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Volltext: Alte und Moderne Kunst IV (1959 / Heft 7 und 8)

Nebenstehend: 
Säule für einen Talelaufsatz. 
Holitsch, um 1760. 
Usterxelehlsrhex Museum für 
angewandte Kunst. 
Bilder S. 11 : 
Holitscher Terrine. Privatsamm- 
lung. Um 1750. Höhe 25 cm. 
Kleine Holitscher Terrine. 
Privatsammlung. Um 1780. 
Höhe 16 cm. 
sitzende Gottesmutter mit dem toten Christus auf den Knien 
hat einen Mantel von tiefstem Dunkelviolett, verbrämt mit 
einem zitronengelben Streifen. Der Ausdruck des Schmerzes 
in ihren Zügen ist ergreifend. Unglaublich fein und zart bemalt 
ist auch die Figur des Winters, bisher nur in einer Ausformung 
bekannt. Trotz der Vielfalt der Farben (das Kleid ist rosa mit 
hellblauen Manschetten, der in wunderbaren Falten fließende 
Mantel zitronengelb mit hellbraunem Pclzbcsatz, die hohe 
Mütze gelb und grün, der Muff grau) sind diese so aufeinander 
abgestimmt, daß sie ein außerordentlich harmonisches Ganzes 
ergeben. Zur Figurenplastik rechnen wir auch das Relief der 
hl. Veronika mit dem Schweifftuch, welches ein kleines Behält- 
nis zur Aufnahme von Weihwasser bildet. Die Bemalung der 
Figur ist sehr unterschiedlich, manchmal ist sie sehr fein und 
zart, weit öfter aber noch ist das Gesicht derb und das Kleid 
mit einem wenig geschmackvollen Muster bedeckt. Diese Figur 
war wohl einer der gangbarsten Artikel der Ilolitscher Fabrik, 
da sie sich verhältnismäßig sehr oft vorfindet. Das Charakteri- 
stischeste an den Holitscher Figuren ist, daß sie alle kreisrunde, 
wcit aufgerissene Augen ohne Pupillen haben. Diese Augen ver- 
raten uns, sollten wir im Zweifel sein, auf den ersten Blick die 
Holitscher Provenienz. Ein weiteres Erkennungszeichen ist, daß 
fast alle Holitscher Figuren leicht beschädigte Nasen haben. 
Tatsächlich ist uns bisher keine einzige Figur ohne diesen leich- 
tcn Defekt vorgekommen. Im ganzen ist aber zu sagen, daß die 
Holitscher Produktion viel mehr auf die Erzeugung von Luxus- 
geschirr als auf die Erzeugung von Figuren eingestellt war, die 
heute nur mehr ganz selten anzutreffen sind. Überhaupt hat sich 
von der ganzen großen Produktion während des mehr als acht- 
zigjiihrigen Bestandes der Fabrik verhältnismäßig sehr wenig er- 
halten, dazu sind die Gegenstände, die sich erhalten haben, in 
den seltensten Fällen tadellos. 
Die Holitscher Fabrik hatte in allen größeren Städten der da- 
maligen Monarchie ihre Niederlagen und der Absatz entsprach 
vollkommen der großen Produktion. 1783 beklagt sich Sorgen- 
thal, der Direktor der Wiener Porzellanfabrik, daß ihm die H0- 
litscher Fabrik starke Konkurrenz mache. Eine ganze Anzahl 
von Fayencefabriken, darunter auch Proskau in Preußisch- 
Holitschcr Tkrrinc. Prag, Samm- 
lung Blazicck. Um 1750. 
Höhe 25 cm. 
 
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