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Volltext: Alte und Moderne Kunst V (1960 / Heft 4)

 
 
krete, personale Intellektualität hindert das Verfließcn 
ins östlich-neutrale All- und Geistvcrstiindnis. Rot und 
Gelb steigern einander, die Lebcns- und Iieuernatur des 
göttlich angerührten Mensehengeistes wird von jenem 
goldenen Licht des Ewigen durchdrungen. Nicht in geo- 
metrischer Ordnung, in formelhaften, definierbaren Ge- 
fügen erscheint hier das Geistige im Menschen. sondern 
in der inneren Notwendigkeit des scheinbar Zufälligen 
in der Freiheit einer wechselnden Gestalt, die an den 
Vorgang und die Haltung des Glaubens mehr als an seine 
konkreten Gebalte gemahnt. Im Blau der „Friedens- 
fenster" werden Wunsch und Hoffnung sichtbar, erhebt 
sich das jetzige der Verwirrtheit und Zerstörtheit 
unserer faktischen Welt und weist auf ein Kommendes 
hin, dem Dauer beschieden sein wird. Friede als „Stille 
der Ordnung" (Thomas v. Aquin) wird hier angedeutet 
sichtbar. 
Peter Bischof wählt den knospenden Paradicsesbaum 
des Lebens in immer neuen Formgebungen zum Grund- 
motiv seiner Entwürfe; sparsam in der Farbe, von betont 
graphischem Habitus, entfaltet sich eine ausdrückliche 
Monotonie, die durch die Kraft und die Geduld ihrer 
Wiederholungen, nicht des meditativen und damit öst- 
lichen Charakters entbehrt. Fallweise Farbpointierungen 
heben die Einheit und Einheitlichkeit des Themas nur 
umso schärfer heraus und unterstreichen seine Grund- 
sätzlichkeit; das konstante Blau kontrastiert zart und 
innerlich zu den expressiven Formen, die um das zen- 
trale Thema des Lebensbaumes des verlorenen und des 
eschatologischen Paradieses kreisen. Ohne Rückgriff auf 
usuelle Motive wird ein ausprägsames, dauerhaftes Zei- 
chen gesetzt. 
Hans Staudacher versucht in Verwendung traditioneller 
christlicher Symbole ein statisches Gefüge zu schaffen, 
das Ernst zeigt und monumentalen Charakter annimmt. 
Er empfiehlt sich durch eine thematische Ausdrücklich- 
keit, die trotzdem unaufdringlich wirkt. Seine dunklen 
Farben vermitteln, ohne „mystisch" sein zu wollen, den 
Eindruck eines understatements, das als Reverenz vor 
dem gewaltigen Thema des Todes und der Passion ge- 
deutet werden kann; er nimmt als Einziger zu dem histo- 
rischen Faktum Bezug, das den direkten Hintergrund 
dieses künstlerischen Unternehmens bildet und der Nach- 
welt (vielleicht einer Generation der Prosperität!) in 
untilgbarer Erinnerung gehalten werden soll. 
Mario Decleva versucht einen bunten Reigen von Farben 
zu entfalten, dessen Helligkeit Freude und Erleichterung 
verbreiten soll; er wollte den Anlaß dieses Kirchcnbaues 
in Vergessenheit geraten lassen und den Schwergeprüften 
einen Anstoß zum Lebensmut geben. Er bedient sich in 
konsequenter „AbstraktheiW einer Fülle von gewirbelten 
Kreissegmenten, deren heftige Beweglichkeit jede ange- 
maßte hieratische Geste verhindert. Er gibt nichts vor, 
was er nicht wollte. 
Wolfgang Hollegha entfaltet ein blühendes Leben pflanz- 
licher Gebilde, die in Vorhängen von farbigen Düften 
schweben, und entwickelt so eine paradiesische Atmo- 
sphäre, ganz mit den Mitteln der Farbe. Der Garten 
Eden vor dem Sündenfall und der verfluchten Erde, die 
Seele der Menschen vor dem göttlichen Verdikt über den 
„Staub", der nun wieder zum Staub werden muß. Mit 
Unbeschwertheit und Leichtigkeit entströmen seiner 
reinen Phantasie immer wieder neue Einfälle zu diesem 
Thema, so daß der Vorgang dem geistigen Inhalt völlig 
adäquat erscheint. Der seelisch durchgestaltetc Impres- 
sionismus des Fernen Ostens und seine Gestalt der An- 
deutung ist diesen Gebilden, die dennoch unverkennbar 
das Stigma der ausgeprägten Eigenart seiner künstleri- 
schen Person tragen, Pate gestanden. In diesen Glasent- 
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