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Volltext: Alte und Moderne Kunst IV (1959 / Heft 5)

Josef Pillhofcr: Stehende. 1958. Gipa. 
im Hrnltl den Künstlers 
fächerung in den Raum, wie sie seine „Radfah rin" aus dem 
Jahre 1953 zeigt. ln ihr tritt auch das dynamische Element Zu- 
tage, ein Faktor der plastischen Llntersuchungen der Kubisten, 
die die Form nicht mehr als etwas, allein um einen pla- 
stischen Kern Gelagertes, sondern auch vom Raum her Ge- 
bildetes sahen. 
Pillhofers Werk bewegt sich seither in einer ständigen schöpfe- 
rischen Dialektik, dcren beide Pole von rein formalen, das 
Gegenständliche manchmal fast ausschließenden UHICFaUChUTI- 
gen und von konkreter, die ganze Summe körperhafter Gestalt- 
werdung einsehließender Plastik gebildet erscheinen. Zwischen 
diesen beiden Polen, die nur scheinbar Gegensätze bilden, in 
Wirklichkeit aber eins sind, schwingt das Pendel seiner sich 
ständig auf die Grundlagen besinnenden und auf sie zurück- 
greifenden Arbeit. Es ist absolute Redlichkeit, die ihn dabei 
immer wieder auf die Natur zurückstellen und sich in ernsthafter 
Arbeit um sie bemühen läßt, weil ihm das Verbindliche einer 
 
tatsächlich, anschaulich-sinnlich erlebten Welt erst die Ge- 
währ zu jener Verwandlung gibt, die dann im Kunstwerk trans- 
parent zu werden hat. So vcrfcstigen sich seine Massen immer 
wieder zu den einfachen plastischen Grundformen, deren Pro- 
portion und räumliche Erstreckung, deren Verdeutlichung _der 
Funktionen im Zentrum mehrerer plastischer Arbeiten stehen. 
Die „Kleine Sitzende". 1954-, ist eine solche Plastik, die sich 
gegen den Raum behauptet. der von allen Seiten gegen sie an- 
brandet. Ein einfaches und starkes rhythmisches Gefühl zeich- 
net sie aus, eine Monumentalilät der auf das Wesentliche ihrer 
Funktion und plastischen Dichte reduzierten Formen, cinc 
schlichte Würde gestalthalten Seins. 
In der stehenden Figur jüngeren Datums ist der statische Raum, 
der die kleine Sitzende umgah, in Bewegung geraten, in groben 
Schnitten drängt er diekplastisehe Form zu einergrößeren Diffe- 
renzierung. Auch hier wird das Elementare der Form und der 
Ftinktion deutlich erlebt und gestaltet, aber eine größere 
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