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Volltext: Alte und Moderne Kunst IV (1959 / Heft 6)

einmal die (Jeschichte dieser Wiederherstellttngen nach der Tür- 
kenzeit nicht nur an den Plastiken, sondern auch an den Bau- 
denkmalen zu demonstrieren. 
Die idealistische Attffassttng des l-l. Jahrhunderts hatte sich 
im 15. Jahrhundert zu einer stark bürgerlichen gewandelt. jakob 
Kaschauer ist hiefür der zutreffende Repräsentant. 
Die Berufung Niklas Gerhaerts von Leyden nach Österreich 
hrttchte eine neue Vcrlebendigung der Kunst, eine Lm-deutung 
des Sakralen in das allgemein Menschliche, einen netten Rea- 
lismus, der mit der böhmischen Freude an der Derbheit wenig 
zu tun hat. Bald machen auch große Künstlcrp önlichkeiten 
wie Veit Stoß ihren Etnfluß geltend, daneben wirken die t di- 
tionellen Kräfte in der Bildnerei, die vor allem in dcr l)i csc 
Passau am Werke waren, zu welcher der Großteil Nicdetostvsr- 
reichs gehörte. 
Alle die lElentente strömen schließlich in die große Welle des 
Donaustiles ein, welcher: um 1500 Nicdtlriösterreiclt crfztßtc. Es" 
würde yu weit führen, wenn hier die ltage der Entstehung des 
Kefermarkter-Altares und anderer Schnitzaltiirc in Österreich 
berührt werden sollte. Wien nahm seinc gesonderte Entwick- 
lung,_wclche ihren Höhepunkt durch das Schaffen hleister Anton 
Pilgrams erfuhr. lrt Pulkau entstand ein Altar des lmnaustilcs, 
dessen Plastiken und Nlalcreien als bodens ndig empfunden 
werden müssen. Der Einfluß des Landshuters leinherger ist 
in anderen Plastiken, wie etwa der schönen, neu entdeckten 
Madonna von XVt-ißenkirchen deutlich spürbar. Diese Plastik 
war freilich immer zu sehen. Sie war jedoch so übermalt, daß 
ihre Qualität nicht erkannt werden konnte. Nach Entfernung 
der fIbermalung kam eine großartige Fassung zutage, Silber 
und Gold lüstriert, ein glänzendes Inkarnat. Es steht ein Kunst- 
werk von überlegener Qualität vor uns, ein heiteres Marien- 
bild, wie es für die Wachau nicht passender gedacht werden 
kann. Die etwas derben Zügc des Kittzles, die an Vorbilder Lein- 
bergetxs erinnern, sind verklärt von einem heiteren Lächeln. 
Man darf nicht vergessen, daß diese Darstellungen ohne den 
Einfluß des Niklas Gerhaert von Leydttn niemals möglich ge- 
wesen wiircn. 
 
 
 
  
Eine bisher völlig unbekannte Plastik ist die Madonna aus Hern- 
stcirt. Eine unterlehensgroße Figur von unwahrseheinlieher M0- 
numentalität und großer Gehärde. Der großzügige Schwung der 
Falten und die llaltung lassen am Werke des Meisters von 
Mauer denken, wenngleich manches hier feiner organisiert 
erscheint. 
Die Ausstellung ist besonders reich an Kunstwerken dies ' Epo- 
che und bringt einen kleinen gotischen Schrein aus Nett rchen 
am Ostrong mit großartigen Figuren, die fast die Qualität von 
Werken eines Anton Pilgram haben. Ein Schrein aus Weiten 
ist genau datiert und signi" von einem Nleistet- aus Melk, 
der dieses Werk im jahrc .18 geschaffen hat. 
Es war natürlich nicht möglich, die großen Sehreinaltiire auf 
die Ausstellung 7u bringen, aber gerade jene kleinen Stücke, 
welche wenig bekannt sind, vermögen die Situation deutlicher 
zu beleuchten, als die großen bekannten XVt-rke, die wir bereits 
zeitlich eingeordnet haben, ohne jedoch die Zusammenhänge 
voll erfassen 7u können. Mit sieben Großplttstiken ist auch L0- 
renz Luchspergct" aus YVicner Ncustadt vertreten. Ein Künstler, 
dessen Herkunft noch völlig im Dunkeln liegt. Es ist kein Zwei- 
fel, daß die Kunst des Veit Stoß frühzeitig auf Österreich großen 
Einfluß nahm und hier die Entwicklung förderte, wie anderseits 
die Künstler, welche den Donaustil schufen, in Österreich wieder 
Anregung für die Verlebentligung ihrer Kunst gefunden haben. 
Nicht alles, was neu gefunden wurde, konnte auf die Attsstellttng 
gebracht werden. 
Soviel an solchen Kunstwerken auch zugrunde gegangen sein 
mag, das ' gebnis ist doch überraschend. Der Oste eieher in 
seincr Bescheidenheit hat nicht gewußt, daß es in seiner engsten 
Hi 'mat im Mittelitltet" eine Kunstubung gab, die sich neben dem 
Kanstschalfen anderer Länder durchaus behaupten kann. 
 
 
  
-_.. 
w! 
Hochaltar der lletligblui-Ktrtbt: in Pulkau, Wctnvit el. Um 1518421. 
Meister des Pulkattcr Altarcs (Ntklas Brett) und Werkstatt. 
 
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