas- 
fabrik. Diese Fabrik gründete die Baronin XVilhelminc Kulmer. 
In der Fabrik arbeiteten vom ersten Tage an böhmische Glaser- 
meister, die auch schon im vorigen Jahrhundert in Kroatien ein 
reges Betätigungsfeld fanden. Diese junge Industrie interessierte 
das kroatische Publikum und der Absatz der Glasproduktion 
war anfangs ein beträchtlicher. Doch schon im Jahre 18-17 geriet 
die Baronin Kulmer in Geldschwierigkeiten und sie mußte das 
verschuldete Unternehmen verkaufen. Der neue Besitzer, ein 
Offizier, führte die Fabrik auch nur etl-iehe Jahre weiter, und in 
den fünfziger Jahren stoßen wir schon auf den dritten Eigen- 
tümer. Die Fabrik kaufte damals Ignatz Hafcnbrädl, Mitglied 
der Glasermeisterfamilie, die in Böhmen gegen Ende des 
18. Jahrhunderts bekannt war. 
Hafenbrädl war schon früher als Angestellter in Osredek tätig. 
In der Zeit, in der er als Eigentümer wirkte, besitzen wir einen 
interessanten Bericht, aus welchem wir folgendes erfahren: „Die 
Glasfabrik in Osrcdek, llerrn Ignaz Ilafenbrädl gehörig, erzeugt 
jährlich 18.000 Schok IIohl- und Scheibenglas, wozu das Roh- 
material theils aus Kroatien, theils au." Steiermark, Böhmen, 
Preussen und England bezogen wird. Das abrikat steht im Rufe 
großer Vorzüglichkeit und möglichster Billigkeit, sein jährlicher 
Geldwerth dürfte circa fl 30.000 erreichen. In qualitativer Hin- 
sieht vertheilt sich tibengenanntes Fabrikatquantum so, daß U, 
desselben auf gemaltes und 1', auf ordinäres Glas entfällt. Etwa 
W, des gesammten Fabrikates werden im Kammerbezirke ab- 
gesetzt, äf, aber per Triest nach Italien, der Türkei und Grie- 
chenland, Spanien, Afrika und Amerika ausgeführt." 
 
Aus dem Bericht ersehen wir, daß die früheren Marktplätze, 
inner- und außerhalb Europas wieder Absatzgebiet für die kroa- 
tische Glasproduktion wurden. In der Fabrik wurde dem Be- 
richte nach versehiedenartiges Glas angefertigt und llafenbrädl 
konnte im Jahre 186-1 mit großem lirfolg seine Ware auf der 
ersten kroatischen Gewerbeausstellung in Zagreb ausstellen. 
Einige Jahre später verwickelte er sich in Geldspekulatinnen, 
und er mußte das Unternehmen von heute auf morgen ver- 
kaufen. Mit diesem Verkauf kam die Fabrik in eine neue Phase, 
die Inhaber, Zagreber Kaufleute, investierten ganz beträchtliche 
Gcldsummen, kauften Maschinen, und Osredek wurde für kroa- 
tische Verhältnisse ein Großbetrieb. In den siebziger Jahren des 
19. Jahrhunderts arbeiteten in Osredek über 100 Arbeiter. Die 
Produktion ist weiter verschiedenartig, und wird meistens in 
Kroatien verkauft, doch auch der nahe Levantehandcl geht 
weiter. Im Jahre 1882 wurde in Triest zu Ehren der SOOjährigen 
Inkorporation von Triest zu Österreich eine Gewerbeausstellung 
veranstaltet. Auf dieser Ausstellung wurden vielfach die „Will- 
kommen"-Gläser in Pistolenform, in Osredek ausgeführt, be- 
wundert. 
 
[F1 
Fabriksmarke des Mitinhabers Friedrich Weitenhillers, Glashütte Suäica. 
Zu Ende des Jahrhunderts bemerkte man eine allgemeine Sta- 
gnation in der gesamten Glasproduktion der Österreichisch- 
Ungarischen Monarchie. Diese Stagnation verbreitete sich auch 
auf die kroatische Glasproduktion. Der einzige Ausweg war die 
Bildung einer Aktiengesellschaft, der außer Osredek auch noch 
zwei weitere Glasfabriken beitraten. Und zwar die Fabrik 
„Karolinen-Hütte", unweit Osredek, und Zveeevo in Slawonien, 
welche im Jahre 1842 der berühmte Joseph Lobmeyr aus Wien 
gründete. Die Aktiengesellschaft trat Ende des Jahres 1893 ins 
Leben, Aktionäre waren berühmte politische Persönlichkeiten, 
die dem damaligen kroatischen Banus Khuen-Hedcrvary nahe- 
standen. 
In dieser letzten Phase wurden in drei Fabriken Tausende von 
Glasgegenstiinden ausgeführt, die in Kroatien und außerhalb 
guten Absatz fanden. Im Jahre 1902 kam es in Zvccevo zu Geld- 
malversationen, und die genannte Fabrik schied aus der Aktien- 
gesellschaft. Zwei Jahre nachher hörte auch die Arbeit in Osre- 
dek und der "Karolinen-Hütte" auf. Die Liquidation der zwei 
letztgenannten Fabriken zog sich bis 1907 hin. Die Gründe dcr 
Produktionseinstellung waren politischer und ökonomischer 
Natur. Der wesentlichste Faktor aber war die Konkurrenz der 
industriell hochentwickeltcn Nachbarländer, die die kroatische 
Glasproduktion von dem Weltmarkt verdrängten, und mit billi- 
gen Produkten eine starke Konkurrenz der kroatischen waren. 
Der zweite Faktor war die Verweigerung der weiteren finan- 
ziellen Hilfe des ungarischen Finanzministeriums und der kroa- 
tischen Bankunternehmen. Der dritte Faktor war politischer 
Natur. Mit dem Abgang des Banus Khuen-Hedervary im Juni 
1903 verliert die Glasfabrik Osredek und die ganze Aktien- 
gesellschaft einen mächtigen Fürsprecher und die Liquidation 
der Unternehmen war die logische Folge. 
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