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Volltext: Alte und Moderne Kunst V (1960 / Heft 4)

Die Unzugiingliehkeit des Fiskus in der Steuerabzugs- 
frage bei Kunstankäufen fügt ihnen noch einen rechne- 
rischen Akzent hinzu. 
Das alles aber ändert nichts daran, daß das private Mä- 
zenatentum auch heute möglich ist und sich jederzeit 
reaktivieren läßt, wenn und wo nur die innere Bereit- 
schaft dazu vorhanden ist, wo also das Bedürfnis nach 
einem tätigen und vor allem fördernden Anteil an den 
lebendigen künstlerischen Vorgängen im Heute stärker 
als Bedarf und Verlangen nach dessen praktischen Kom- 
fort-Rcizcn zur Geltung kommt. 
Ohne Zweifel nämlich gab es in früheren Zeiten Mäzene 
mit sehr viel geringeren Mitteln, als sie heute so man- 
chem Vielverdiener zu Gebote stehen. Desgleichen waren 
es - wenn sicher auch beteiligt - nicht nur Eitelkeit, 
Macht- und Geltungsdrang, sondern auch ein echtes 
Oberschichtbewußtscin mit der dazugehörigen Selbstver- 
pflichtung, dem Dasein wahrhaft Form zu geben, was die 
Mäzene oft sehr bedeutende Opfer auf sich nehmen ließ, 
um mit den Künstlern am Ruhm der Kunst und an der 
geistigen Verklärung und Krönung der Lebensführung 
teilzuhaben. 
Erst die Ausbreitung, wenn nicht gar Überhandnahmc 
des typischen „Konsumentismus" im zweiten Nachkrieg 
hat dann das schöpferische Obcrsehichtbewußtsein weit- 
gehend liquidiert. Eingeleitet freilich wurde dieser Pro- 
zeß durch ein Versagen schon seit und vor der jahr- 
hundertwcndc, und eine weit verbreitete Resignation in- 
folge mangelnden Glaubens an eine Zukunft tut ein 
übriges, ihn zu beschleunigen. Auf jeden Fall ist heute 
die Zahl derer, die zwar mehr „haben", aber keineswegs 
auch noch mehr „sind" als die anderen, erstaunlich an- 
geschwollen und damit natürlich auch das Mäzenaten- 
tum bedroht. 
Was aber ist eigentlich unter diesem zu verstehen? Be- 
stimmt keine „Fürsorgä, wie sie eben die öffentliche 
Hand betreibt, sondern ein Einsatz für persönlich Ge- 
scbätztes und Gewünschtes, ein tätiges Bekenntnis aus 
persönlicher Wahl und Neigung, die damit auch dem 
Künstler als solche widerfahren und zum Ansporn, zur 
Befruchtung, zum erforderlichen Echo werden. Miizcna- 
tentum und Anonymität schließen einander aus, denn 
durch das Mäzcnatcntum wird nicht nur für irgendwen 
ein in irgendeiner Weise vorteilhaftes Arrangement ge- 
troffen, sondern hier begegnen sich Persönlichkeiten im 
beiderseitigen Geben und Nehmen, ohne das ein Mäzena- 
tentum nur eine halbe Sache ist. Sein Eingriff macht die 
schöpferische Phantasie im Sinne der Überwindung der 
Alltäglichkeit, Vergänglichkeit und Vergeblichkeit un- 
seres normalen Daseins praktisch und in einem beson- 
deren Ausmaß wirksam. 
Durch den Mäzen und den Sammler, die sich nur gra- 
duell voneinander unterschciden, weil der Mäzen ja meist 
auch über den Bereich des eigenen Hauses hinauswirkt, 
wird der Aktionsradius der Kunst vergrößert und zu- 
gleich deren Wirklichkeit anders als in der musealen 
Sphäre in das private und persönliche Leben des einzel- 
nen hineingestellt. Sie tragen entscheidend dazu bei, es 
offenbar zu machen, was ein persönliches Zusammen- 
leben mit der Kunst bedeutet oder doch bedeuten kann. 
Natürlich wird auch aus außerkünstlerischen Motiven wie 
zum Beispiel auf Grund der an den großen Umschlags- 
platzen zeitgenössischer Kunst schon längst bekannten 
enormen Gewinnmöglichkeiten im Kunstgeschäft „ge- 
sammclt". Das aber sind „Börscnspekulationcn", die sich 
von denen am Wcrtpapicrmarkt nur dadurch unterschei- 
den, daß gerade moderne Kunstwerke oft um ein Viel- 
faehes höhere Vcrkaufsgewinne abwerfen als selbst die 
besten Aktien. 
1 E1 Greco, Hirten am Feuer. - Auf dem Tisch darunter Pla- 
stiken von Wolruha, Urteil, Czerny und Bcrtoni. Außerdem Pi- 
cassovKeramiken aus Vallauris. 
2 Lucas Cranach, Maria mit Kind. - Dnruntcr Bcrtnnis „lic- 
CIeSiQW-Folgc.
	        

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