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Volltext: Alte und Moderne Kunst IV (1959 / Heft 12)

Fritz v. Hcrzmanovsky-Orlando, Auf der 
Fahrt zum Konzil von Trient. 
 
den bemüht, halb oder ganz Verschüttete, seiner Meinung nach 
aber niemals wirklich versiegte Beziehungs-Ströme zwischen der 
Antike und dem alten Österreich aufzuspüren (und das ist ihm ja 
wenigstens künstlerisch auch gelungen). Er hat in allem Ernste 
und nicht ohne bemerkenswerte Argumente die These vertreten. 
dafi unsere ehemalige Monarchie der legitime Erbe Athens, 
Roms und vor allem Byzanz gewesen sei. Mag man eine solche 
These bizarr und sogar verschroben finden, anregend ist sie je- 
denfalls - und man wird nachdenklich, wenn man in der 
Kenntnis dieser These zum Beispiel Bilder des älteren Anton R0- 
mako betrachtet, die bisher zu Recht als „doppeldeutigf, „rätsel- 
haft" und "unentwirrbar" (Novotny) galten, nämlich Komposi- 
tionen wie „Marc Aurels Einzug in Wien" oder gar jenes „Ciree 
und Ulysses" - Gemälde. von dem Nsvotny sagt, daß das Mi- 
sehungsvcrhältnis von Ernst und Ironie in ihm nicht mit Sicher- 
heit zu bestimmen sei - eine Definition, die etwa auf Herzma- 
novskys „Byzanzf-Phantasien ebenso zutrifft. Psychologisch 
ließe sich das „rätselhafte Mischungsverhältnis" recht wohl er- 
klären: jene lronie nämlich ist Selbstironie angesichts von un- 
glaubwürdig erscheinenden, von llerzmanovsky und vielleicht 
auch Romako aber sehr ernstgenommenen Ahnungen und Mah- 
nungen aus etwelchen seelischen Untergründen. jeder Kenner 
des Alt-Wiener Volkstheaters wird dazu eine Fülle von Material 
beisteuern können. 
Ferner: Seit der Würthle-Ausstellung wird man auch das Phäno- 
men Kuhin mit anderen Augen betrachten müssen. Seine Kunst 
erscheint nun nicht mehr so isoliert und einmalig, wie man sie 
bisher zu sehen gewöhnt war. Denn zwischen dem Zauberer im 
Schlößehen Zwieklcdt und dem Liebhaber-Magier im Merancr 
Schloß Rametz bestand nicht nur Generationsgleichheit, sondern 
auch innere Verwandtschaft. - Beide schöpften aus vielen ge- 
meinsamen Quellen, auch waren sie miteinander eng befreundet, 
und es ist gewiß kein Zufall, daß des Graphikers Kuhin großes 
Literaturstück - der Roman „Die andere Seite" - nach einer 
gemeinsamen Wanderung mit dem Zeichnenden Literaten Herz- 
manovsky durch Oberitalien und Venezien entstanden ist. Eines 
näheren Beweises der geistigen, der künstlerischen, der motivi- 
schen und anderer Vergleichbarkeiten zwischen Kubin und Herz- 
manovsky bedarf es wohl nicht, denn sie sind auch der flüchtig- 
sten Kenntnis ihrer Arbeiten offenbar. 
Wenn aber weder der eine noch der andere isoliert dasteht, dann 
muß es einen Stil geben. der sie miteinander verbindet. Und 
wenn es einen solchen Stil gibt oder gegeben hat, dann muß es 
auch andere Phänomene geben, die ihm einzuordnen sind, auch 
literarische, auch musikalische. 
Noch einmal: Die Herzmanovsky-Ausstellung in der Galerie 
Würthle war eine Sensation. 
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