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Volltext: Alte und Moderne Kunst IV (1959 / Heft 11)

FRIEDRICH 
GAUERMANN 
Von RUPERT 
'FEUCF 
FMÜLLER 
Es gibt kaum einen österreichischen Maler des 19. Jahrhunderts, 
dessen Werk eine so unterschiedliche Bewertung erfuhr wie das 
Friedrich Gauermanns. In höchster Anerkennung und abwer- 
tender Kritik spiegeln sich aber nicht allein das Schicksal einer 
schwankenden künstlerischen Entwicklung, sondern auch die 
geistig wirkenden Kräfte eines Jahrhunderts, dessen bieder- 
meierlicher Realismus zu einem Prüfstein der freien schöpfe- 
rischen Leistung wurde. Versuchen wir die verschiedenen 
Faktoren auseinander zu halten, dann werden wir Gauermanns 
große Leistungen erkennen. aber auch ein lebensnahes Bild 
jener Epoche erhalten, in der sich Romantik und bürgerliches 
Barock begegneten. 
Gauermanns früheste künstlerische Anfänge sind durch die Auf- 
fassung seines Vaters Jakob, der bei Erzherzog Johann als 
Kammermaler im Dienst stand. bestimmt. [)ie klassizistische 
Landschaftsmalerei, geschult an der pantheistischen Naturauf- 
fassung Claude Lorrains, hatte jedoch schon eine persönliche 
Färbung erfahren. Sie war von den großen idealen Vorstellungen 
abgewichen und hatte sich in der Auseinandersetzung mit der 
Realität spezialisiert. Kein Wunder, daß Jakob Gauermann bei 
der Erziehung seiner begabten Söhne Carl und Friedrich dem 
Naturstudium eine besondere Bedeutung beimaß. Da er sich mit 
der Familie die Sommermonate über auf seinem Gutshof in 
Scheuchenstein. nahe dem Schneeberg. aufhielt. waren seine 
Buben inmitten einer malerischen Umwelt aufgewachsen. Auf 
Grund von erhaltenen Skizzen und schriftlichen Aufzeichnungen 
sind wir unterrichtet, daß der Vater die künstlerische Beobach- 
tung seiner Söhne an konkreten Aufgaben schulte und ihnen 
verschiedene Motive zu zeichnen gab. Vielleicht spielt hier 
manches von der exakten. mehr auf das Topographische gerich- 
teten Gedankenwelt Erzherzog Johanns in das Künstlerische 
herein. Mit dem Studium vor der Natur. dem Zeichnen und 
Malen inmitten der sonnigen Landschaft. vertrat Jakob Gauer- 
mann jedenfalls eine sehr moderne Auffassung. die Waldmüller 
Jahrzehnte später zum revolutionierenden Lehrprinzip erheben 
sollte. 
In die Zeit dieser tastenden Versuche und künstlerischen Aus- 
einandersetzungen. fällt das akademische Studium Friedrich 
Gauermanns, der schon mit 17 Jahren in Wien seine Ausbildung 
begann. Hier lernte er vor allem in den bekannten Galerien und 
Sammlungen Ruisdael, Wouvermann und Potter kennen. Ihre 
Werke gehörten zum selbstverständlichen Studium eines jungen 
Malers, der sich dem Landschaftsfach zuwenden wollte. Seinen 
um Jahre älteren Bruder Carl. der viel mehr in der Art des 
Vaters arbeitete, inspirierten sie zur idealen Landschaft. Wald- 
müller machten sie anfänglich zum Kopisten. Friedrich Gauer- 
 
Friedrich Gaucrmunn, Weinlese: in 
Vöslau. O1 auI Papier, 25.3 X 31.3 cm. 
Bibliothek der Akademie der Bildenden 
Künste, Wien.
	        

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