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Volltext: Alte und Moderne Kunst V (1960 / Heft 8)

ein Einsamer in der österreichischen Malerei jener Zeit, 
umsomehr, als er sich weniger der österreichischen 'l'r:t- 
dition, dic bei vielen bedeutenden Malern sichtbar ge- 
pflegt wurde, als der mittelmeerisehen verbunden fühlte. 
Denn diesem Sproß aus einem alten in der Steiermark 
ansässigen Adelsgeschlecht, der 1885 als Alfred Nlalthias 
Konstantin Capello Reichsgraf von Wickenburg geboren 
wurde, fließt durch einen Ahnen. der im 17. Jahrhundert 
aus Italien nach Braunschweig-Celle ausgewandert war, 
italienisches Blut in den Adern. 
Wickenhurg bleibt also von 1923 an in Graz, und hier 
formt sich nun seine persönliche Ausdrucksweise, eine 
Sprache, die seine künstlerischen und menschlichen Er- 
kenntnisse, seine vornehme Gesinnung und hohe Bildung 
in sich vereint. Seit damals strebt er nach der Verbindung 
von Inhalt und Form allein durch malerische Mittel, 
blieb er immer der sichtbaren Wirklichkeit zugcwcndet. 
Leben und Natur in ihrer Einfalt und Vielfalt sind die 
 
Quellen, aus denen der Künstler Wickenburg schöpft. 
Geleitet von seiner reichen Phantasie aber wandeln sich 
die Dinge der Umwelt in immer reichere farbige Ge- 
bilde, in denen das Märchenhafte und Visionäre, das 
Traumhafte und Unreale trotz der Beziehungen zum 
Optiseh-Sehaubaren herrschen. 
In frühen Bildern ist die formale Struktur - nämlich 
die kubistische Grundlage - noch deutlich sichtbar. Die 
starke Spannung in der Bildkomposition wird Weitgehend 
durch die farbige Behandlung: hervorgerufen, wie sie z. B. 
im Bilde „Diana und Aetäon" (Rom 1921) in den stark 
farbigen Figuren, die mit tänzerischen Gesten den vor- 
dersten Bildraum erfüllen, sichtbar wird. Später verbirgt 
sich die formende Bildzucht hinter der heiteren Welt 
der bunten Landschaft, sich ganz dem farbigen Einfall 
überlasscnd. "Die Fahrt aufs Land" (Graz 1924) bildet 
einen malerischen Höhepunkt im Werke Wickenhurgs. 
Hier wird das crstemal deutlich, daß Wickenhurg in 
einen malerisch geist- und reizvoll gestaltenen Grund 
die Formen einbaut und beides zu einer Einheit ver- 
schmilzt. In diesem Bilde ist darüber hinaus in einer 
anderen Schicht noch all das ausgesagt, was für das 
steirische Land und sein Wesen typisch ist. 
In der weiteren künstlerischen Entwicklung des Meisters 
gibt es keine Zäsuren, höchstens zarte Übergänge im Be- 
mühen, scine bildnerische Sprache zu vertiefen und We- 
sentliches zu verdichten. 
Dafl diese Kunst im I.aufe der Jahre nicht der Gefahr 
der Routine und des Gekonnten erlag, ist der Kraft der 
Phantasie Wiekenburgs zu danken, die seine Pinsel be- 
fähigt, Natur und Leben in neuen Bildwirkliehkeiten er- 
stehen zu lassen. 
Fasching, lieste, Theater, zu denen eine immerwährende 
Beziehung besteht, manifestieren sich in Stilleben und 
Kompositionen, wie etwa dem zartpastelltönigen Bild 
„Die Maske", aus dem man die Gesten des antiken Thea- 
ters vernimmt; in Fresken aus dem Jahre 1930 ist Apollo 
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