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Volltext: Alte und Moderne Kunst V (1960 / Heft 6 und 7)

MACHT - Äsiheiischer Belon 
WILHELM MRAZEK 
Obwohl der Beton bereits den alten Kulturvölkern bekannt war, geriet sein Herstellungs- 
verfahren im Mittelalter völlig in Vergessenheit. Bauherren und Baumeister bevorzugten 
die Jahrhunderte hindurch die Baustoffe natürlichen Ursprungs, vor allem bei den reprä- 
sentativen Bauwerken der sakralen und profanen Architektur. S0 stammen z. B. die 
Steine des Domes zu St. Stephan in Wien alle aus den vielen Steinbrüchen südlich und 
nördlich der Stadt, ja, als diese nicht mehr ergiebig genug waren, wurde das Baumaterial 
selbst noch aus den Orten des ungarischen Grenzgebietes bezogen. 
Zu Ende des 18. Jahrhunderts proklamiertcn die französischen Revolutionsarchitekten 
eine neue Auffassung vom Wesen der Baukunst. Diese ersten Ansätze einer neuen Archi- 
tektur wurden dann im 19. Jahrhundert in mehreren Anläufen weitergetriehen und 
haben schließlich mit der autonomen Architektur des 20. Jahrhunderts ihr vorläufiges 
Zicl erreicht. Hand in Hand damit wurden auch neue Baumaterialien eingeführt und 
bevorzugt, so die Werkstoffe Eisen und Glas, die in den Glashäusern der englischen 
Parkanlagen und in den Kristallpalästen der Weltausstellungen ihre erste Verwendung 
fanden. Als dann aber mit dem Jahre 1870 nach mehreren Vorstufen der Eisenbeton 
erfunden wurde, war für die Ideen einer „reinen" Architektur endlich auch jenes adäquate 
Material gefunden, in dem sie sich vollauf verwirklichen ließen. Doch erst dem 20. Jahr- 
hundert war es vorbehaltcn, alle Eigenschaften des künstlichen Baustoffes Beton zu 
erschließen und in einem interessanten Phasenablauf der Architektur dienstbar zu machen. 
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