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Volltext: Alte und Moderne Kunst IV (1959 / Heft 7 und 8)

erben des Materials ist sehr fein, das Charaktcristischcstc 
-r, woran wir die Holitseher Erzeugnisse am besten erkennen, 
die mild glänzende, rein weiße, manchmal leicht ins Blaue 
iende Zinnglasur, auf der alle Lichter spielen. Sie ist voll- 
nmcn gleichmäßig aufgetragen und bringt alle Formen zu 
önster Geltung. Es werden ausschließlich Muffelfarben ver- 
idet. Die Palette st sehr reichhaltig und ermöglicht jene Far- 
iviclfalt und feine Nuancierung, die Holitscher Fayencen so aus- 
ehnet. Typisch ist das mit Gold hergestellte prächtige Purpur- 
, dessen Zusammensetzung lange geheim gehalten wurde. In 
Frühzeit der Fabrik wurde allerdings auch in matten hellen 
bcn, Rot fehlt gänzlich. nach Vorbildern von Castelli gear- 
tet. Die 'l'eller werden mit Veduten und mythologischen Sze- 
i über die ganze Fläche bemalt. Diese Teller - vereinzelt 
d es auch achteekige Schüsseln - sind außerordentlich sel- 
. Manchmal sind sie ohne Marke, manchmal mit einem ziem- 
l großen HF in Unterglasurblati auf der Rückseite. 
c in allen anderen Fabriken, werden auch in llolitsch über- 
gend Tafelservice erzeugt. Da die Manufaktur aber haupt- 
hlich für den kaiserlichen Hof und den hohen Adel arbeitet, 
en festliche Diners eine große Zahl und Mannigfaltigkeit der 
schirre erfordern, bestehen diese Tafelservice oft aus vielen 
idcrt Stücken. Der große Aufsatz, der den Mittelpunkt der 
:lichen Tafel bildet, ist außerordentlich reich und fast immer 
iral geschmückt. Zur Aufnahme von Pasteten, Gemüse, But- 
und Marmelade dienen Behältnisse in Form von Vegetabi- 
i, naturalistisch bemalt. Da finden sich Zitronen, Ananas, 
lonen, Krautköpfe, Spargelbündel und Artischoken. Die Rose, 
in Holitsch so beliebt ist, dient zur Aufnahme von Süßig- 
ten. Bekannt sind auch die großen Behältnisse in Form von 
chen, Enten und Fasanen, sowie auch 'l'rinkgefiiße, die bunt 
nalte Papageien vorstellen. Zubehör der Tafelscrvice sind Fi- 
'en von Verkäufern und Verküufcrinnen in Zeittracht, die ein 
ines Behältnis, zur Aufnahme von Pfeffer und Salz bestimmt, 
den Knien halten. 
tcr den 'l'afclgcriiten wird besondere Aufmerksamkeit der 
rrine zugewandt. Ihre Formen sind wuchtig und schwer, spü- 
werden sie etwas lcichter. Das weiche Fayencematerial 
ngt ihre Formen zu schönster Gestaltung. [läufig stehen sie 
vier S-förmigcn Füßcn und haben außerdem noch einen gro- 
l Untersatz. Dic Handgriffe haben bewegte Formen und den 
ckelknauf bildet immer eine plastische Frucht oder eine 
me in naturalistischen Farben. Manchmal besteht der Hand- 
ff auch aus einem Pinienknauf mit vier hcrabhängenden 
ttern. 
 
einem Falle kennen wir auch einen figuralen Handgriff. Auf 
er kleinen Louis-Seize Terrine, die sich im Schlesischen Lan- 
museum in Truppau befindet und die dessen ehemaliger Di- 
.tor Dr. E. W. Braun besonders schätzte, hat der Deckclgriff 
Gestalt einer kleinen sitzenden Frau. 
z Teller und Schüsseln zeigen reich geschwungene Grund- 
men. Am Grunde befinden sich oftmals kleine, plastisch er- 
ite, bunt bemalte Blumen. Zur malerischen Ausschmückung 
torzugt Holitsch Rosendckor Die Rose kommt oft vor, ist 
l erblüht und leuchtet in kritftigstcm Pupurrot. Manchmal 
rgt sie sich einzeln auf einem Stengel, dann wiederum ist sie 
' Mittelpunkt eines leicht gebundenen Buketts, manchmal er- 
eint sie in Verbindung mit einer leuchtend gelben Tulpe, die 
znfalls in allen Schattierungen in Holitsch vorkommt. Eines 
' schönsten Service llolitscher Provenienz wird wegen seiner 
nlichkeit mit Straßburgcr Geschirren, das Straßburger Ser- 
e genannt. ln Wirklichkeit kann es mit Straßburgcr Erzeug- 
sen nicht verwechselt werden, selbst wenn wir die Marke auf 
' Rückseite nicht zur Hilfe nehmen. Über ausdrücklichen 
inseh und auf Bestellung des Grafen Palffy wird ein großes 
'vice mit Spitzcnbehangornamenten nach Roucner Vorlagen 
aoricrt. ln Rouen war diese Dekorationsart, Styl rayonnant, 
' Zeit da sie Holitsch übernimmt, nicht mehr üblich. Dieses 
Picta, Holitsch, um 1760. Höhe 18 cm. 
llrzlrlxstntlilrlttn 'l'tlbltsrhtltl. 
Service gefiel sehr und wurde begehrt, daß viele weitere in Blau 
und Grün bestellt wurden. Deshalb finden sich auch Teile dieses 
Services in Museen und Privatsammlungen ziemlich häufig vor. 
Natürlich fehlt in Holitsch auch nicht die damals so beliebte 
Chinoiseric. Auf meist mit gelber, in einzelnen F llen auch mit 
türkisblauer Glasur bedecktem Boden sind kleine weiße und 
schwarz konturierte Felder ausgespart, auf denen in lNliniixtur- 
malcrei kleine Szenen aus dem Leben der Chinesen dargestellt 
werden. Selten und sehr gesucht sind Geschirre mit ostasiatischem 
Dekor. Hingegen kommen Geschirre, auf denen mit wenigen cha- 
rakteristischen Pinselstrichen, in meist nur grüner oder roter 
Farbe, kleine Landschaften, belebt durch figürliche Staffage, dar- 
gestellt sind, öfter vor. Früchte und Schmetterlinge sind weitere 
Dekorationsohjekte. Die gänzlich unbemalten Geschirre fallen 
in die Anfänge der Produktion. Die Formen der Teller sind 
zwar im Britnde verzogen, aber die Glasur hat schon ihren cha- 
rakteristischen samtartigen Glanz. 
Auf dem Gebiete der figuralen Plastik war Holitsch besonders 
erfolgreich und hat hervorragende und außerordentlich origi- 
nelle Figuren hervorgebracht. Außer den schon erwähnten 
Tafelaufsiitzen und den Salzbehältnisscn in figuraler Plastik ent- 
standen Madonnen und Christusfiguren, die mit zum Schönsten 
auf diesem Gebiet gehören. Das weiche Fayencematerial eignet 
sich aber auch besonders gut zur Ausführung von Figuren dieser 
Art. Eben deshalb, weil auf kleine Details keine Rücksicht ge- 
nommen werden kann, wirken diese großzügig. Die abgebildete 
Pieta ist ein typisches Beispiel der Holitscher Figurenplastik. Die 

	        

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