MAK

Volltext: Alte und Moderne Kunst V (1960 / Heft 6 und 7)

WILHELM MRAZEK 
 
bindung mit den technischen Laboratorien, wo experimentiert und an der Weiterent- 
wicklung von Techniken, Erfindung neuer Materialien und Glasuren gearbeitet wird. 
Im Jahre 1937 wurde Gustavsbcrg von der Dachorganisation der schwedischen Konsum- 
vereine übernommen. Damit änderte sich auch die Struktur der Gustavsberger Fabrik. 
Dem keramischen Unternehmen wurden die Abteilungen für Sanitäres Porzellan, Email- 
und Kunststofferzeugnisse angegliedert. die mit Hilfe modernster Methoden der Serien- 
anfertigung Konsumgüter im großen Umfang erzeugen. Gustavsberg stellt daher heute 
ein erstaunliches Phänomen dar. Neben der Konsumgüterproduktion, den Serienerzcug- 
nissen, lebt in den künstlerischen Ateliers die alte kunsthandwerkliche Tradition der 
Unikaterzeugung weiter, ja, gerade diese Verbindung von alt und modern ist eine der 
wesentlichen Voraussetzungen für die hervorragende Qualität der Gustavsberger Pro- 
duktion. 
Gustavsberg hat aber auch auf dem Gebiete der sozialen Einrichtungen Pionierarbeit 
geleistet. Die Werke beschäftigen gegenwärtig 1600 Arbeiter. Diese rekrutieren sich aus 
zehn Nationen, ein wahrhaft internationaler Mitarbeiterstab. 300 Angestellte sind in der 
Verwaltung, die übrigen in den Werkstätten tätig. Darunter befinden sich 500 Frauen. 
Nahezu alle Angehörigen leben in der um das Fabriksgelände entstandenen Sied- 
lung Gustavsbcrg, deren Territorium im Schärengebiet von Stockholm liegt. Von den 
1500 vorhandenen Wohnungen sind allein 1200 von der Firma erbaut worden. Moderne 
Einfamilienhäuser, Reihenhäuser und Mehrfamilienhäuser, alle mit Gärten und Grün- 
anlagen, ein Gemeindehaus und die modernste Schule in Schweden sind der Stolz der 
Gemeinde. Alle Neubauten werden von einem zentralen Architektenbüro geplant, wobei 
die individuellen Verhältnisse weitgehend berücksichtigt werden. jedes wilde Bauen ist 
unmöglich, sodaß bei größter Differenzierung dennoch ein einheitlicher Stil gewahrt 
bleibt. Dies brachte es mit sich, daß „Gustavsbergf und „Gustavsberger" auch in Schwe- 
den zu besonderen Begriffen geworden sind. Man verbindent heute damit nicht nur wirt- 
schaftliche, technische und künstlerische Tatsachen, sondern auch eine selbst für Schwe- 
den besonderc Lebensform. Es sind allgemein menschlich-soziale Wesenszüge, die diese 
Lebensform auszeichnen und die es verständlich machen, daß zehn Nationen auf engstem 
Raum sich vertragen können. Das ausgeprägte Bewußtsein der Gustavsberger, an einem 
Werke zu arbeiten, das der Allgemeinheit dient und das seinen Angehörigen die gesicherte 
Grundlagt einer würdigen menschlichen Existenz bietet, schafft auf allen Gebieten eine 
Atmosphäre der Zusammenarbeit, die wohl die beste Grundlage für das weitere Gedeihen 
der Gustavsberger Werke darstellt. 
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