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Volltext: Alte und Moderne Kunst IV (1959 / Heft 5)

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Die Kenntnis des GälFlCnPHViiiOnS vermittelte mir Professor 
Dr. Karl Ginhart, dem ich für die Überlassung der Publiku- 
tion besonderen Dank sage. Bnronin Friuda von Hussnrcck 
überließ mir die Photos von Schloß und Pavillon. wofür ich 
der letzten Besitzerin des Schlosses dankbar verbunden hin. 
über dem Mittelrisalit von Hildebrandts Schreyvogelhaus in 
Breslau, aber auch an der Fassade der Pfarrkirehe von Potten- 
dorf. Später vielleicht als Sehloßbau, der um 1708-1710 an- 
zusetzen ist, dürfte der Gartenpavillon entstanden sein. Auch 
sein rechteckiger Körper erscheint von einem Mansardendach 
in edlen Formen eingedcckt. Vor der zur Gartenfront des 
Schloßes gerichteten Langseite des doppelgeschoßigen Pavillons 
führt eine zweiarmige Freitreppe in jc drei Liiufen zum Tor des 
flach eingedeckten Pavillonraumes empor. Die Balustraden- 
pfeiler zwischen den zierlichen Balustern tragen bewegtes Orna- 
mentwerk in flachem Relief. Die Deckplatte über ihnen ist an 
den Treppenecken in kontinuierlicher Führung verschliffen. Un- 
ter dem Mittelpodest bildete ein rundhogiges Tor den Zugang 
zum Erdgeschoßraum des Pavillons. Die zarte Rahmengiede- 
rung, in deren Feldern die Fenster mit hohem Keilstein und 
aufgelegter Nabelscheibe stehen, kontrastiert zu dem schattend 
vor die Mauer tretenden Türgiebel. Hildebrandt hat diese Kon- 
trastierung von flachem Wandreliel" und körperlich vortretendem 
Giebel an der Pfarrkirche in Pottcndorf, am Ostchor der Loreto- 
kirche in Göllersdorf und an seinen späteren Landkirchen zur 
Akzentuierung einer rein linearen Wandgestaltung verwendet. 
Der durch vier Fenster erhellte Innenraum des Pavillons ist an 
Wänden und Decke mit einer vorzüglichen, reieh von Chinoi- 
serien durchsetzten Groteskendekoration von jonas Drentwctt 
ausgeschmiickt. Auch sie hat stark, besonders an der Nordwand 
(mit vermauertem Fenster), unter den Wetterunbilden und 
Kriegseinwirkungen gelitten. 
Zwei Torpfeiler mit Vasen und Putten als Bekrönung ihrer 
Deekplatten sind - einziger ("Iherrest der Gartenanlagen - un- 
verändert erhalten. Sie weisen, gleich allen anderen Einzelfor- 
men an Sehloß und Pavillon nach Wien. Ihre künstlerische Er- 
scheinung leitet sich nieht von einem Landbaumeister her, son- 
dern verdankt ihre Herkunft einem Architekten von Rang. Hil- 
debrandts Oeuvre fügt sich, die Schloßanlttge, sowohl in ihrer 
Gesamtgestalt als auch in der Durchformung des Wandreliefs 
und in allen Einzelformen, ein. Die frühe Entstehung des Schlo- 
ßes vor dem Jahre 1711 und die des Gartenpavillons um oder 
bald nach diesem Jahr erheben die Autorschaft Hildebrandts 
an der Schloßanlagc von Guntramsdorf zur Gewißheit. Während 
seiner ganzen Schaffenszeit hat Hildcbrnndt in den Schloßgär- 
ten (Schloß Sehönhorn, Schlot} Harraeh, Gartenpalast Harrach, 
Stadtpalast Harrach, Schloß Siebenhrunn) Pavillons errichtet. 
Sie waren eine architektonische Kleinform, die seinem schöpfe- 
rischen Ausdruckswillen besonders entgegenkam. 
DAS MENSCHENBILD BEI FRITZ WOTRUBA 
Von 10m 
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Die dem Umfang nach nur kleine, dem Gehalt nach aber be- 
deutsame Ausstellung von Bronzen und Hnndnichnungen Fritz 
Wotrubas in der Galerie Würthle ermöglichte einen last lük- 
kenlosen Überblick über die Entwicklung und Klärung dessen, 
was man als das Menschenbild Wotrtibas bezeichnen könnte. 
Wohl waren die ausgestellten Bronzen fast durchwegs in den 
letzten beiden Jahren entstanden, aber die Zeichnungen reich- 
ten bis zu den Anfängen von Wotrubas bildnerischer Tätigkeit 
zurück. Sie ließen eine erstaunliche Kontinuität und Folgerich- 
tigkeit des Weges aul ein sehr persönliches und doch auch allge- 
mein situationsdokumentarisches Menschenbild deutlich werden. 
Wotruba, der weniger in Österreich als im Ausland und hier 
besonders in den USA, in Belgien. Holland und nach und nach 
auch in Deutschland in seiner Bedeutung wie in seiner Einzig- 
artigkeit erkannt und Bildhauern und Plastikern wie Marini, 
Laurens, Moore und Giacometti gleich geachtet und gewertet 
wird, ist aber gerade hinsichtlich dessen. was er mit der mensch- 
lichen Figur zu sagen sich bemüht, von allen soeben genann- 
ten Künstlern überaus verschieden. Keinem von ihnen jeden- 
lalls geht es derart um den Menschen an sich wie Wotruba, 
so weit man ihn überhaupt mit einem solchen abstrakten „an 
sich" in Zusammenhang zu bringen berechtigt ist, da er zwei- 
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