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Volltext: Alte und Moderne Kunst IV (1959 / Heft 6)

GOTIK IN NIEDERÖSTERREICH 
GOLDSCHMIEDEKUNST 
Der Aufschwung, den die bildende Kunst in Niederösterreich 
vom späten 13. Jahrhundert an nahm, ist in gleichem Maße 
auch bei der Goldschmiedekunst bemerkbar. Das Schwergewicht 
des künstlerischen Schaffens lag in Wien. Hier entstanden Wer- 
ke, die zu den vorziiglichsten Leistungen der deutschen Kunst 
zählen. Den ersten Fixpunkt dafür bildet nach wie vor die Nach- 
richt, daß nach dem Brand des Stiftes Klosterneuburg Wiener 
Goldschmiede im Jahre 1331 die Umarbeitung und Ergänzung 
der Reihe von limailplatten des Nicolcius von Verdun zu einem 
Triptychon vornahmen. Den damals neu angefertigten Platten 
lassen sich stilistisch weitere Werke zuordnen. Oh allerdings 
die von Otto von Falke zusammengestellte Gruppe von "Wiener" 
Arbeiten, deren schönste in ClevclandlOhio verwahrt werden, 
wirklich nach Wien zu lokalisieren oder nicht doch etwa ober- 
rheinisch ist, läßt sich vorläufig noch nicht sagen. 
Die derzeitige Forschungslage kann noch keine geschlossene 
Entwicklung der Wiener Goldsehmiedekunst aufzeigen. Daran 
ist wesentlich der Mangel fester qucllenmäfliger Anhaltspunkte 
schuld. 
Von HERMANN FILLITZ 
Die hohe Qualität der erhaltenen Werke aus allen Epochen 
des 14-. und 15. Jahrhunderts beweist aber, daß wir mit einer 
kontinuierlichen Blüte der Goldschmicdekunst zu rechnen haben. 
Ihre Abfolge aufzuzeigen, ist ein Desiderrit der Wiener Kunst- 
gcschichteu 
Zwischen den Arbeiten Wiener und nicdcröstcrreichischcr Her- 
kunft haben auch andersartige Goldschmiedearbeilen dieser 
Epoche ihren Platz. Die Hnndelsstraßen, die unser Land von 
Nord nach Süd und von Ost nach West durchkreuzen, schufen 
Verbindungen mit anderen Zentren, aus denen erlesene Werke 
angekauft wurden, aber auch Meister zuwanderten, die hier ihre 
Werkstatt aufschlugen. Dafür ist der Wiener Neustiidter „Cor- 
vinus"-Becher das vorzüglichste Zeugnis. Seine Dekoration läßt 
sich nur aus der intensiven Kenntnis siebenbürgischer Arbeiten 
erklären. jene Städte aber, die Eigentum auswärtiger Bistümer 
waren, bestellten ihre Altäre, kirchlichen Geräte usw. nicht 
in Wien oder einer anderen Stadt Österreichs, sondern in ihrem 
Heimatbistum. Die „Messeref Monstranz in XVaidhofen an der 
Ybbs ist ein kennzeichnendes Beispiel dafür. 
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