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Nr. 8 
INTERNATIONALE SAMMLER - ZEITUNG 
Seite 91 
JCirchenscheiben aus dem 1%. Jahrhundert 
Auf Veranlassung -des Landesgerichtes in Klagen- 
furt ist der Wiener Marchand amateur Adolf Bauer 
in Wien verhaftet und dem Klagenfurter Landesge 
richt überstellt worden. 
Adolf Bauer, in Wien wegen seiner Gewohnheit 
stets Monokel zu tragen, schlechtweg der „Monokel- 
Bauer“ genannt, war vor Jahren selbst ein bedeuten 
der Sammler, in der Inflationszeit mußte er aber, wie 
so viele andere, sich von seinem Kunstbesitz trennen. 
Bei seinen guten gesellschaftlichen Beziehungen 
wurde er bald der Vertrauensmann vieler Bankge 
waltiger, die durch ihn Antiquitäten und Kunst- 
gegenstände aller Art kauften. Man sah ihn denn 
auch bei allen Auktionen, wo er durch große Käufe 
auch jenen auffiel, die nicht wußten, daß er nur als 
Mittelsmann hervorragender Sammler auftrat. 
Als Grund der Verhaftung Bauers wird folgendes 
bekannt: Vor einigen Wochen wurde in dem alter 
tümlichen Kirchlein von St. Magdalen im La 
vanttal e ein sensationeller Diebstahl entdeckt. 
Man stellte fest, daß zwei Kirchenscheiben im Aus 
maß von 30X15 Zentimetern, die zu den ältesten 
handbemalten Kirchenscheiben Oesterreichs gerech 
net werden und aus dem 14. Jahrhundert stammen, 
entwendet worden sind. Die Täter hatten die alter 
tümlichen Fensterscheiben geschickt aus den Rah 
men entfernt und sie durch wertlose, aber ausge 
zeichnet nachgeahmte F alsifikate, die jeden 
falls mit vieler Mühe zu diesem Zwecke vorbereitet 
gewesen sein müssen, ersetzt. 
Nun hatte Bauer einige Zeit vor diesem einzig 
artigen Diebstahl den Pfarrer Otto Eberhard be 
sucht und ihm erklärt, er wolle die beiden Scheiben 
kaufen. Er bot 21.000 Schilling an; der Pfarrer lehnte 
das Anbot jedoch ab und erklärte, er könne selbst 
nichts tun, Bauer möge sich an das bischöfliche Or 
dinariat in Klagenfurt wenden. Später versuchte ein 
Villacher Antiquar zu vermitteln, dem Bauer 5000 S 
als Provision zugesichert hatte, doch blieb auch diesfe 
Intervention fruchtlos. 
Nun hat Bauer nach Ansicht der Staatsanwalt 
schaft zu dem Ausweg gegriffen, die begehrten Schei 
ben durch Diebstahl in seinen Besitz zu bringen. Er 
stiftete drei vorbestrafte Leute an, nachts die Schei 
ben zu entfernen und gab ihnen die Falsifikate, da 
mit sie diese in die Rahmen einsetzen. Dies geschah 
auch und Bauer reiste mit den Scheiben weg. Nach 
kurzer Zeit kam er wiederum nach Kärnten. Nun 
wurde inzwischen von der Gendarmerie in Villach 
ein Mann verhaftet, der gestand, mehrere Kirchen 
einbrüche, darunter auch jenen in St. Magdalen bei 
Landskron, verübt zu haben. In dem Besitz dieses 
Mannes wurde auch eine Zahlungsanweisung Bauers, 
lautend auf 4000 S, gefunden. Der Mann gab an, daß 
er diesen und andere Kirchendiebstähle auf Anord 
nung Bauers verübt habe. Daraufhin wurde Bauers 
Verhaftung veranlaßt. 
Chronik. 
BIBLIOPHILIE. 
(Die größte Bibel der Welt.) Louis W a y n a i, ein Tisch 
ler in Los Angeles, hat nach dreijähriger Arbeit die größte 
Bibel der Welt hergestellt. Mit einer Handstanzmaschine 
prägte er auf die 1 '/i Meter langen Seiten des Buches jeden 
Buchstaben nach dem Muster einer Familienbibel ein. Das 
Werk enthält 8048 Seiten, wiegt 1095 Pfund und ist 2 l A Meter 
dick. 
BILDER. 
(Zwei Selbstbildnisse Tizians entdeckt.) Wie „Daily Tele 
graph" berichtet, ist von dem Londoner Sammler Frank 
Sabine eine der wichtigsten Gemäldeentdeckungen der Ge 
genwart gemacht worden. Es handelt sich um zwei Selbst 
bildnisse Tizians, die in den Gemäldesammlungen des 
Earls of Ashburnham und des Earls of D a r n 1 e y uner 
kannt hingen. Nach Beseitigung einer dicken Firnisschicht sind 
die Bilder als echte Tizians identifiziert worden. 
(Eine unbekannte Raffael-Madonna.) Ein kleines Madon 
nenbild Raffaels, das aus der berühmten Sammlung des 
Kardinals Fesch in Rom, des Halbbruders von Napoleons 
Mutter Laetitia, stammt und lange im Besitz von Hubert P. 
Menten in Römerburg war, ist jetzt in den deutsch-amerikani 
schen Kunsthandel gekommen und wird von Professor Tan- 
cred Borenius, dem Kunsthistoriker der Universität Lon 
don, zum ersten Male in dem »Art News« veröffentlicht. Diese 
„Madonna auf der Wiese" wird durch zwei vorbereitende Zeich 
nungen des Meisters beglaubigt. Am engsten stimmt ein Blatt 
im Louvre mit der Gruppe der Maria überein, die, das Kind 
auf dem Schoß, auf einem Wiesenhügel sitzt, 
NUMISMATIK. 
(Päpstliche Münzen.) Am Ostermontag wurden dem 
Pa,pst die ersten Münzen des Vatikanischen Staates über 
reicht. Das goldene 100-Lire-Stück zeigt auf der einen Seite 
den Kopf Pius XI,, auf der anderen Christus als König, Die 
silbernen 10- und 5-Lire-Stiicke zeigen gleichfalls einen Papst- 
koipf, aber nach der anderen Seite gerichtet. Erstere Münze 
zeigt auf der Kehrseite die thronende Muttergottes, letztere 
das Schifflein Petri. Es wurden ferner Zwei- und Einlirestücke 
sowie 50- und 20-Centesimi-Miinzen ausgegeben, endlich kup 
ferne 10- und 5-Centesimi-Stücke. Auf den letzteren Münzen 
sind teils das Wappen des Papstes, teils die Köpfe Petri und 
Pauli sowie der Gute Hirte, die Jungfrau Maria und der Erz 
engel Michael dargestellt. 
VERSCHIEDENES. 
(Tod bekannter Sammler.) In Wien ist Herr Franz I rau, 
der Chef des seit mehr als achtzig Jahren bestehenden Tee 
importhauses C. Trau gestorben. Als gediegener Sammler 
und gründlicher Kenner von Altertümern hat sich Trau einen 
auch im Auslande sehr bekannten Namen gemacht. Seine Woh 
nung, das Heim eines echten Wiener Patriziers, glich einem 
wahren Museum, das neben zahlreichen numismatischen Sel 
tenheiten eine Sammlung antiker römischer Bronzen, eine Reihe 
prächtiger Gemälde alter und moderner Meister, sowie über 
aus reizvolle Viennensia enthielt. 
(Ausstellung in Salzburg.) Das Salzburger Museum Caro- 
lino Augusteum hat, wie alljährlich, auch jetzt am Palmsonntag 
eine Ausstellung eröffnet, die diesmal, sehr aktuell, der 
„Glocknerstraße" und dem geplanten Tauernwerke ge 
widmet ist, soweit sich dies in bildlichen Darstellungen der Na 
turschönheit dieses Gebietes erzielen ließ. Gemälde von 
Hansch, Thomas Ender, frühe Stiche und Lithographien, die den 
Charakter der Pionierarbeit tragen, vereinen sich mit Bildern 
heute noch in Salzburg tätiger Landschafter (Kulstrunk, 
Schrempf) und ausgezeichneten Photographien, die ihrerseits 
wieder die Entwicklung der photographischen Naturaufnahme 
in den letzten vierzig Jahren erkennen lassen; geradezu mei 
sterliche Aufnahmen hat die Salzburger photogr. Verlagsanstalt 
Jurischek beigestellt. 
Seitens der Landesregierung wurde als Haupt 
lockspeise die Folge photographischer Aufnahmen von der pro 
jektierten „Glocknerstraße" dargeliehen, sodaß — das Tauern 
werk einbezogen — das ganze, landschaftlich hervorragende 
Gebiet von Zell am See bis Heiligenblut fmit seinem berühm 
ten spätgotischen Altar), Moserboden und Wiesbachhorn, das 
bisher so verschwiegene herrliche Käfertal mit Fusch und Fer- 
leiten zur Ansicht gebracht ist. 
(Schachfiguren von historischer Bedeutung.) Der Napoleon- 
Ausstellung in Austerlitz, die am 28. Juni eröffnet wird, 
hat die Gräfin Paleologue aus Athen Schachfiguren zur Ver 
fügung gestellt, mit denen Napoieon auf St, Helena spielte,
	        

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