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Volltext: Alte und Moderne Kunst IV (1959 / Heft 6)

Peter Engelbrecht, der erste Bischof von Wiener Neustadt, fer- 
ner Peter Greißing sowie Thomas von Cilli. Friedrich blieb aber 
auch hier nicht von bösen Überraschungen verschont, und es 
war im Jahre 1452 nur der Tapferkeit des Andreas Baumkircber 
zu danken, daß das ständische Heer, welches die Stadt bela- 
gerte und die Herausgabe des jungen Ladislaus forderte, am Ein- 
dringen verhindert wurde. Trotzdem sah sich der Kaiser genö- 
tigt, sein Mündel auszufolgen, das man im Triumphzug nach 
Wien geleitete. 
Die Wahl von Wiener Neustadt zur Residenz wirkte sich selbst 
nach dem Tode Friedrichs III. 1493 noch aus, wurde doch sein 
Sohn Maximilian I. in der Georgskapelle bestattet, obwohl man 
sein großartiges (irabdenkmal in der Hofkirche 7.u Innsbruck 
errichtete. 
BUCHBESPRECHUNG 
Gerulf Cuuilmbuve; Die Wiener Pcstsäule - Versuch einer Deutung. 
Mit einer Abhandlung: Die Drcifaltigkeitssiiule als Kunstwerk. 
Von Wilhelm Mrazck. Verlag Herold, Wien-München. (30 Seiten, 
16 Bildtafeln, Pappband mit Glanzfolie, S 35.-.) 
Es mnß schon als Verdienst dcs Autors (und des Verlages) gewertet 
werden, wenn er es unternimmt, ein uns vertrautes, und man sollte 
meinen, auch bekanntes barockes Kleinod im Herzen Wiens durch eine 
neue Deutung bzw. Wiederentdeckung seines Gedankengutcs zu er- 
schließen. Noch verdicnstvoller ist die klare, in knappster Form zum 
Ausdruck gebrachte Auslegung der religiösen und weltlichen Konzepte, 
die diesem Kunstwerk zugrundelicgcn. 
Ausgehend von chinesischen philosophischen Erkenntnissen dcr zwei 
Grundprinzipien allen Scins, dem Yang und dem Yin, die gleichwertig 
und gleichzeitig jeder Erscheinungsform innewohnen und diese erst da- 
durch bedingen, kommt der Autor auf die Aufgabe des Herrschers zu 
sprechen, indem er die Prinzipien von Kratie und Archic. führen und 
herrschen, Dux und Rex als gleichwertig nebeneinander bestehend hin- 
stellt. Und neben das aktive Prinzip des Führers stellt er das passive dcs 
Herrschens, durch das dcr Kaiser mit Hilfe der Gnade Gottes seinem 
Volke voransteht und die Mittclspcrson zwischen diesem und Gott ist. 
Und als solcher Fürsprecher bei Gott ist der Erbauer der Pestsäule, 
Leopold L, hier dargestellt, dessen Fürbitte es kraft seines Gottkaiser- 
tums gelang, die Pest zum Erlöschen zu bringen. Der Kaiser kniet in 
Demut vor seinem Herrn und nichts an ihm gleicht der stolzen Heraus- 
forderung, die seine großen Zeitgenossen und Widersacher (Ludwig 
XIV., der Große Kurfürst oder Peter der Große) zur Schau tragen. Von 
all seinen Siegen gegen weltliche und religiöse Feinde (Franzosen, 
'l'ürken, Protestanten) schien ihm allein der mit Hilfe Gottes errungene 
gegen dic Pcst eines Denkmalcs wert zu sein, das 1679 gelobt, jedoch 
in seiner entgültigen Form erst 1692 fertiggestellt wurde. 
Zwei wesentliche Charakterzüge des Kaisers haben in der Gestaltung 
der Pestsäule ihren Ausdruck gefunden: seine Religiosität und seine 
Liebe zur Musik. An der geistigen und künstlerischen Formung seiner 
Ideen wirkten der Jesuitenpatcr Franciscus Mcncgatti, die Architekten 
und Künstler M. Rauchmiller, Johann B. Fischer v. Erlach und Ludovico 
Burnacini entscheidend mit. 
Die Drciglicderung der Säule ist von der architektonischen Sockelge- 
staltung bis zur plastischen Ausschmückung konsequent durchgeführt. 
Sie verkörpert das trinitarischc Gottcsprinzip (im Gegensatz zum pro- 
testantischen unitarischen) in der Widmung der drei Flügel an Gott 
dem Vater, Gott dem Sohne und Gott dem Hl. Geist und im vertikalen 
Aufbau dcr Säule in der Darstellung der drei vcrnunftbegabtcn Lebe- 
wesen, Gott, die Engel und die Menschen. 
Auf dem Gott Vater gewidmeten Flügel sind dic Erschaffung der Eva 
im Paradies und das Ende der Pest in Wien, auf dem zweiten Flügel das 
Passahmahl und das letzte Abendmahl, und auf dem dritten die Sint- 
flut und das Pfingstwunder in Relief zu sehen. Diese Szenen, jeweils 
dem Alten und Neuen 'l'cstamcnt entnommen, sollen uns die Welt des 
Alten und Neuen Bundes, sub lege und sub gratia (Gesetz und Gnade), 
der wir unterstehen, vor Augen führen. 
Das engelhafte Wesen, unterhalb der Figur des knienden Kaisers, ist 
Fides, der Glaube, der, nur mit dem Kreuz bewaffnet, die Pest besiegt. 
Obwohl hier die Wolkensaule selbst schon als ein zum Himmel steigen- 
des Gebet gedacht ist, sind noch, auf drei bronzenen Schriftrollen, ein 
Bitt-, Dank- und Lobgcbet, vom Kaiser selbst verfaßt, niedergeschrieben, 
die von seiner tiefen (Jliiubigkeit und von seinem Verantwortungsgefühl 
als ein von Gott eingesetzter Herrscher, dessen Insignien von den Boten 
Gottes, den Engeln, herangetragen werden, zeugen. 
Als letztes kommt der Autor auf die Heraldik der Dreifaltigkeitssäule 
zu sprechen, in der sich das politische Programm und zugleich das 
Vermächtnis Leopold I., manifestiert. 
In wohl bedacbter Reihenfolge sind auf den einzelnen Flügeln die Kro- 
nen des Hauses Habsburg (die Rudolfs II., die Stephanskrone Ungarns 
und die Wenzclskrone Bühmens), jeweils gepaart mit den Wappenschil- 
dcrn der zu den einzelnen Bereichen gehörenden Erbländer aufgeführt, 
die die im religiös-mystischen Bereich vorkonzipierte Idee der Trinität 
hier auf ein staatspolitiscbes Programm weiterentwickelt, das die Poii- 
tik des Hauses Habsburg in den folgenden Jahrhunderten zu verwirk- 
lichen suchte. 
In einem kurzen Anhang erläutert W. Mrazek den Werdegang der Pest- 
säulc, von ihrem ersten Entwurf und dessen provisorischer Ausführung 
in Holz bis zu ihrer jetzigen Form, wobei wir neuerlich die Vielfalt des 
verwendeten Materials, die Vielzahl der an ihr arbeitenden Künstler, 
sowie die trotzdem gewahrte Einheit als Kunstwerk bewundern können. 
J. Haberl 
INTERNATIONALE AUSSTELLUNG 
MODERNER GRAPHIK IN SALZBURG 1959 
Unter dem Titcl ,.Graphik der Gegenwart" wird während der Festspiel- 
zcit vom i. Juli bis 30. August l. J. in Salzburg eine große internationale 
Ausstellung veranstaltet werden. Die Organisation hat die Galerie 
„Kunst der Gegenwart", Salzburg, Residenz, übernommen. 
Nach dem bisherigen Stand der Einsendungen und Anmeldungen dürfte 
cs sich um eine der interessantesten Graphikausstellungen Europas der 
letzten Jahre handeln. Namhafte Galerien des In- und Auslandes haben 
durch ihre Mitarbeit das hohe Niveau dieser Ausstellung gesichert. 
Wir nennen vorläufig die Galerie Arnaud, Paris - Galerie d'art mo- 
dcrnc M. S. Peigel, Basel, - Galerie G. Kasper, Lausanne, - Galleria 
d'arte del Grattacielo, Milano, - Galleria „Naviglio", Milano, -- 
Kunstverlag Rothe, Heidelberg, - Kunstverlag J. Schiessel, Freiburg, 
Deutschland, - L'Oeuvrc Gravee, Zürich, - Galerie Welz, Salzburg, 
- Galerie Springer, Berlin. 
Das Vorwort zum Katalog wird von dem bekannten Kunstkritikcr 
Michel Seu pltor, verfaßt. Weitere Autoren sind Dr. Juliane Roh, 
München, Thomas Messer, Direktor des Institute of Contemporary Art, 
Boston und Jnrg Lampe, Wien. 
Zur Ausstellung gelangen etwa 800 Graphiken aller modernen Rich- 
tungen der Gegenwart. 
Unter den ausstellenden Künstlern figurieren unter anderem, die Na- 
men Andre Bloc, Magnelli, Reggiani, H. A. P. Gricshaber, R. Neseh, 
Villon, Brycn, F. Winter, L. Spacal. Capugrossi, Hartung, Schneider. 
Die Ausstellung wird wegen ihrer Reichhaltigkeit in verschiedenen Aus- 
stellungsräumen der Stadt gezeigt werden, und zwar: 
Die amerikanische Sonderschau „100 Works on papcr", USA, im Mu- 
seumspavillon, Schloß Mirabell. 
Die Ausstellung „Graphik aus Europa" im Pavillon des Zwerglgartens. 
Die Sonderausstellung "Englische Graphik" in der Residenz und die 
„Österreichische Graphik der Gegenwart" im Künstlerhaus. 
WILHELM THÖNY AUSSTELLUNG IN MÜNCHEN 
Der Kunstverein München veranstaltet in der Zeit vom 28. Mai bis 
28. Juni d.  eine Ausstellung des österreichischen Malers und Zeich- 
ners Wilhclm Thöny, die Beachtung verdient. Der 1888 in Graz gebo- 
rene Künstler hat von 1907 bis 1910 in München studiert und daher 
mannigfache Beziehung zu dieser Stadt. Der stimmbcgabte Maler cr- 
hielt von dcr Münchner Staatsoper ein Angebot als Sänger, das er aber 
zugunsten der Malerei ausschlug. 
Besonders fruchtbar waren für ihn sein Aufenthalt in Paris und Süd- 
frankreich bis zum Beginn des zweiten Weltkrieges. Den Rest seines 
Lebens verbrachte Wilhelm Thöny in New York, wo er 1949 starb. Ein 
Jahr zuvor traf ihn der Schicksalsschlag seines Lebens, als bei einem 
Brand in einem Lagerhaus ein Großteil seines Werkes vernichtet wurde. 
Die Witwe des Künstlers hat nun den Nachlaß ihres Gatten geordnet, 
der von der Galerie Wclz Salzburg in einem umfangreichen bebilder- 
tcn Katalog zusammengestellt wurde und in München zur Schau ge- 
stellt wird. Dr. Roh hat den Katalog mit einem Vorwort eingeleitet. Die 
Ausstellung umfafit über 290 Gemälde, Tempcras, Aquarelle und Zeich- 
nungen und bietet einen großartigen Querschnitt durch das Werk dcs 
bedeutenden österreichischen Malers. Der österreichische Generalkonsul 
in München hat die Ausstellung am Mittwoch, den 27. Mai, um 20 Uhr 
im Kunstverein München, Galcriestrztßc 4, eröffnet. 
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