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Volltext: Alte und Moderne Kunst IV (1959 / Heft 7 und 8)

Alired Kurz entgegen, sondern auch in einem wirkungsvollen Kon- 
trast zur Malerei Hundertwassers. Denn während diese gewissermaßen 
ins Üppige hinein erblüht, nd die Eisenfiguren Hoflehners auf 
Struktur und Haltung reduziert. Nicht nur das geschmiedete, ge- 
schweißte und in der Oberfläche außerdem noch auf eine besondere 
Art gestraffte Eisen atmet also Strenge und Härte aus, sondern die 
Figuren sind dann erst recht wie seltsame und unerbittlich-unnah- 
bare Zeichen und Boten aus einer Welt der Zucht, des Mutes und der 
Unerschrockenheit, und das in einer ausgesprochen souveränen An- 
mut. Diese Figuren also, mögen sie auch in dieser oder jener Hinsicht 
an Formen aus irgendwelchen mittclmeerischen Frühkulturen denken 
lassen. sind doch gerade in einer Zeit, in der die Gier-Angst des Kom- 
fort-Konsumenten bedrohlich anschwillt, von geradezu beispielhafter 
Aktualität und Gegenwärtigkeit. Das hindert freilich nicht, daß auch 
die „Liegende" in Konglomerat und die „Figur mit dem Totenschädel" 
eben von Alfred Kurz sich zu behaupten wissen. In der Liegenden 
klingen Figur und Stein in eins zusammen, und die zweitgenannte 
Plastik bringt ein sehr österreichisches Wissen um die Vergänglich- 
keit in einer ebenso gelassenen wie edlen Form zur Geltung. 
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Bild linkr: 
Herbert Boeckl, „Teppich des Lebens" (Ausschnitt). Gobelin, 1958. 
Bild rechts: 
Maria Biljan-Perz, „Altes und Neues Wien". Gobelin, 1957. 
Bilrl Iinkr unten: 
Fritz Hundertwasser, „Sonne über Tibet". Mischtechnik, 1958. 
Zu diesem Schaffen aus dem Vollen stehen die Bilder von josef Mikl 
in einem interessanten Gegensatz und, wenn man so will, viel deut- 
licher in der Zeit, in einer allgemeinen bildnerischen Situation, in der 
sich viele und nicht die schlechtesten schwer tun, nach so viel Virtuosi- 
tät und Perfektion in der Moderne wieder einen Anfang und Grund zu 
finden. Auch auf den sehr stillen und zarten, aber keineswegs weich- 
lichen Aquarellen von Kurt Möser wird das Bedürfnis nach einer cr- 
füllten Ordnungswell hinter dem Lärm und der Aufgeblasenheit des 
heutigen Oberflächenznubers offenbar. 
Die farbigen Eisenätzungen von Theo Braun und Ludwig Merwarl wie- 
der machen dcutlich, daß Anfang und Grund in den bildnerisclien 
Mitteln selbst gegeben sind, daß also Perfektion und Virtuosität der 
Mache nicht viel bedeuten und es gar keinen neuen Verwendungszweck 
für die bildnerischen Mittel zu entdecken, sondern sie vielmehr selber 
in ihrer unmittelbaren Gleichnishaftigkeit ins Bild zu bringen gilt. 
Auf dem Gebiet der Plastik stehen die großen und die kleineren Eisen- 
figuren von Rudolf Hoflehner nicht nur den beiden Steinfiguren von 
 
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