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Volltext: Alte und Moderne Kunst IV (1959 / Heft 5)

 
IUhrrchl Duver, Holxßchniu aus der hhrunplurlv, Ausgabe 1799, (ul. H. nu-n. Hln-llixlzl 
Bethlehem mitgibt, nur denen vorbehalten, die ihr Heiligtum 
am Berge Sinai verehrt hatten. Das Glücksrad, als solches in 
Wort und Bild verbreitet, illuminiert verschiedentliche Texte, 
von denen wir nur den Fulgentius Metaforalis und die Schrif- 
ten Petrarcas und Boccaccios nennen. Die additive Erhärturtg 
des Rades, mit Rasiermessern besteckt, drängt nach Klärung, die 
wir in den Versen des Wigalois, eines Ritterepos aus König Ar- 
tus' Kreis, von Wirnt von Gravenberg nach 1200 verfaßt, ge- 
funden zu haben glauben. 
Diese von Hans Burgkmair in einmaliger Faktur in Holz ge- 
schnittene Imprese erfährt ihre Abschwächung durch Verharm- 
losung der Messerklingen in Federgestecke, die an der Revers- 
seite jener Medaillen zu bemerken sind, die spätere Zeiten nach- 
schufen und auch in den Zeichnungen Octavio de Stradafs und 
den Illustrationen in dem Werke Frans van Mieris diese Spu- 
ren fortsetzen. Die später dazugetretene Devise PER TOT 
DISCRIMINA RERUM (Virg. Aen. 1, 204) versucht den Ge- 
dankengang zu vollenden. Es fehlt an Raum, um aller zu geden- 
ken, die dieses Symbol in Verwendung hielten, nur der Dome zu 
San Zeno, Trient und Basel sei Erwähnung getan, die ihre 
Fronten mit diesen herrlichen Rosen schmückten. Daß Mar- 
garete des Vaters Sinnbild in pietätvolle Verwaltung nimmt, er- 
geben die minierten Handschriften, die in ihrem Auftrag ent- 
standen. 
Wir haben es bisher unterlassen, den Granatapfel in unsere 
flüchtige Beschreibung aufzunehmen, der ohnehin schon klaf- 
fend, das Opfer des Rades wird, das über ihn hinweggeht. Diese 
Frucht ist es, die im Leben Maximilians zu stummer Aussage 
kommt. War das Rad geeignet, das Geschick als Ganzes zu 
Worte kommen zu lassen, so begnügt sich der Granatapfel da- 
mit, einen wesentlichen Teil des über Maximilian Verhängtett 
zu lüften. Die Einnahme Granadas, die am 2. Januar 1492 ge- 
lang, setzt den Sehlußstein der Reconquisla. Zu ihrer Vorberei- 
tung benütlgte man zehn Jahre, und es scheint, daß sie im Zei- 
chen des Granatapfels geschah, dessen Name Königreich ttnd 
Stadt bezeichnet. So gering seine Spuren unter maurischer Herr- 
schaft waren, so deutlich treten sie unter den katholischen Köni- 
gen in Erscheinung, die sich und ihre Heiligen in kostbare Bro- 
kate mit diesen Dekors kleiden. Conrad Griinenberg, der 1483 
sein Wappenbuch beendet, rankt um den Schild Granadas Frucht 
und Zweige dieser „agro dulce". Wenn Georg von Ehingen von 
seiner „Fahrt nach der Ritterschaft" vermeldet, dctß ihm und 
seinem Gefährten der König neben der „Ischpanisch" Gesell- 
schaft und der „banda von Kastilia" auch die „dritt ordert gesel- 
schafft, die von Grannaten, ain granate epffel der uff kleben ist, 
mit aim stil und ettlichen blettern daran", gab, so setzt er uns 
in Verlegenheit, denn zur Zeit der mutmaßlichen Redaktion der 
Handschrift, 1453, waren Kastilien und Aragon unvereint, und 
erst die Eheschließung beider Regenten brachte ein bei selb- 
ständiger Verwaltung mögliche Union. Johannes Geiler von Kai- 
sersberg verfaßt 1511 eine Schrift mit dem Titel „Das Buch 
Granatapfel" und Johannes Keppler benützt ihn, um das Beispiel 
seiner raumnützenden Bildung auf die Schneeflocke zu über- 
tragen: „De nive sexangula" (1611). Warum und wann Maxi- 
milian den Granatapfel als Imprese wählt, kann Stabius, dem der 
Text der Ehrenpforte beigemessen wird, nicht erklären: „in 
der jugent erwellct". Das Gelingen der Einnahme Granadas und 
die Verdrängung der Heiden von der Halbinsel mag auf Maxi- 
milian magische Wirkung ausgeübt haben, der seinen Kreuzzug 
auszuführen ständig verhindert ist, wie vor ihm Karl der Kühne 
und Philipp der Gute und immer wieder hofft, vielleicht in die- 
sem Zeichen den Plan verwirklichen zu können. Anläßlich des 
liürstentages zu Wien, der Maximilian auf der Höhe seiner 
Macht zeigt, thront er über den Agnaten und Allianzen seines 
Gesamthauses. Gleichsam als Palladium waltet hier der Granat- 
apfel über der kaiserlichen Deszendenz. und die Kraft. die er 
jedem Einzelnen mitteilt, mag dem Wunsch des Gedeihens ent- 
sprechen. Das Unverbindliche seines Charakters befähigt ihn 
auch andere Aufgaben, wenn nicht zu lösen, doch ihre Lösung 
zu erleichtern. Das Unbedingte, das ihm fehlt, vergrößert den 
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