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Volltext: Alte und Moderne Kunst IV (1959 / Heft 6)

EIN 
GLASGEMÄLDEZYKLUS 
UM 
1300 
EVA 
-KRAF 
Den künstlerischen Sehwerpunkt der in Krems ausgestellten 
gotischen (ilasgentitltle bilden zwei große, jeweils aus zwei 
Scheiben bestehende Figuren. ein „Herzog Leopold" und ein 
„auferstehender Christ . Xlllenngleieh die beiden (ilasgemiiltlt- 
von der Vorsehung keineswegs übersehen wurden, so hatte die 
Offentliehkt-it seit 1884, seit sie auf der „elektrischen Landes- 
ausstellung" in Steyr gezeigt wurden, keine (ielegenheit zu ein- 
geltentlei" Betraehtung der hervorragenden Stüeke mehr gehabt. 
Die Stt'_vret' Stadlpfarrkirehe, in der sie ansonsten etwas hoch, 
und vom Kirehenbesttehet" im [Detail wohl kaum auszttnehmen, 
angebracht sind, ist aber nieht ihr ursprünglieher Standort, son- 
dern nur das letzte Refugium, wohin sie aus der ranzensburg 
in latxenlvttrg gebraehl wurden. Das Ensemble, dem unsere 
Scheiben altgehür n, scheint aber damals noeh vollstfittdiger, 
bzw. noeb nicht z rsplittert gewesen zu sein, Heule liilSt sich 
bei folgenden Seheilven in Steyr (Herzog Leopold, Herzogin 
Agnes, Auferstehung, Christi Himmelfahrt). und auf Burg Kreu- 
zenstein (3 Propheten: Jesus Syrtteh und eine Ornamentseheibe) 
auf (irund ihres iden hen 5 ls und der nfitttlielten Proportio- 
ncn mit genügender bieherheit sagen, daß sie derselben Vers 
glrtsung und wohl atteh der gleichen ausführenden Hand ent- 
stammen müssen, 
Wir besitzen also ein Stifterpattr aus dem Babenbergisehen Haus 
und den Rest einer monumentalen. von Prophetendarstellttngen 
begleiteten ehristoltigisehen Folge. Während das Stifter tar in 
die seltlttnlteti l)reip llöffnttngen einer Phantasiearehilektur ge- 
stellt ist, haben die übrigen Darstellungen ornatnen ale Rahmun- 
gen, die in den Prophetenscheiben von besonderer lwppigkeit 
gewesen zu sein seheinen. Die beiden (lhristusfigttren aber sind 
„l.:tngp:"tssen" eher aufgelegt, als von ihnen eingefaflt. Der 
„Langpalh ist jene bledaillon- bzw. Rahmenform, welelte öst- 
lich des Rheins entwickelt, in den Alpenländern berrsitwilligst 
aufgenommen und mit besonderer Beharrlichkeit bis hoch hinauf 
ins l-f. Jahrhundert kultiviert wurde. Die Vorliebe für diese 
Sonderfornt des Medaillons kommt nicht von ungt ihr; leistet 
doch der „l.ttngpttll" genau das, was das liormgefültl jener nur 
schwer von der Tradition der Romanik sich lüsendt-tt Zeit des 
Übergangs in unserem Kunstraum fortlert: er kettct die Figur, 
mag sie für sit-lt auch schon k verhalt-gerundet empfunden 
sein, unwiderrttflielt an die Bildfliiehe. die, streng genommen, 
keine Flache ist, sondern aus mehreren, gany flachen Schich- 
ten besteht ("lieptvieltgrund -- Langptti} - liigur): zugleich aber 
kommt der Langpttl} dem neuen Wohlgefallen an der schlank- 
gestreckten und zugleich schmiegsam dem lligllfttttlttlfii} fol- 
genden li(tllln1t'nlit)l"l'l1 entgegen. 
Dieselbe Doppelgesiehtigkeit kennzeiehnet aueh die Rahmen- 
arehitektur der Stifter: der in Älhtllnterk durehbroehene Drei- 
pttlilvtvgen über sehlanken luurgundisclwen Doppe lchen mit 
Knospenkttivittcllen, der ohneweiters einem ltoebgott hen Stein- 
'. ß entnommen sein könnte, begrenzt eine ga dere, 
aus Türmchen und Mauern kleinteilig kompilierte Architektur, 
deren Bausteine jeder für sieh gesehen sind und deren „perspek- 
  
 
 
 
 
 
 
Atilerstehttng. Stt-ttr. Plttrrkirehe. 
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