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Full text: Alte und Moderne Kunst V (1960 / Heft 5)

 
RUPERT FEUCHTMULLER 
und den frühen Werken Fischers von llrlach angeregt 
ist und dann die schlanken oberitalienischen Arkaturen 
Carlones in seine Konzeption einbezieht. Das Stiegen- 
haus von St. Florian vertritt diese Stilstufe. Schon aber 
Schloß Hohenbrunn bemüht sich um eine Eingliederung 
dieser fremden Elemente. Niemals verleugnet Prandtauer 
seine schlichte Wandauffasstmg und die plastische Kraft 
seiner Gesimse. Auch dann nicht, als er mit Fischer von 
Erlach in Hcrzogenburg zusammenarheiiete, in Dürn- 
stein und Zwettl Matthias Steinl begegnete und sich mit 
Lukas von Hildebrandt um den Neubau von Göttweig 
bewirbt. Freilich übernimmt er die Idee der monumen- 
talen Palastlassade Fischers und die anmutige Dach- 
silhouette Hildebrandts. Dennoch sind seine letzten 
Werke, der Kremsmünstererhoi in Linz, die Kirchen von 
Ravclsbach und Wullersdorf, ein Bekenntnis zur Tra- 
dition, die sich mit den frühen klassizistischen Strömun- 
gen berührt. 
Die geniale Leistung Prandtauers liegt gleichsam in der 
Instrumentation seiner Bauten, in dem Vermögen, ge- 
wisse Gegebenheiten zu neuen großartigen Wirkungen 
zu führen. Dies zeigen uns die malerischen Blickpunkte, 
die sich vom Stiegenhaus in St. Florian ergeben, ebenso 
wie die Westfront von Melk. Betrachtet man die kleine 
Skizze, die Gallner dem Kapitel von Melk vorlegte, als 
1701 für den Neubau des Barockstiftes abgestimmt 
wurde, dann steht man bewundernd vor dem vollendeten 
Kloster. Wie hatte sich das bescheidene Konzept unter 
dem Einfluß eines großen Kunstkreises gewandelt; wie 
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