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Volltext: Alte und Moderne Kunst V (1960 / Heft 3)

IN UNSERER REIHE 
,.VERBORGENE KUNSTSCIIÄTZE 
IN ÖSTERREICH" BRINGEN WIR 
DEN ERSTEN BEITRAG 
 
 
DIE 
WALLFAHRTSKIRCHE 
HIMMELFAHRT MARIÄ 
IN FRAUENKIRCHEN 
Ein Kleinod barocker Kunst 
WILHELM MRAZEK 
Unsere Gegenwart versucht, die Folgen der Kriegsjahre 
nach und nach wieder gutzumaehen, Verwüstetes wieder 
herzustellen und Zerstörtes neu aufzubauen. So war es 
auch in Österreich zu Ausgang des 17. Jahrhunderts, als 
der Ansturm der Türken vor den Wällen von Wien zum 
Stehen kam, und die österreichische Armee unter Prinz 
Eugen den Feind bis weit nach dem Osten zurück- 
schlagen konnte. 
In den folgenden Fricdensjahren setzte dann in den vom 
Krieg verwüsteten österreichischen und ungarischen Län- 
dern eine rege Bautätigkeit ein, die vor allem von fürst- 
lichen Bauherren, die der „Bauwurmb" plagte, veranlaßt 
wurde. Neben Residenzen und Lustschlössern entstanden 
auch überall Kirchen und Klöster als „Dankesopier zur 
höheren Ehre Gottes" und Österreich schien in jenen 
Jahren durchaus ein „Klösterreich" werden zu wollen. 
Dieser Situation und einem solchen fürstlichen Bau- 
herren verdankt Kirche und Franziskanerkloster von' 
Frauenkirchen im Burgenland das Wiedererstehen aus 
den Trümmern, die die Türkenzeit hinterlassen hatte. 
Ein alter, kolorierter Kupferstieh vom Beginn des 
18. Jahrhunderts vermittelt wohl am besten die Bedeu- 
tung dieses Ereignisses für jene Zeit. Unter einer himm- 
lischen Gloric zeigt er die dominierende Westiassade 
einer zweitürmigen Basilika, um die sich die in beschei- 
denen Proportionen gchaltenen Nebengebäude, das Klo- 
ster, die Kapellen und ein Kalvarienberg. wie Kückcn 
um eine Glueke gruppieren. 
Schon seit uralten Tagen hatte Frauenkirchen, das ur- 
sprünglich Fraukirchen hieß, den Ruf eines hervorragen- 
den Wallfahrtsortes besessen, vor dessen Gnadenstatue, 
einer Muttergottes mit Kind aus der Mitte des 14. jahr- 
hunderts, sich viele wunderbare Heilungen und Gebets- 
erhörungen vollzogen hatten. Patronatsherren dieser 
Wallfahrtskirche zur Himmelfahrt Mariä stellten seit 
dem Jahre 1622 die Familie Esterhäzy. Der Bauherr der 
neuen Kirche war der im Jahre 1635 in Eisenstadt ge- 
borene Paul Esterhäzy, der im Jahre 1687 wegen seiner 
großen Verdienste den Titel eines Fürsten des römischen 
Reiches erhalten hatte. Diese Fürstenerhebung war mit 
ein Grund, der Muttergottes seine Dankbarkeit zu erwei- 
sen und an Stelle der schon wiedererrichteten Kirche 
eine, der neuen Würde entsprechende, große Basilika in 
jenem „neusten Gout" zu erbauen, der sich mit Hilfe der 
italienischen Baumeister in der Haupt- und Residenzstadt 
Wien bereits durchgesetzt hatte und den erst die fol- 
genden Zeiten als Barockstil bezeichneten. 
Der Bau muß dem Fürsten besonders am Herzen gelegen 
haben. Seit seiner frühesten Jugend war er ein glühender 
Verehrer der Muttergottes. Er, der selber achtund- 
fünfzigmal nach Mariazell gepilgert war, wollte auch 
auf seinem Territorium der Muttergottes ein zentrales 
Heiligtum errichten. Der Kupferstecher hat dies deut- 
lich auf seinem Blatte herausgestellt. In der Wolken- 
gloric über der Kirche, in deren Mittelpunkt ein Abbild, 
des Gnadenschreines vom Hauptaltar gesetzt ist, schwe- 
ben Engel mit Wappenkartuschen, die mit lateinischen 
Sinnsprüchen auf die Tugenden der Muttergottes und 
Paul Esterhäzys versehen sind. Unter dem Schrein fliegt 
ein Adler mit einem Medaillen, welches das Porträt des 
Bauherrn zeigt und das von einem symmetrischen 
Spruchband umgeben ist. Die groß gedruckten Buch"- 
staben der Beschreibung ergeben ein Chronogramm mit 
der Jahreszahl der Einweihung 1702, die Inschrift selbst 
aber verkündet, daß dieser herrliche Tempel mit Hilfe 
der Jungfrau, der allerheiligsten Helferin und himm-
	        

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