MAK

Volltext: Alte und Moderne Kunst IV (1959 / Heft 12)

scph Spxcuh 1'. . 
Arn Brmwlwknnaruiäl ' 
Ergebenheitsgestus. Die unter ihren Füßen liegende Gestalt 
Attribute konnte zunächst nur ganz allgemein als eine „L; 
darstellung" bestimmt werden. 
Die anschließend an die inhaltliche Bestimmung erfolgte : 
matische Durchforsehung der barocken Monumentalmalei 
Österreich und Süddeutschland, vor allem jener Fresken 
und Freskenentwürfe, die um 1750f6O entstanden waren, br 
nun tatsächlich das erhoffte Ergebnis einer Identifizierung 
Lokalisierung mit sich. Das Blatt mit den beiden Entw 
ließ sich als eine Arbeit Franz Joseph Spieglcrs (1691-17? 
stimmen, der einer der wichtigsten obersehwäbisch-südwcst 
schen Meister der kirchlichen Großmalerei gewesen ist unt 
dem, außer den vier Entwürfen in der Sammlung Reusche 
der bei Thieme-Beckcr angeführten Olskizze, bisher kein 
terer Entwurf bekannt geworden ist. Das Blatt gibt die D 
entwürfe für zwei Zwickclfclder des großen Langhausde 
freskos von Zwiefalten wieder, das zu Spieglers Hauptwt 
gehört. In Zwiefalten, einer Ordens-Reichsstift- und Wallfz 
kirche der Benediktiner im schwäbischen Raume, haben I 
Franz Joseph Spiegler die Maler Franz Sigrist und Meinrat 
Aw, der Stukkateur Johann Michael Feichtmayer, sowit 
Bildhauer Joseph Christian an der sumptuösen Innenaussta 
gearbeitet. 
Franz Joseph Spiegler, dem die malerische Ausgestaltung 
riesigen Kirche mit Deckenfresken zukam, hat im H 
bilde des 30m langen und 27m breiten Gemeinderaume 
Huldigung der Menschheit vor Maria und der heiligen Dr 
tigkeit dargestellt. 7.u diesem großartigen Fresko, das sich 
die ganze Deckenfläche erstreckt, und dessen Kompositior 
der schief-runden Sphäre im Zentrum, der Zickzack-Anord 
der auf Wolken schwebenden Figurengruppen und dem ' 
nären Charakter der Lichtführung von unten nach oben, 
Dunkel ins Licht, wohl das kühnste und prägnanteste Be 
der Barockmalerei genannt werden kann, gehören noch vier 
nere und in Rocaillekartuschen angeordnete Bilder, die sit 
beiden Seiten in den Zwickeln über den zweiten und vi 
Pfeilern des Langhauses befinden. Diese Bilder, die nach de: 
heitlichcn barocken Programmgestaltung in einem thematis 
Zusammenhang mit dem Thema des großen Freskos st 
müssen, wurden bisher in der Literatur ganz allgemein als. 
genden und Laster bezeichnet, oder im liallc der Maler: 
wahre und falsche Kunst. 
Das vorliegende Blatt Franz Joseph Spieglers stellt nun die 
würfe für jene beiden Zwickelhilder dar, die über den zw 
Pfeilern angeordnet sind. Die Vergleichung der Entwürft 
den ausgeführten Fresken läßt aber doch einige bezeichr 
Unterschiede erkennen. Das als Gebet identifizierte rechte 
des Entwurfes spezifiziert und alludicrt in der endgültigen 
sung diesen Gedanken in unmißverständlicher Weise. 
Schnur der linken Hand erweist sich im Fresko als Rosenk 
und das Buch zeigt mit großen Lettern die Anfänge der m 
nischen Antiphonien, das „Salve regina" und das „Ave rc 
coelorum". Hiezu kommt noch. daß in der linken oberen K 
mung der Rocaillckartusche eine plastisch ausgeführte Gl 
hängt, die von einem Putto angeschlagen wird und an dere 
nerem Rand sich die Worte des Englischen Grußes, „Avc 
ria", befinden. Auch die unter den Füssen liegende Gestal 
nun ihre Attribute erhalten. Sie trägt auf ihrem Haupte ein 
flügelte Kugel als Zeichen ihrer Weltliehkeit. Die Libellenf 
aber und der vom linken Handgelenk herabhängende Beutel 
durch die Jahreszahl 1752 das Datum der Vollendung der Z 
kelfelder angibt, sowie die Laute. auf welche das Gebet st 
Fuß setzt, weisen alle daraufhin, daß wir es hier mit einer l 
lichen musica mundana und deren Vergänglichkeit zu tur 
lerisehe Ausführung erinnert in ihrer Vcrve an Maulbertseh, 
entspricht aber eher mehr dem Zcitstil von 1750]60 als der cha- 
rakteristischen llandschrift des österreichischen Meisters. Es 
muß sich demnach um einen Zeitgenossen handeln und um einen 
Freskanten, da die kompositionelle Anordnung der Gruppen die 
Bestimmung für ein Talelbild ausschließt und eher für einen 
Detailentwurl eines monumentalen Freskos spricht. 
Auf Grund unserer Kenntnisse der barocken Ikonologie, jener 
Bildersprachc. der sich alle barocken Künstler und vor allem die 
Monumentalmaler bedienten, war es zunächst gelungen, die 
Thematik der beiden Gruppen festzustellen. Bei der linken 
Gruppe handelt es sich eindeutig um die allegorische Darstel- 
lung der„Malerei",die hier mitdem Zeichenstift in der Hand vor 
einer Staffelei sitzt und zu deren Füßen ein Putto eine Palette 
zeigt, ein anderer mit Farbenreiben beschäftigt ist und ein 
dritter mehrere Pinsel huehhält. Allerdings muß es sich um 
eine besondere Art der Malerei handeln, die durch das nach 
oben gewendete Antlitz und den ekstatischen Gestus deutlich 
ausgedrückt wird. 
Die rechte Gestalt mit einem schnurartigen Gebilde in der lin-- 
ken Hand, neigt sich ergeben einem Räuchergefäße zu, in wel- 
ches sie aus ihrer lland Weihrauch fallen liiilt. Zwei Putti lesen 
in einem großen Buch urid unter ihren Füllen liegt mit abweh- 
rendem Gestus eine menschliche Gestalt unter vielen Büchern. 
10
	        

Nutzerhinweis

Sehr geehrte Benutzerin, sehr geehrter Benutzer,

aufgrund der aktuellen Entwicklungen in der Webtechnologie, die im Goobi viewer verwendet wird, unterstützt die Software den von Ihnen verwendeten Browser nicht mehr.

Bitte benutzen Sie einen der folgenden Browser, um diese Seite korrekt darstellen zu können.

Vielen Dank für Ihr Verständnis.